Walterland Masters 2014 - Der Bericht

  • von ct Redaktion
  • 27. Mai 2014 um 10:06
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Ich denke mal, dass jeder Angler seinen eigenen, persönlichen Saisonstart hat. Für unsere Truppe von champions-team.de ist seit nunmehr 3 Jahren das Walterland Masters im ungarischen Szeged der Saisonstart. Sicherlich ist die Anreise in den Süden Ungarns kein Zuckerschlecken, aber sowohl die Stadt Szeged mit ihren gastfreundlichen Einwohnern als auch das Fischen am Ruderkanal ist die Mühe allemal wert. Unser Team bestand in diesem Jahr aus den altbewährten Kräften Jayson Greatorex, Rene Schmidt, Michael Borchers und Henric Plass. Dazu verstärkte uns in diesem Jahr mit Arno Raab als 5. Mann ein absolutes Schwergewicht der Szene. Arno ist ein Vollblutangler und wir sind froh einen solchen Fachmann in unserem Team zu haben.


Die Strecke in Szeged

In diesem Jahr hatten sich 28 Teams zum Cup eingeschrieben und neben dem unserem Team zeichnete auch das Allianz Team Unger als zweite deutsche Mannschaft. Aus England konnte das UK Team Daiwa für das Fischen gewonnen werden und mit den beiden Topanglern Will Raison und Stephen Ringer war diese Mannschaft ein absoluter Volltreffer für das Event. Insgesamt konnten Angler aus 10 Ländern für das Fischen gewonnen werden, damit zählt das Walterland Masters sicherlich zu den absoluten Topevents auf dem europäischen Kontinent. Tamas Walter, der Organisator dieser Veranstaltung betont immer wieder, dass das IAM am Silokanal in Brandenburg sein großes Vorbild ist und dass das Walterland Masters irgendwann auf eine Stufe mit dem IAM stehen soll. Wir freuen uns über diese Worte und werten es als großes Kompliment. Dieses Lob ist sicherlich ein Motivationsschub für uns, um die Planungen für das IAM weiter voran zu treiben. Das Tamas Walter ein echter Profi in Sachen Organisation ist, das beweist er jedes Jahr wieder. Im letzten Jahr kreiste ein Hubschrauber über der Strecke und lieferte tolle Bilder vom Masters und in diesem Jahr war neben mehreren Kamerateams auch eine funkgesteuerte Videodrohne im Einsatz und machte beeindruckende Aufnahmen. Jayson ist auf jeden Fall Feuer und Flamme für dieses Spielzeug. Als kleinen Leckerbissen organisierte Tamas noch eine kleine Lehrveranstaltung mit Will Raison und Steve Ringer. Will fischte eine Demoveranstaltung an der Kopfrute, während Steve seine Fähigkeiten an der Feederrute zur Schau stellte. Dieses Demofischen wurde von einem Kamerateam begleitet und es gab für die zahlreichen Zuschauer die Möglichkeit Fragen an die beiden Cracks zu stellen.

Die Ruderstrecke darf ab dem Mittwoch vor dem Event von den Anglern befischt werden, es stehen damit drei Trainingstage zur Verfügung, um sich mit dieser absoluten Topstrecke vertraut zu machen, die sich erfahrungsgemäß was die Fänge betrifft jeden Tag etwas mehr aufbaut.

Der Kanal bzw. die Fänge waren im letzten Jahr durch einen sehr langen und kalten Winter geprägt. Bedingt durch die kalten Wassertemperaturen war erst der 2. Durchgang ein Karauschen-Durchgang, die Trainingstage waren dagegen vom Skimmerangeln auf der kurzen Bahn sowie vereinzelnden Karpfen geprägt. Am Sonntag waren dann auf einmal die Karauschen auf der 13m Bahn voll da. Wie man aus dieser kurzen Passage erlesen kann, ist das Fischen in Szeged sehr abwechslungsreich und spannend. Es gilt also die Strecke innerhalb von drei Trainingstagen möglichst gut abzuschätzen und sich für die Durchgänge vorzubereiten. Während der Durchgänge gilt es dann flexibel zu sein und auf die Situation am Platz richtig zu reagieren. Wenn man dann alles richtig macht, dann kann man quasi auf jedem Platz in Szeged gewinnen. Sicherlich ist es meistens von Vorteil, wenn man in den Endsektoren am Ende der Strecke sitzt, in der Mitte der Strecke gibt es aber eigentlich nur einen schlechten Platz, dieser Platz ist 30cm flacher als die anderen Plätze der Strecke und die Fische stellen sich nur ungern auf diesen Platz. Leider erwischte ausgerechnet Rene aus unserem Team diesen flacheren Platz, an dem ein dickes Stromkabel verlegt wurde, doch er konnte trotzdem einen super 7ten Platz im Sektor erreichen, da er von Beginn an die Schnüre an seinen Montagen um drei meter verlängerte und so weit über die Spitze angelte. Beim eigentlich immer wehenden Wind am Ruderkanal kein leichtes Unterfangen, belohnt wurde Rene aber am Ende auch noch durch den fang eines Bonushechtes, der wie alle Fische zählt.

