Viva Espana – Das Iberian Masters in der Nähe von Valencia

  • von Markus Billen
  • 23. März 2016 um 10:00
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Viele internationale Matches habe ich in den letzten Jahren besucht. Von einem Event der Superlative möchte ich heute berichten, dem Iberian Master im Süden Spaniens.

Der Blick hinter den Angelplatz

Zum elften Mal wird die Veranstaltung dieses Jahr in der Nähe von Valencia am Riu Xuquer ausgetragen. Dieser Fluss mündet einige Kilometer weiter stromab der Wettkampfstrecke bei dem kleinen Urlaubsort Cullera ins Meer. Etliche top Stars der internationalen Wettkampfszene wie das komplette Tubertini-Team Lenza Emiliana mit Veruccio Gabba, Umberto Ballabeni, Colmic Star Jacopo Falsini, Milo, Tamas Walter und Timar, sowie viele französische Teilnehmer finden jedes Jahr Anfang März ihren Weg nach Südspanien. Bis vor zwei Jahren waren sogar einige Teilnehmer aus dem fernen Norwegen Stammgäste dieser Veranstaltung.

Als ich vor vier Jahren mit Feederaltmeister Peter Altenschmidt, Sigi Grabow, Jens Koschnik und einigen Engländern an dieser Strecke feederte konnten wir täglich Fanggewichte von über 40 kg erzielen. Zufällig erfuhr ich von einem großen Wettbewerb, der kurz vor unserem Urlaub nach CIPS-Regeln stattgefunden hatte. Ich beschloss mit meinem englischen Freund Marc Wiliams im nächsten Jahr dieses Iberian Master zu fischen.

Da ich bisher nur zum Feedern am Fluss gewesen war und mit der Pose keinerlei Erfahrungen hatte, fragte ich im Vorfeld einen holländischen Bekannten, der schon zweimal diese Veranstaltung gefischt hatte. Viele Infos bekommt man auch über das Internet. Auf YouTube existieren etliche Videoclips von den Iberian Masters der letzten Jahre. Hier kann man Milo, Falsini, Timar und Co im Match beobachten.

Der Fischbestand besteht fast ausschließlich aus Karpfen, Karauschen und Ukelei. Da es sich vielfach um Wildkarpfen handelt, wird dem Tackle einiges abverlangt. Wenn die Karauschen auf die Strecke ziehen können schnell Gewichte von über 25 kg erreicht werden. Aber auch beim Speedfischangeln auf die Ukelei konnten wir im Training Gewichte zwischen 15 und 20 kg erzielen.

Leider musste der Wettkampf vor zwei Jahren abgesagt werden, da der Wasserstand im Fluss in 12 Stunden am letzten Trainingstag um mehr als 2 m angestiegen war. Zuvor hatte es 48 Stunden ununterbrochen geregnet, was für diese Region mit maximal 3 Regentagen im März sehr außergewöhnlich ist. Normalerweise liegen die Temperaturen im März um die 20 Grad und der Fluss hat eher einen niedrigen Wasserstand.

Alles bestens organisiert bis ins kleinste Detail

2015 sollte wieder ein Iberian Master zelebriert werden. Zum ersten Mal sollten zwei Veranstaltungen simultan nebeneinander durchgeführt werden. Neben dem Float only-Wetbewerb nach CIPS Regeln sollte auf gleicher Strecke auch ein Feederwettbewerb durchgeführt werden, ebenfalls nach den entsprechenden CIPS-Regeln. Die Ausschreibung für dieses Iberian Master Revolution X war im Internet auf YouTube professionell inszeniert worden. Neben sehr guten Preisgeldern für die Top-Ten-Plazierungen wurden jeden Tag Sektorengelder und ein Sonderpreis für den schwersten Fisch ausgeschüttet. Köder und Futter können über den Ausrichter zu vernünftigen Preisen bestellt werden. Jeden Tag werden die Köder und ein Lunchpaket direkt bis an den Angelplatz geliefert. Ein Service von dem man bei anderen Veranstaltungen nur träumen kann.

Feederangler und Stipper waren durch eine Brücke voneinander getrennt.

Da durch die Vergrößerung des Wettbewerbs eine längere Strecke benötigt wurde, verlegte man letztes Jahr den Wettbewerb etwas stromauf. Hier ist der Fluss zwischen 2 und 5 m tief und etwa 40 m breit. Auch hier ist wie an der Strecke der vergangenen Jahre jeder Platz bestens präpariert. Jeder Teilnehmer hat einen gemauerten Angelplatz, der direkt mit dem Auto angefahren werden kann. Es wird weder Plattform noch Transportsystem benötigt. Dieser Flussabschnitt ist die bekannteste Strecke Spaniens, an der viele Wettbewerbe ausgetragen werden. Es wurden extra Treppen angelegt, um vom Weg hinunter zum Angelplatz zu gelangen und alle 10 Plätze sind Mülleimer aufgestellt. Im Rücken liegen ausgedehnte Orangenplantagen und man schaut auf den Gebirgszug von Cullera, einem nur wenige Kilometer entfernten Badeort . Eine tolle Strecke mit einem Wirklich guten Fischbestand.

