Die World Pairs 2014 in Irland Teil 1

  • von ct Redaktion
  • 30. Juli 2015 um 10:00
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Als ich ein kleiner Junge war, da habe ich die Tage vor meinen Geburtstagen und vor Weihnachten mit einer immer größer werdenden Nervosität runtergezählt, die Vorfreude auf die Geschenke wuchs von Tag zu Tag und es war einfach immer wieder toll wenn diese Feiertage dann anstanden. Mit dem Alter reduziert sich diese Vorfreude deutlich und sowohl Weihnachten, als auch mein Geburtstage sind mittlerweile Routine. Gott sei Dank habe ich aber ein Hobby, welches mir dieses Gefühl bei besonderen Anlässen wieder zurück gibt.

In diesem Jahr sollten es die World Pairs in Irland sein, die mir dieses Deja Vue bescherten. Die Wochen vor dem Event verbrachte ich damit Informationen aufzusaugen, die Abende verbrachte ich in meinem Angelkeller um mich auf alle Eventualitäten vorzubereiten ( was natürlich wieder mal nicht gelang ).

Wir wollten mit 4 Anglern nach Irland reisen, diese 4 Angler bildeten 2 Pairs. Die Angler waren

- Jayson Greatorex und Henric Plass

- Carl Clayton und Michael Borchers

Unser Team, v.l. Michael, Henric, Jayson und Carl

Am Ende lief die Zeit dann schnell ab. Am Donnerstag und damit 4 Tage vor dem Event verpackten wir das Angelgeschirr und Carl und Jayson machten sich auf den weg nach Irland. Um das komplette Tackle zu transportieren, brauchten wir übrigens einen VW Caddy, einen Anhänger und den Willen auf einiges an Tackle zu verzichten. Die Fahrt der Beiden ging von Hannover nach Rotterdam, von dort mit einer Nachtfähre nach Hull im Nordosten von England, von dort wurde einmal die britische Insel in Richtung Hollyhead durchquert ( circa 3,5 Stunden ), dann mit der Fähre Richtung Dublin und von dort dann weiter Richtung Ballinamore. In Ballinamore war unsere Unterkunft ( House Riversdale) für das Event, Ballinamore ist ein kleines irisches Dorf, in dem es aber alles notwendige für unseren Aufenthalt gab. Das zweite Team machte sich am Freitagmorgen mit dem Flugzeug auf den Weg nach Irland und landeten am Freitagnachmittag in Dublin. Dort wurde ein Mietwagen für die kommenden Tage gebucht, von dort machte sich dann auch das zweite Team auf den Weg nach Ballinamore.

Der eben dargestellte Punkt die Anreise ist sicherlich ein wesentlicher Punkt bei der Planung einer Reise nach Irland. Sowohl der logistische, als auch der geldliche Aufwand für die Anreise ist nicht zu unterschätzen. Alle weiteren Kosten halten sich im späteren Verlauf in Grenzen. Wer hier sorgfältig plant, der kann sicherlich eine Menge Geld sparen. Folgende Punkte können die Ausgaben in Grenzen halten

- Buchen Sie Flug und Fähre rechtzeitig, je früher Sie buchen, desto günstiger wird der Transfer

- Eine Dachbox kostet auf der Fähre unverhältmäßig viel Geld

- Oft bieten Fluglinien sehr günstige Angebote für Mietwagen ( Versicherungspaket beachten )

- Wer sich im Logistik Geschäft auskennt, der kann das Tackle auch per Euro Palette verschicken. Der Versand ( Hin und Zurück) kostet circa 300€.

- B&B Unterkünfte in Irland sind bezahlbar und die Besitzer wie alle Iren sehr hilfsbereit

Um den Lesern ein ungefähres Gefühl für den finanziellen Aufwand zu geben können wir Ihnen die Marke von 1000€ als Geldaufwand für den Aufenthalt nennen. Wenn Sie richtig sparsam sind, dann geht es auch für 800€, es ist aber auch kein Problem 1500€ auszugeben. In diesem Betrag ist dann allerdings auch das Startgeld und das Geld für die Köder, sowie ein kostengünstige Unterkunft enthalten.

Die World Pairs sind ein Event, welches vom irischen Tourismus Verband veranstaltet wird, die Gewässer liegen in einem regional weit gestreuten Gebiet und erstrecken sich über 2 irische Landkreise, sowie einem Landkreis in Nordirland. Wie der Name "Pairs" schon sagt, fischen immer 2 Angler im Team, die Angler angeln im gleichen Landkreis ( County ), aber nicht am gleichen Gewässer. Die normale Fahrtdauer zwischen diesen Gewässern beträgt maximal 30 Minuten und es ist immer genügend Zeit zum Aufbauen vorhanden. In jedem der Landkreise gibt es einen "Drawing Point", das ist ein Punkt, an dem die Pegs für den jeweiligen Tag gezogen werden. Das eigentliche Fischen geht von Montag bis Freitag ( also 5 Tage), am Sontag Abend wird die sogenannte "Drawing Rotation" gezogen, im Klartext bedeutet dies, das man an diesem Tag erfährt, an welchem Tag man in welchen Landkreis fischt. Nachdem man dies weiß, fährt man am jeweiligen Tag zu Drawing Point und zieht seinen jeweiligen Platz am Gewässer. Halt STOP, bevor man den Platz ziehen darf, muss der Setzkescher, der Kescher und die Wathose desinfiziert werden, erst dann darf man sein Platz ziehen.

