Interpole 2016 – oder alles auf Null

  • von Dieter Liebert
  • 13. Oktober 2016 um 15:00
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Blicken wir auf die Szene der Angelveranstaltungen in Deutschland oder Angeln mit überwiegend deutscher Beteiligung, so sind die Voraussetzungen und Fangaussichten meist im Vorfeld recht deutlich abbildbar. Gleiches galt über viele Jahre auch für die INTERPOLE am Julianakanal gleich hinter der Deutsch / Holländischen Grenze.

Gleichmäßig und schwierig zu beangeln - Der Juliana Kanal
Grammaturen, Schnurstärken, Hakengrössen und Fangaussichten schienen wie in Stein gemeißelt und unverrückbar… und doch zeigte sich in diesem Jahr, dass auch diese scheinbar unverrückbaren Gesetze Ihre Grenzen haben.
Machten hier große Rotaugen und gelegentliche Brassen lange Jahre den Löwenanteil des Fanggewichts aus, so scheint der Kanal aktuell eine deutliche Veränderung zu durchlaufen, die sich wie folgt zusammenfassen lässt:
1.    Vermutlich sind es die Grundeln, die kräftige Barsche in beachtlichen Stückzahlen auf die Strecke gebracht haben.
2.    Waren es über Jahre Brassen zwischen 1 und 2 kg, die gelegentlich gefangen wurden, so gesellen sich urplötzlich deutlich kleinere Exemplare in höheren Stückzahlen hinzu, die durchaus eine Option darstellen.
3.    Ferner muss eine weitere Zunahme des Schiffsverkehrs bzw. der Strömung bei Schleusentätigkeit festgestellt werden, die eine schwerere Herangehensweise bis etwa 10 gr erlaubt oder gar fordert.

Vermehrt dicke Barsche am Juliana Kanal
Zur INTERPOLE 2016 also galt es die alten Regeln gründlich zu hinterfragen und das Gerät entsprechend anzupassen ehe es am Donnerstag, den 29.09.2016 mit dem Warm Up losging.
Bei einem von stürmischen Winden begleitetem Angeln wurde schnell deutlich, dass die altbekannten Rotaugen kaum auf allen Plätzen so zahlreich vertreten waren, als dass man alle anderen Optionen ausschließen konnte. Nicht von ungefähr kam daher das Tageshöchstgewicht von Bernd Hahne (cock baits), der gleich 3 der großen Barsche ins Netz brachte und damit die 2 kg Marke knackte.
So fuhren dann nicht wenige Teilnehmer mit mehr Fragen denn Antworten zurück in die Unterkunft und machten sich daran, die Taktik für den 1ten Tag des Teamwettbewerbs zu überdenken.


14 Teams waren es dann, die am kommenden Morgen die Herausforderung Julianakanaal angingen. Darunter Top Teams aus den Niederlanden, Teams aus Nord, West und Süddeutschland sowie ein Team aus Luxemburg. Eine belgische Mannschaft musste wegen der parallel ausgetragenen Polizei EM in Italien absagen – bei MAVER Austria spielte der Arbeitgeber leider nicht mit, die Schweiz und Dänemark passten leider erneut. Allgemein wurde bedauert, dass trotz der Absage des IAM am gleichen Wochenende erneut kein Ostdeutsches Team den Weg in den Westen fand. Gerade den Mitgliedern des Spezialverbandskaders hätte sich hier die Möglichkeit geboten, Ihr Können und Ihre Erfahrung in einem internationalen Feld weiter zu entwickeln.


Ein beinahe typischer INTERPOLE-Tag am Julianakanal folgte. Wieder mal mussten alle Register gezogen werden um in den einzelnen Sektoren nicht durchgereicht zu werden. Jedes kleine Rotauge – jede stattliche Grundel – erst Recht jeder Barsch oder Rotauge wurden von der Konkurrenz akribisch wahrgenommen und mussten tunlichst sofort gekontert werden. In den Sektoren A und B an der Brücke Illikhoven, die zu den wenigen beinahe „ebenerdig“ erreichbaren Strecken des Kanals gehören, waren die Fangergebnisse überaus mager. Bis wahrhaft zur letzten Sekunde hoffte man auf den entscheidenden Fisch. Daher waren die Blicke zum Ende des Angelns urplötzlich und durchweg auf den Angler auf Platz A 2 gerichtet. Während auf den Uhren der Zeitnehmer schon die letzte Minute angezeigt wurde, kam dort noch der Fisch zum Sektorensieg. Am anderen Ende der Rute, orga Team Leiter Dieter Liebert. Teambetreuerin S. Jahr zählte im Hintergrund die Sekunden bis zum Abpfiff laut hörbar für alle mit – 30 – 20 - 10 – 9 –ums kurz zu machen – bei 1 lag ein mittlerer Brassen von ca. 500 gr im Netz was Dieters Fanggewicht letztlich auf ca. 1,5 bis 2 kg bringen sollte.

