Fish ’O’ Mania 2013 in Stoke - Team Germany

  • von Thomas Engert
  • 25. März 2014 um 09:00
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Am 24. Mai sitze ich vor meinem Bildschirm, Mails checken. Der Absender Dick Clegg sticht mir direkt in's Auge. Dick Clegg, der Offizielle, der mir 1999 in Castleblaney die Silbermedaille bei der EM um den Hals gehängt hat.  Dick Clegg, der langjährige und äußerst erfolgreiche Coach des Team England,  jetzt  "International Events Director Angling Trust".

Also sofort die Mail geöffnet, was darf ich lesen: eine Einladung zur Fish ’O’ Mania in Stoke on Trent, UK! wow...!

"Hi Thomas,  the biggest televised angling competition in England is the Fish ’O’ Mania event at Cudmore Fisheries near to Stoke on Trent in the West Midlands. This match takes place on Saturday the 13th of July and is for anglers who qualify earlier in the year. On Sunday the 14th of July there is going to be an International Pairs event for 8 countries. I am asking you on behalf of the organizers Match Room if you would like to take part in this competition. An urgent reply would be appreciated."

Ich war echt überrascht, wie "Match Room" auf mich gekommen war, hab mich aber schnell von dem Schreck erholt und meinen Kalender hervor gekramt. Der Termin war machbar, es fehlte mir nur noch ein Kompagnon, denn jede Nation stellt zwei Angler und nach Möglichkeit einen Team Manager. Gefischt wird im Arena Lake, soviel war bekannt und da gibt es Karpfen, Barben (!) und Brassen zu fangen. Wie der Name schon suggeriert, der Arena-Lake ist rund wie eine Rennbahn, mit einer Insel in der Mitte. Jeder Angler hat exakt den gleichen Abstand zur Insel (ca. 20m).

Die InselDie Insel in der Mitte des Arena-Lakes

Ehrlich gesagt, habe ich mich mit der Carpodrome-Angelei noch nicht so intensiv beschäftigt, wie man das getan haben sollte, um gegen erfahrene Spitzenleute aus Nationen, bei denen das Carpodrome ein Hype ist, zu bestehen. Wen mitnehmen?

Als erstes fiel mir Mario Nebauer ein, mittlerweile mein Freund, Tandem-Partner und als Grenzgänger zwischen Bayern und Österreich, Angler mit Carpodrom-Erfahrung, also das Email weitergeleitet an Mario. Er war hellauf begeistert, bestätigte mir den Termin und ich ließ Dick Clegg wissen, daß wir beim 8-Nationen-Angeln dabei sind.

Mario kümmerte sich um die Fähre, ich holte Infos ein und bat Dick, uns einen Local als Manager zu suchen, denn wir kämen nur zu zweit.

Mario Nebauer (links) und Thomas Engert

Mario schlug dann mit seinem ziemlich vollgeladenen Bus bei mir auf und wir luden alles Nötige (und unnötige) in meinen Bus. Die Fähre Calais-Dover erreichten wir gerade noch rechtzeitig und bis auf den Gesundheitszustand von Mario, war alles im grünen Bereich. Mario hatte eine schwere Mandelentzündung fast überstanden, er war aber noch nicht wieder voll fit. Die restlichen Antibiotika-Tabletten hatte er zu Hause liegen lassen und das sollte sich rächen.

Kamera Kran

Gegen Mitternacht kamen wir im Holiday Inn an, wurden sehr freundlich aufgenommen und von Dick und seinen Mitstreitern herzlich begrüßt. Wir waren völlig groggy und gingen sofort zu Bett. Nach einem ausgiebigen englischen Frühstück waren wir soweit wieder hergestellt, nur wurde Marios Halsentzündung zunehmend schlechter, er erlitt einen Rückfall.