Dann noch schnell die passenden Köder gekauft und man kann zum Angelplatz fahren. Zu den einzelnen Sektoren bekommt man Navi Daten ( Achtung KEINE Straßennamen, sondern Koordinaten nach Breiten- und Längengrad). Mit diesen Daten findet man jeden Sektor ohne größere Probleme, eine wirklich gute Idee der Veranstalter. Es gibt übrigens auch eine App für die World Pairs, diese App beinhaltet alle interessanten und notwendigen Daten für die Teilnahme am Fischen - sicherlich ist dies an Professionalität kaum zu überbieten.

perfekter Köderservice

Die Angelart ist bei den World Pairs freigestellt, es ist sowohl das Feederfischen, als auch das Angeln mit der Pose erlaubt. Im Vorfeld konnten wir erfahren, dass das Fischen mit der Feederrute dominiert, das die Kopfrute in einigen Sektoren jedoch ebenfalls sehr wichtig sein kann. Bei der Feederrute dominiert das Fischen auf den kurzen Distanzen mit Ruten von 3,3m bis 3,6m, Gewaltwürfe von 100m und mehr sind in Irland nicht nötig. Bei der Kopfrute sollten 13m Ruten ausreichend sein, auch wenn viele britische Angler mit 14,5m oder gar 16m angeln. Die Posen sollten eine Tragkraft von 0,4 Gramm bis circa 8 Gramm haben. Eine Besonderheit beim Fischen in Irland ist der Punkt, dass man seine Sitzkiepe ( oder Plattform) im Wasser platziert, dabei dürfen die hinteren Beine maximal 50cm im Wasser stehen. Um seinen Platz zu erreichen, sollte man Hüftstiefel oder eine Wathose tragen!

Hauptfisch bei dem Event ist idealerweise der Hybrid, eine Mischung zwischen Rotauge und Brassen, die es in unseren Gewässern nicht gibt. Brassen machen auch in Irland ordentliche Gewichte, sind aber nicht in jedem Gewässer zu fangen. Dann gibt es noch Rotaugen und Barsche, beide Spezies treten in Massen auf und können ebenfalls volle Kescher bescheren. Schleien und Karpfen sind ebenfalls in der Wertung, werden aber nicht häufig gefangen. Aal, Hecht, Forelle und Zander werden ebenfalls gefangen, fallen aber nicht in die Wertung.

Der Fischmehlhype ist in Irland noch nicht angekommen, hier wird noch mit traditionellen, süßen Lockfutter geangelt. Das Futter sollte eine dunkle, braune Färbung haben, spielt aber keine große Rolle, da der Faktor Köder der alles entscheidende Punkt ist. Im normalen Durchgang mischt man circa 2,5 Kilogramm Futter, von dem man meistens den größten Teil am nächsten Tag wieder nutzt.

Futter und Köder für einen Durchgang

Bei den Angelködern dominiert der Caster, wichtig sind dann noch Würmer und rote Maden. Man hat die Möglichkeit sich an jedem Tag, nach dem Ziehen seines Loses, mit den notwendigen Ködern zu versorgen. Der Preis für die Köder ist fair und die Qualität der Köder ist wirklich sehr gut.

Ein paar Worte zum Teilnehmerfeld der World Pairs. Ein großer Teil der Teilnehmer kommen aus England und die Qualität der englischen Angler ist wirklich unglaublich hoch. Diese Angler sind alle komplett angelverrückt und verbringen einen Großteil ihres Lebens mit der Angelrute in der Hand. Das Wissen und die Fähigkeiten dieser Angler ist unglaublich und jeder deutsche Teilnehmer kann sich sicher sein, dass er bei diesem Event etwas lernt. Da das Fischen in Irland dem deutschen Fischen sehr ähnlich ist, kann man sicherlich Vieles von dem Erlernten bei uns umsetzen. Da die Angelart in Irland "frei" wählbar ist, sind die Angler auch wahre Allrounder, diese Angler "wissen" und "verstehen", wann welche Angelart erfolgreich ist. Noch dazu sind diese Angler offen und lassen jeden Angler an ihrem Wissen teilhaben ( vorausgesetzt man versteht den furchtbaren nordenglischen Akzent :-) ). An den World Pairs 2014 nahmen 69 Pairs teil, neben 9 Anglern aus Deutschland, 16 irischen Anglern, 1 Belgier, 1 Litauer und vielleicht 20 Nordiren stellten die englischen Angler den Großteil der Teilnehmer.

Das Fischen findet an mehreren Gewässern in den einzelnen Countys statt und wir können sagen, dass JEDES dieser Gewässer wirklich unglaublich schön ist. Sicherlich ist jeder von uns Anglern von Ehrgeiz getrieben, aber wirklich JEDER Angler den wir getroffen haben, ist auch nach vielen Jahren noch von der Schönheit der irischen Natur hingerissen.