Der Fisch im Netz und die Welt noch in Ordnung...
Doch Freud und Leid lagen nun dicht beisammen – denn als der gleiche Angler mit dem Verwiegen der Fänge am anderen Sektorenende begann, passierte ein grosses Passagierschiff den Kanal und riss mit seiner Bugwelle Dieters Kescher nebst Sitzkiste und allen Anbauteilen in die Fluten – Ergebnis – Fische bis auf wenige Grundeln weg und einiger Sachschaden. Damit nicht genug… Max Hambach auf A1, der echten Sportsgeist bewies und Dieters Material nebst Kescher „retten“ wollte, riss es ebenfalls den Setzkescherhalter weg – hier tummelte sich der Fang, der wohl zur Sektoren 2 gereicht hätte. Unter diesen Umständen reichten „Olli“ Coumans 1,174 kg zur heutigen Eins in Sektor A. Weniger spektakulär hingegen ging es in Sektor B zu. Ron Steyvers veredelte hier seinen Endplatz A 14 mit 2,436 kg. In Sektor C gab es dann die von Insidern beinahe erwartete „Jo Adriolo Show“. Beeindruckend, mit welche Konstanz der zigfache EM und WM Teilnehmer hier „sein Ding“ durchzog. 6,375 kg bedeuteten letztendlich fast 4 kg Vorsprung auf Platz 2 im Sektor. Ebenso souverän trat Heijke Ruijters im neuen Sektor D (Ostufer Brücke Roosteren) auf. Sein Tageshöchstgewicht lag hier bei 6,913 kg.


Das Zwischenklassement nach Tag 1 sah dann die Dutch Lions gerade mal 2 Punkte vor Hegelsport Kuijpers. Weitere 3 Punkte dahinter folgten die Stammgäste aus Luxemburg vom Team Portes Zens RS fishing. Der Chronistenpflicht folgend sei noch erwähnt, dass das Team van den Eynde Germany ohne das Kreuzfahrtschiff „Transparency“ den „Platz an der Sonne“ eingenommen hätte. Insgesamt aber musste man sich auf deutscher Seite eingestehen, dass die Podiumsplätze nach Tag 1 ein gutes Stück weit weg waren – so hätte es schon eines kleinen Wunders bedurft, wenn eine der immerhin 10 deutschen Mannschaften noch nach vorne kommen sollte.
Nun – das Wunder blieb, wie so oft im Angelsport, aus. Der Tag 2 wurde dominiert von den Lokalmatadoren vom Team Sensas Berg a.d. Maas. Nur 13 Punkte wurden den 31 Punkten vom Vortag hinzuaddiert – damit sollte man sich noch auf Platz 3 vorschieben und das holländische Podest komplettieren.
Wie aber verlief der Vergleich zwischen den Lions und Kuijpers?

Team Hengelsport Kuijpers

Die Lions mit einer bärenstarken 1 – 1 – 5 aus den Sektoren A bis C – Kuijpers mit 2 Punkten Rückstand aus Tag 1 und heute 6 – 6 – 4 aus diesem Bereich - also insgesamt schon 11 Punkte zurück. Der Drops schien gelutscht und gelassen erwartete man die Ergebnisse aus dem räumlich abgetrennten Sektor D. Dann das Unfassbare – die Lions kassieren dort eine nie für möglich gehaltene 14 während Kuijpers mit einer 2 durchs Ziel läuft… 11 Punkte vor bei 12 Punkten Differenz in D… und der Sieger der INTERPOLE 2016 heißt Hengelsport Kuijpers!