Wie schon in den letzten Berichten zum Event geschrieben, geht es in Szeged um folgende Fischarten

  • Karpfen ( 600 Gramm bis 6 Kilogramm)
  • Karauschen 50 Gramm bis 800 Gramm
  • Skimmer 20 Gramm bis 700 Gramm
  • Ukelei 5- 15 Gramm

Beifänge sind Katzenwelse, die in diesem Jahr nicht so zahlreich vertreten waren und einige Grasfische, die bis zu 3 kg auf die Waage bringen.

Kommen wir kurz zu den Vor- und Nachteilen der einzelnen Fischarten

Karpfen: Teilweise groß und schwer, im Drill ungestüm und kraftvoll, dadurch verliert man viele Karpfen im Drill. Für ein wirklich gutes Ergebnis braucht „Otto Normal Angler" zwei bis drei gute Karpfen. 


Steve Ringer mit einem guten Karpfen 

Karauschen: Da Karauschen in Ungarn nicht mehr besetzt werden dürfen, sind die Karauschen in Szeged alte, erfahrene Fische. Hat man die Karauschen am Laufen, dann kann man mit diesen Fischen gute Gewichte fangen, noch dazu verliert man nur sehr wenige Karauschen im Drill. Die Karausche ist der Zielfisch Nummer 1 in Szeged, auf sie versucht man sich im Training einzustellen.

Skimmer: Die Skimmer lassen sich auf der kurzen Bahn gut und schnell fangen, im letzten Jahr reichte die Größe der Fische aber nicht um die Sektoren für sich zu entscheiden. Allerdings sind die Skimmer eine interessante Option wenn es auf der langen Bahn nicht läuft und es eine Beißpause zu überbrücken gilt.

Ukelei: Der Fisch für die Spezialisten... Die sehr guten Ukeleiangler fangen in Szeged immer relativ sicher 10 Kilogramm, was meistens ein gutes Ergebnis ist. Das Problem ist aber, das die guten Ukeleiangler nur 8 Kilogramm fangen, das reicht meistens nur für das untere Mittelfeld. 

Einer der besten Ukeleiangler Europas - Peter Hlasek aus der Tschechei
Einer der besten Ukeleiangler Europas - Petr Klásek aus der Tschechei

Der Winter 2013 / 2014 war in Ungarn genauso mild wie in Deutschland, dazu war der April sehr warm. Entsprechend warm war das Wasser und die Angler wussten nicht, was dies für das Angeln bedeuten würde? Ukelei in Massen, Karpfen im Fressfieber und Karauschen „on Fire", niemand wusste es, nicht einmal die einheimischen Angler, da die Strecke immer nur für wenige Tage vom Ruderverband gebucht werden kann und sonst nicht befischt wird.

Die Trainingstage waren dann sehr unterschiedlich. Nach einem passablen ersten Tag folgte ein extrem guter zweiter Trainingstag, nur damit das offizielle Training eine kleine Katastrophe wurde.

Die Fänge waren wechselhaft, doch wir waren uns am Freitagabend sicher, dass wir eine gute Taktik für den kommenden Durchgang gefunden hatten. Das Problem einer passenden Taktik ist, dass Karpfen und Karauschen zwar sehr ähnlich, aber leider vollkommen unterschiedlich zu befüttern sind.