Angeln in Irland - ein Traum

Was ist aus anglerischer Sicht wichtig beim Fischen an den irischen Gewässern? Um diese Frage zu beantworten, hielten wir uns daran, was die englischen Angler machten. Für das Fischen mit der Feederrute war die Tiefe für die britischen Angler sehr wichtig. Die englischen Angler sprechen von einer sogenannten "Comfort Zone", dies ist eine Tiefe, in der die Fische bevorzugt fressen. Die Comfort Zone wechselt von Jahreszeit zu Jahreszeit, bedingt durch das perfekte Wetter für die Angler ( Sonne, keine Wolke, kein Wind) wichen die Fische weit in die Gewässer zurück und bevorzugten einen Count von 11. Was ist den bitte schön ein Count von 11? Wenn die britischen Angler den Platz betreten, nehmen sie sich eine ihrer Feederrruten, wechseln den Feederkorb gegen ein Birnenblei ( ungefähr 30 Gramm schwer) und loten damit ihren Angelplatz aus. Sie suchen hierbei nach Kanten und anderen markanten Strukturen unter Wasser, vor allem suchen sie aber die Comfort Zone. Wichtig war auf diesem Platz, dass es nicht zu viele Muscheln gab, fand man diese Muscheln, musste man sich einen anderen Platz suchen, auf den Muscheln konnte man auf keinen Fall angeln.

Beim Fischen auf der Kopfrute musste man mindestens eine Tiefe von 150cm haben, je tiefer je besser. Bei den Posen setzte man neben den klassischen Montagen um den Fischen auf den Grund nachzustellen auch auf Montagen, welche die Fische im Mittelwasser "suchten" und befischten. Hier war der Zielfisch der Hybrid, diese Fisch frisst nicht am Grund und muss durch ständiges Befüttern von losen Castern angelockt werden. Sollte man die Hybrids auf die Kopfrute bekommen, dann standen dem Angler aufregende Drill und hohe Fanggewichte bevor. Aus diesem Grund ist der Hybrid der Fisch, auf den es alle Angler abgesehen haben.

Am Samstag vor dem Event hatten wir die Möglichkeit das Fischen auf die Hybrids von einem Meister dieses Faches zu erlernen. Der zweimalige Gewinner der World Pairs und der wohl besten irischen Angler Cathal Hughes zeigte uns kleine Tipps und Tricks beim Fischen auf die Hybrids. Es ist wirklich immer wieder verblüffend wie einfach und simple das erfolgreiche Angeln bei den Profis aussieht, nach circa 2 Stunden Erklärungen konnten wir es nicht mehr aushalten, bauten unser Geraffel auf und begannen ebenfalls mit dem Fischen. Kaum hatten wir unserer Körbe ausgeworfen, wurden unserer Ruten quasi aus den Rutenhaltern gerissen und wir konnten nach aufregenden Drill, viele kampfstarke Hybrids fangen. Schnell wurde uns klar, warum diese Fische auf der britischen Insel so beliebt sind. Diese Spezis sind unglaubliche Kämpfer und selbst Fische von 200-300 Gramm sind wahre Energiebündel. Auf der Kopfrute konnten wir ebenfalls einige Hybrids fangen, der Hauptfisch war jedoch das Rotauge, wobei sich auch hier schöne Fische von bis zu 500 Gramm zeigten. Da Cathal eine Legende in Irland ist, besuchten uns im Laufe des Tages auch viele andere Angler und die Infos von den einzelnen Strecken ließen nichts Gutes verhoffen. Bedingt durch das unglaublich gute Wetter, war die Fangausbeute eher mau. Die Fische in Irland, brauchen richtiges Schweinwetter mit Wind und Regen, wir hatten jedoch die gefühlt beste Septemberwoche seit Beginn der Aufzeichnung vor bestimmt 500 Jahren.

Cathal Hughes - der bekannteste Angler Irlands

Am Sonntag vor dem Event wollten wir unsere Erkenntnisse vom ersten Tag festigen und suchten uns eine Strecke zum trainieren. Eigentlich sollte dies bei der unglaublichen Zahl der Gewässer kein Problem sein, doch die Platzsuche entwickelte sich wie die Geschichte vom „Hasen und vom Igel", egal welche Gewässer wir anfuhren, die Strecken waren schon durch Angler belegt. Das Matchangeln ist in Irland unglaublich beliebt und es dauerte fast 2 Stunden bis wir eine Ecke gefunden hatten, in der wir angeln durften. Nach den Eindrücken des ersten Tages bauten wir hoffnungsvoll die Ruten auf und wurden dann schnell mit der Realität konfrontiert. Es bissen zwar Fische, aber nur sehr kleine Rotaugen und Barsche, von Hybrids war nix zu sehen. Am Ende konnten wir dann nach 5 Stunden zwischen 3 und 5 Kilogramm Fisch fangen, sicherlich kein berauschendes Ergebnis.

Im 2. Teil der World Pairs werden wir auf die Gewässer und das Abschneiden unseres Teams eingehen.

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