Wir fuhren gleich vom Hotel aus zur Cudmore fisherie und waren von dem großen Aufgebot an Medien und Kameras doch einigermaßen überrascht. Eine große Moderatorenkabine, wo ein Reporter sich live mit gestandenen Anglern als Co-Kommentatoren unterhält und jeden gefangenen oder verlorenen Fisch bespricht. Ein 90m (!) Kran mit Plattform und Kameras direkt über dem Arena-Lake, damit ja kein Drill undokumentiert bleibt.

Man fischt hier also quasi wie auf einem Tablett, ist unter ständiger Beobachtung und sollte sich dessen immer bewußt sein... Fluchen und Wutausbrüche nach unglücklichem Drillausgang sollte man sich besser verkneifen, alles wird LIVE gesendet!

Es waren sehr viele Zuschauer vor Ort, an Ständen konnte man sich verpflegen und natürlich boten lokale Angelshops ihre Produkte an. Ganze Familien machten sich hier einen schönen Tag.

Thomas Engert im Drill und die Kamera läuft

Die Vorbereitungen der 16 Angler, die sich für dieses Finale qualifiziert hatten (mit Preisgeld von 30.000 £ für den Sieger) waren in vollem Gange und wir schauten denen natürlich auf die Finger. Das Eine oder Andere wollten wir noch aufschnappen, denn wir waren in Bezug auf diese ganz spezielle Fischerei ziemlich grün hinter den Ohren. „Der Arena Lake hat seine eigenen Gesetze“ wurde uns gesagt und über diese Gesetze  wußten wir so gut wie nichts. Leider blieb uns nur wenig Zeit zum spionieren, es gab Interview Termine, Ausgabe der Shirts des Sponsors, gemeinsamen Lunch, usw.

Erschwerend kam hinzu, daß am Samstag vieles erlaubt, was dann am Sonntag („international Rules“) verboten war : kein Feeder, nur Pose, keine Pellets, keine „Man made Baits“, nur natürliche Köder wie Mais, Caster, Made, Wurm.

Viele Angler, so auch Tom Pickering, setzten überwiegend auf den Method-Feeder, ganz dicht vor die Insel geworfen, andere angelten mit Paste, alles Methoden, die wohl funktionieren, allerdings dann Sonntags nicht erlaubt sind und insofern ist es wenig hilfreich, sich das anzusehen.

Gegen Mittag lief auch unser Manager, Kieron Rich ein. Kieron ist ein richtig guter Angler und war mal „Kamasan Matchman of the Year“. Die nötigen Punkte dafür hatte er sich am Arena Lake erkämpft, war aber seit Jahren nicht mehr hier zum fischen.

Statt weiter zuzusehen, fuhr ich mit Kieron und Mario an einen anderen See der Cudmore fisheries um ihm unser Tackle, Montagen und die mitgebrachten Köder zu zeigen. Kieron befand die in unsere Pullerkits eingezogen Gummis für in Ordnung. Die Würmer hatten wir aus Deutschland mitgebracht, die hätten laut Kieron ruhig noch größer sein dürfen, waren aber noch ok. Bunte Maden aus Österreich hatten wir ebenfalls mit, frische Caster bei Kieron für den morgigen Tag bestellt.

Wir haben dann unter seiner Anleitung mit CCX Posen neue Montagen für den Sonntag gebaut:

  • Hauptschnur 0,18 Crazy Bait Classic Power
  • Vorfach 0,16-0,14 dito
  • CCX Carp Posen von 0,2 bis 0,8g
  • Haken ohne Widerhaken (von Kieron) in Größe 14 und 16
  • Ruten: Sensas 65 XL River Carp 13m
  • Kits: UK Fighting Tops („Puller Kits 2,7m lang)

Am Abend unterhielten wir uns dann mit den bekannten Größen Will Raison, Alan Scotthorne und anderen bei einem Bier an der Bar. Mario hatte mittlerweile Fieber und so zogen wir uns zeitig zurück.  Die Auslosung der Plätze am nächsten Tag fand unter laufenden Kameras statt. Wenn ich bedenke, daß man hier in Deutschland als Angler schnell mit einem Fuß im Gefängnis steht für ein Verhalten, daß im europäischen Ausland bei den Medien größte Aufmerksamkeit und von den Zuschauern Respekt und Achtung erfährt, könnte einem schlecht werden. Übrigens hat unser Nachbar Holland die Übertragungsrechte gekauft und berichtete Live von der Veranstaltung. Manchmal denke ich, wir Deutschen Angler leben isoliert auf einer Insel mitten in Europa!