Karpfen fressen gerne direkt auf dem Futterplatz und nehmen dort auch eine gehörige Portion Nahrung auf. Vor allem Maden und Mais sind für die Karpfen angesagt. Gefischt wird dann meist mit einem aufliegenden Vorfach, kräftigem Haken sowie großem Köder.

Karauschen dagegen meiden den Futterplatz, fressen am liebsten abseits der Karpfen und nehmen eher kleine Köder. Dazu sollte das Vorfach fein und die Haken klein sein, Karauschen lieben Mückenlarven am Haken.

Unsere Taktik war auf Karauschen ausgelegt, wir fischten einen Futtermix aus Sensas Black Carp und einem Tubertini Karauschenfutter. Wir fütterten dieses Futter mit dem Polecup und Pinkis, toten Maden sowie Maiskörner auf circa 12,50m, dazu brachten wir noch Futterbälle mit Mückenlarven auf 13m aus. Wir befischten diese Plätze je nach Strömungsstärke mit Posen zwischen 1,0 Gramm und 3 Gramm. Waren die Karpfen auf den Plätzen, fischten wir mit einem Sensas 3080 Haken in Größe 16 und 13er Vorfach. Waren die Karauschen auf dem Platz, fischten wir einen 18er Haken vom Typ Kamasan 511, einen Tubertini Serie 2 in Größe 15 oder einen Sensas 3410 in Größe 18 an einem 10er oder 11er Vorfach. Natürlich kam es vor, dass die Karpfen auf die dünnen Karauschenmontagen einstiegen und dann galt es einen perfekt abgestimmten Gummizug in der Rute zu haben. An der Strecke sah man sehr oft den blauen Hollow Elastic von Daiwa, aber auch der Colmic in der Stärke 1,9mm lief sehr gut. Auf einem 13er Vorfach war der weisse Hollow von Daiwa dann kaum zu schlagen. Um diese Gummizüge effizient zu fischen, empfiehlt sich in unseren Augen der Einsatz von Pulla Bungs sowie Pulla Kits.

Kommen wir jetzt zum ersten Durchgang. Vielleicht zu Beginn ein großes Dankeschön an unseren Freund Peter „Pilot" Larsen aus Dänemark. Peter war ab Freitag Abend an der Strecke und hat uns an beiden Tagen als Bankrunner unterstützt und uns mit wichtigen Informationen versorgt. Dazu hat Peter noch schöne Fotos von der Strecke und dem Event geschossen. DANKE Peter!

Jetzt aber… Samstag 1. Durchgang: Das Fischen begann für uns sehr durchwachsen, lediglich bei Michael ging es sofort gut los, er konnte innerhalb der ersten 45 Minuten sechs Karauschen fangen. Bei allen anderen sah es mau aus, Jayson hatte nach 45 Minuten gar erst eine kleine Güster im Kescher. Das stellte aber für das Team kein Problem dar, denn unsere Taktik war auf ein Aufbau des Platzes während des kompletten Fischen ausgelegt. Wir wollten dies durch ein permanentes Nachfüttern per Polecup erreichen. Dieses Vorhaben klappte bis zum Ende der dritten Stunde auch ganz gut, bei Henric sogar sehr gut. In der letzten Stunde war es dann allerdings bei allen Anglern im Team sehr mau. Prinzipiell ging unserer Taktik brauchbar auf, allerdings reagierten die Fische auf das Futter nicht immer so, wie wir es erwünscht hatten. Am Ende des ersten Tages lagen wir mit 28 Punkten ganz brauchbar im Rennen und wir waren uns sicher, dass wir mit unserer Taktik am Sonntag ebenfalls auf der richtigen Seite liegen würden.

Henric mit einer Plz 3 nach Durchgang 1
Henric mit einer Plz 3 nach Durchgang 1, Ralf Töpper auf 4