Platz 2 für die Dutch Lions

ERGEBNISSE INTERPOLE 2016


Wieder einmal hatte der Julianakanal seinem Ruf alle Ehre gemacht – in Holland heißt es, wer hier zurecht kommt, der kommt überall auf der Welt zurecht… kleinste Fehler werden sofort bestraft – eine einzige Hakengröße – ein hundertstel Millimeter Schnurstärke – ein nicht sauber zentriertes Blei oder ein nicht bestens laufender Schwimmer können hier sehr schnell den enormen Unterschied machen. Nicht umsonst bilden die Angler der Provinz Limburg den Löwenanteil der NL Nationalmannschaft – dutzende Angler dürfen sich in der Region mit WM / EM und nationalen Titeln schmücken.

Die erfolgreichsten Einzelangler, ganz links Jo Adriolo
Passend zur Qualität des Starterfeldes sollten dann einmal mehr auch die Preise für die Sieger und Sonderpreisträger ausfallen. Hochpreisige Sitzkisten der Fa. Tubertini, diverse weitere Materialpreise und prall gefüllte v. d. Eynde Futtereimer ließen jeden Angler mit einem realistischen Bezug zum Angelsport schnell erkennen, dass hier ein Vielfaches des Startgeldes zu Gunsten der Teilnehmer ausgeschüttet wurde. Möglich gemacht wurde dies einmal mehr durch das Entgegenkommen der Firmen „Super Crack“ Andy Berteyn, van den Eynde, Saal Mirage, Hengelsportfederatie Limburg, champions team.de. Dafür allen ein herzliches Dankeschön! Auch das durchweg ehrenamtliche Engagement des Orga Teams soll hier nicht unerwähnt bleiben.

Ein Bonusbrassen für Marc Haliniak beim Memorial
Schon im dritten Jahr vertraut auch die Fa. van den Eynde dem orga Team der INTERPOLE die Ausrichtung des Memorials zu Ehren des Firmengründers und mehrfachen WM / EM Siegers Marcel van den Eynde an. Neben zahlreichen INTERPOLE Teilnehmern hatte dazu am Sonntag auch ein gutes Dutzend weiterer lokaler Angler gemeldet. Für die vielen deutschen Angler, die hier regelmäßig antreten, schon fast der Normalfall, dass hier selbst die „zweite Garde“ durchweg über reichlich Erfahrung auf internationaler Bühne verfügt und nahezu durchweg 3 oder 6-Länder Angeln für die Niederlande bestritten hat. Für die Holländer hingegen ist es normal, dass wir Deutsche uns davon alleine nicht beeindrucken lassen und nach Kräften gegen halten - holländische Weisheit (seit der WM 1974) gegen die hast Du erst gewonnen, wenn Du in der Kabine bist .
Also dann – wieder standen 5 Stunden auf dem Programm und wieder war klar, dass möglichst jeder Biss zu verwerten war und insbesondere bei großen, kampfstarken Rotaugen, gelegentlichen Brassen oder Barschen die Zitterpartie am dünnen Gerät beginnen sollte.

Christoph Oligschläger gewann das Memorial
In einigen Sektoren (A und B) war der Standfisch sofort da – doch ebenso schnell war der Zauber vorbei und das „Suchen nach dem Fisch“ begann. Einen Top Job machten hier dann besonders Christoph Ohligschläger und Marc Haliniak. Als letzterer kurz vor Schluss noch eine der in diesem Jahr äußerst seltenen Brassen fangen konnte, schien die Entscheidung für den Luxemburger gefallen. Doch Christophs Rotaugen hatten Gardemaß und brachten es auf stolze 4,010 kg – mithin ging der „Pott“ diesmal wieder nach Deutschland.

Ergebnis Memorial

Auch für 2017 steht eine weitere INTERPOLE auf dem Programm. Nicht auszuschließen ist die Ein oder andere Änderung im Programm. Auch den Termin werden wir auf den Prüfstand stellen. Eines jedoch wollen wir auch allen neuen Interessenten einmal mehr mit auf den Weg geben:
Angeln gegen internationale Konkurrenz an holländischen Kanälen ist ganz sicher alles andere als „Kindergeburtstag“. Die INTERPOLE kann daher niemals den Wunsch nach einem fischreichen Angelurlaub erfüllen sondern wird vorwiegend den Anglern gerecht, die eine neue Herausforderung suchen und bereit sind, auch in der Niederlage Größe zu zeigen.

I-pole orga team 2016

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