Die gezogenen Plätze waren ganz ok, ich gab Mario den Platz N°14, in der Nähe unseres Parkplatzes, damit er sein Zeug nicht so weit schleppen mußte. Ich saß auf Nr°6, genau auf der gegenüber liegenden Seite des Sees, auf N°7 war am Tag zuvor auf der 7m-Bahn mit über 60kg (vorwiegend Barben!) gewonnen worden und von Marcos Platz kam am Samstag viel Fisch.

Na denn!

Kieron informierte mich, wie der Gewinner das gemacht hatte, nämlich dauernd Caster mit der Hand auf die kurze Bahn gefüttert und mit Doppelcaster am Haken geangelt.  Mario und ich waren der Meinung, daß wir als Greenhorns schon etwas Risiko gehen sollten, statt nur zu kopieren. Mir war bekannt, daß in einigen Matches auch Brassen eine große Rolle spielten, also entschieden wir uns dafür, Futter einzusetzen (Sensas Crazy Bait Gold-green) um einen Unterschied zu machen.

In aller Regel wird im Arena-Lake sonst nur mit Pellets und Lebenköder gefüttert. also setzten wir 4 große Cups mit Futter ab. Kieron hatte nichts dagegen, solange wir uns damit wohl fühlten. Im Nachhinein hätten wir es besser sein lassen!

Mein Nachbar zur rechten cupte mit einem fest installierten Minicup gehackte Würmer in einer schwarzen Soße ab, platzierte seinen Rig (1m Kopfschnur, 30cm tief eingestellte Pose) mit einem Wurmstück am Haken, genau in der schwarzen Wolke und begann nach wenigen Sekunden zu "slappen". Das slapping ist nicht überall erlaubt, aber hier schon. Dabei wird die sehr kurze Montage im Kreis geschleudert und auf die Wasseroberfläche gepeitscht. Das ist bei 0,2G natürlich nicht sehr laut, aber in der total trüben Brühe scheinbar effektiv. Nach jedem slapp werden 5-10 Caster auf die Pose geschossen. Der Rhythmus läuft also folgendermaßen ab (das hab ich so zum 1. Mal gemacht):

Gehackte Würmer mit schwarzer Erde/Sosse in den Minicup, rausschieben auf 13m, Cup leerklopfen, sofort die Montage ins Zentrum absenken, bis 10 zählen, kommt bis dahin kein Biß, 1-2mal slappen, Caster schießen, Slapp, Caster schießen, Slapp. Keine Reaktion: Das Ganze wieder von vorn! ...und dabei die Caster für die 7m-Bahn nicht vergessen und ständig frische Würmer nachschneiden.

Nch 2 Stunden hatte ich bereits 2 Liter Wasser getrunken, denn das strengt extrem an und mit 29°C hatte England den wohl heißesten Tag des Jahres erlebt.

Bei meinem Nachbar funktionierte das vorzüglich, da ich die schwarze Lockstoff-Sosse nicht zur Verfügung hatte, mixte ich Litou extra unter. Ich fing auch Fische in der gelben Wolke, überwiegend aber kleine Brassen (Skimmer) von 50-100g. Dazwischen auch 3 oder 4 Karpfen in den ersten beiden Stunden. Während die Karpfen meines Nachbarn 2-3kg das Stück wogen, brachte ich das Kunststück fertig, 2 Karpfen hintereinander zu fangen, die beide keine 500G auf die Waage brachten!  Die kleinsten Exemplare des Sees bei mir am Platz...“Litou can do“!

Die Litou-Aktion brach ich dann ab, denn meine Pose war ständig unter Wasser, zu viele Skimmer und Minikarpfen am Platz, von denen natürlich mindestens jeder zweite verloren geht. Der Elastik ist halt recht dick und man verliert neben den Fischen auch noch viel Zeit.