Dann kam der Sonntag und es kam alles anders als wir gedacht hatten! Eigentlich lief alles wie gehabt, unser einziges Problem war, dass Rene wie bereits oben geschrieben den einzigen schlechten Platz auf der Strecke hatte. Beim Rest der Truppe herrschte aber Zuversicht. Das Fischen begann, wir hatten im Team beschlossen die erste 30 Minuten auf der kurzen Bahn zu fischen um den Fischen auf der langen Bahn Zeit zum Eingewöhnen zu geben. Die kurze Bahn lief dann auch wirklich brauchbar und als nach einer halben Stunde die Fänge der Nachbarn auf der langen Bahn immer besser wurden, wechselten wir ebenfalls auf diese Bahn und dann begann das Problem. Bis auf Jayson in der ersten Stunde, bekamen wir diese Bahn nicht zum Laufen. Es konnten zwar hier und da mal eine Karausche oder ein kleiner Karpfen gefangen werden, aber die Nachbarn fingen deutlich besser als wir und es wurden vermehrt Karpfen der 2 kg+ Kategorie gefangen und nur sehr wenig Karauschen. Zur Mitte und zum Ende des Durchgangs, also der Zeitraum in dem gemäß unserer taktik unser Fänge immer besser werden sollten, wurde es bei uns immer schlechter. Schlussendlich konnten wir uns bei einigen großen Fischen (unter anderem ein 2 Kilogramm Hecht von Rene )bedanken, dass wir nicht in sämtlichen Sektoren ganz hinten waren. Wir fischten ein absolut indiskutables Ergebnis und fielen in der Mannschaftswertung extrem weit zurück. Wir können uns bis heute nicht erklären, was in diesem Durchgang schief gelaufen ist, wahrscheinlich waren wir in der Anfangsfütterung zu vorsichtig. Wir hoffen, dass uns dies im nächsten Jahr nicht mehr passieren wird. 

Fischte einen super 2. Durchgang - Johannes Böhm
Fischte einen super 2. Durchgang - Johannes Böhm

Wirklich beeindruckend war die Performance von William Raison. Will war das erste Mal an der Strecke und er änderte gleich die taktischen Informationen von Tamas Walter (einem ausgewiesenen Kenner der Strecke ) leicht um und machte sein angeln damit noch erfolgreicher. Woher weiß dieser Mann sooo genau, wie man in Szeged zu angeln hat? Ist nicht jede Strecke etwas anders? Es scheint, als ob diese Regeln nicht für einen Topangler wie Will Raison gelten. Wirklich sehr, sehr bemerkenswert wie dieser Mann die Strecke antizipiert hat. Ein kleines Beispiel: In Szeged hat noch nie jemand erfolgreich mit Castern geangelt, dann kommt Herr Raison und die Karauschen entdecken ihre Liebe für Caster!

William Raison

Ebenso sehr beachtlich war das Abschneiden von Ralf Töpper und Johannes Böhm aus dem Allianz Unger Team. Für beide Angler war das Gewässer relativ neu und sie konnten lediglich auf Ihre internationale Erfahrung zurückgreifen und trotz der sehr unterschiedlichen Trainingstage zogen die Beiden die richtigen Rückschlüsse und lieferten ein tolles Ergebnis ab – Ralf und Johannes, Ihr habt unseren vollen Respekt!

Ein richtig guter Angler - Ralf Töpper
Ein richtig guter Angler - Ralf Töpper

Gewonnen hat die Mannschaftswertung übrigens das Walterland Team, dieses Team überzeugte mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung, wobei Tamas walter sich aus dem Team genommen hatte, da er der Meinung war, dass die Organisation des Events und die die volle Konzentration auf das Angeln nicht in Einklang zu bringen wären. Die Einzelwertung ging nach dem Motto „er kam, sah und siegte" an Steve Ringer aus dem Daiwa Team. Glückwunsch auf die Insel. Für das nächste Jahr hat sich eine weitere große Mannschaft angesagt und man darf gespannt sein, ob dieses Team auch so famos einschlägt wie das Team Daiwa.

Die Siegermannschaft Team Daiwa Walterland
Die Siegermannschaft Team Daiwa Walterland

Generell sind wir gespannt, wie sich dieses Angeln in den nächsten Jahren entwickelt. Unserer Meinung nach gibt es neben dem IAM kaum ein besseres Event auf dem europäischen Kontinent, wobei es langsam aber sicher auch in Frankreich und Italien größere Veranstaltungen mit internationalem Teilnehmerfeld gibt. Es ist unserer Meinung nach nur eine Frage der Zeit, wann italienische Teams sowie das holländische Nationalteam in Ungarn auftauchen. Warum? Weil Angeln einfach nicht „besser" sein kann!

Winner Winner - Steven RingerWinner Winner - Steven Ringer

 

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