Die 7m Bahn links von meinem Angelplatz angelegt, brachte leider keine Fische. Die Barben waren nach Tag 1 wohl ganz schön bedient, selbst auf dem Gewinnerplatz wurden vom Holländer nur 2 oder 3 gefangen (am Vortag bestimmt 20!)

Mittlerweile fütterte ich einen Mix aus gehackten Würmern und schwarzer Wurmerde und fing eigentlich ganz ordentlich. Kieron saß die ganze Zeit hinter mir und gab Tips. So nach 2 Stunden fragte ich ihn, ob er nicht mal nach Mario sehen will. Die nächsten 2 Stunden war er dann hinter meinem fiebernden Freund, um ihm zu mehr Fisch zu verhelfen.  Mario hatte einige Karpfen gefangen und leider auch einige verloren. Er war dank Hitze und Fieber einfach groggy und weit von seiner normalen Kondition entfernt. Zu der Zeit lagen wir laut Kieron auf Rang 5 und gewichtsmäßig nicht weit hinter Rang 3.

Mario Nebauer netzt einen weiteren Karpfen ein

Mittlerweile fing Alan Scotthorne, der bis dahin kaum Fischkontakt hatte, mehrere gute Fische, er saß 3 oder 4 Plätze weit weg und ich konnte nicht sehen, wie er das anstellte. Generell fingen Will und Alan plötzlich sehr gut, sie hatten umgestellt, aber was und warum war nicht in Erfahrung zu bringen. Es war leider keiner da, den ich fragen konnte!

Jeder gelandete Fisch der Beiden wurde mit Beifall und „Come on Alan, come on Will“-Rufen begleitet, sagenhaft, so was erlebt man auch nicht alle Tage!

Nichtsdestotrotz gab ich in der letzten Stunde noch mal Gas. Ich fing weiter kleine Brassen, einen weiteren Karpfen, zwei schlitzten aus und leider ging mir auch ein richtig guter Karpfen, der beim Anschlag gleich in voller Pracht die Oberfläche durchpflügte, nach wenigen Minuten durch Schnurbruch verloren. Der Gummi war bis zum Anschlag raus, die Schnur  sang beängstigend und am Ende riß die Leine. Der Karpfen hatte das Zeug, den 1000 £-Karpfen von Will zu schlagen (er gewann 1000 £ für den schwersten Fisch mit 5.5kg), aber was soll’s, hätte, könnte, müßte, da kann man sich nichts für kaufen!

Karpfen solcher Größe müssen erst einmal gebändigt werden

Am Ende gewannen die Engländer durch die tolle letzte Stunde das Match vor den Schotten doch noch und erfüllten die hohen Erwartungen Ihrer Fans.  Will erklärte es bei ihm mit dem Wind, der plötzlich wechselte und direkt auf ihn zukam. Mit dem Wind kamen die Fische und der Sieg. Die beiden Top Stars durften Schecks in Höhe von 11000 £ entgegennehmen und natürlich unsere Glückwünsche.

Die Anzahl unserer Fische war eigentlich top, aber am Durchschnittsgewicht müssen wir noch arbeiten, besonders ich!

Ein super Ergebnis für Thomas Engert, wenn man die kurze Vorbereitungszeit und fehlende Erfahrung und Informationen bedenkt

Mario und ich konnten so leider nur die Franzosen hinter uns lassen, aber dafür, daß wir diese Angelei in dem Stil noch nie betrieben hatten und einiges an Pech dazu kam, waren wir am Ende nicht enttäuscht.  

Die Fish ’O’ Mania  war im Gegenteil ein großartiger Event und nicht zuletzt wegen der erlebten Gastfreundschaft ein rundum tolles Erlebnis. Ich hoffe, wir dürfen nächstes Jahr wieder dabei sein!

Ergebnisse Einzel
Ergebnisse (PDF)

Bildergalerie

Petri Heil

Thomas Engert

 

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