Blick auf den A-Sektor bei den Stippern B-Sektor der Feederstrecke

Da ich letztes Jahr keine Zeit hatte mit dem Auto bis Valencia zu fahren, entschied ich mich für den Feederwettbewerb. Das Equipment für diesen Wettbewerb lässt sich mit etwas Reduzierung im Flieger mit Sportgepäck nach Spanien transportieren. Wie ich erfahren hatte gab es von Oktober bis März sehr wenige Niederschläge, somit war die Fließgeschwindigkeit auch sehr gering. Futterkörbe bis 40 Gramm waren völlig ausreichend. Futter und Köder konnten bequem vor Ort aus einem bestens ausgestatteten Angelgeschäft bezogen werden.

Das Tackle für das Float-only-Match gestaltet sich da schon umfangreicher. 13 Meter Kopfrute mit langen Kits, mehrere Matchruten für schwere Waggler oder Zoomer und eine Batterie von Speedfischruten sind notwendig um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein.

Matchruten mit schweren Wagglern für das Distanzfischen

Neben dem professionellen Ablauf des Wettbewerbs selbst ist das Drumherum wirklich einmalig. Mittwochs findet ein großes Willkommensbankett im Hotel statt, in dem fast alle Teilnehmer zu Vorzugspreisen untergebracht sind. Die meisten Angler sind schon ab Montag zum Training an der Strecke, somit ist das Bankett gut besucht und es herrscht eine tolle Atmosphäre. Donnerstag ist offizieller Trainingstag mit einer gemeinsamen Pause. Um 13 Uhr ertönt das Signal und alle Angler treffen sich direkt an der Strecke zum gemeinsamen Mittagessen. Fürs leibliche Wohl wird mit landestüpischen Köstlichkeiten bestens gesorgt.

Die Veranstalter zelebrieren wirklich perfekte Organisation und Gastfreundschaft. Alle Angler sitzen gemeinsam an einer großen extra aufgebauten Tafel und essen gemeinsam. Tamas Walter sagte mir, daß er diese Atmosphäre auf keinem anderen internationalen Match bisher erlebt habe. Nach der Mittagspause folgt der 2. Teil des Trainings und abends ist wieder freiwilliges gemeinsames Abendessen im Hotel. Freitag und Samstag finden dann die Wertungsdurchgänge statt und das Festival endet mit einem Bankett am Sonntagabend.

Ich hatte Mittwoch am Nachmittag mein erstes Training auf der Feederstrecke. In 4 Stunden konnte ich etwa 20 kg Gewicht zusammenbringen. Überwiegend kleine Karpfen und Karauschen rissen mir einige Male fast die Rute von der Ablage. Die meisten Bisse bekam ich kurz vorm anderen Ufer, in einer Entfernung von etwa 40 Metern.

Maden waren der Schlüssel zum Erfolg

Aber auch die mittlere Bahn war erfolgreich. Hier gingen vermehrt die Karauschen an den Haken. Am Donnerstag wollte ich nach meiner morgentlichen Trainingssession den Spitzenanglern auf der Stippstrecke ein wenig über die Schultern schauen.

Ähnlich wie am Vortag konnte ich mit Mais und Toten Maden in 4 Stunden ca. 20 kg Karpfen und Karauschen fangen. Kurz vor Ende der Trainingssession fing ich noch einen schönen Bonusfisch von etwa 15 Pfund, der der 12 Fuss Feederrute alles abverlangte.

Karpfen bis 15 Pfund mussten gebändigt werden

Nach der gemeinsamen Pause schaute ich dem späteren Sieger Feruccio Gabba und seinem Teamkollegen Umberto Ballabeni beim Stipptraining zu. Gabba fischte die 13m Bahn abwechselnd mit Montagen von 1 und 3 Gramm und fing einige schöne Karpfen. Kurze Versuche mit der Speedrute auf Ukelei waren nicht sehr erfolgreich. Die Ukelei standen in diesem Teil der Strecke nicht sehr dicht. Balabeni fischte mit Wagglern von ca. 20 g auf 30 Meter Entfernung und fing deutlich weniger Fische. Beide Angler benutzten Madenbündel oder ein einzelnes Maiskorn als Köder.

Maden, Mais und Würmer waren die bevorzugten Köder bei Feruccio Gabba

Tag 1 des Feederwettbewerbs war nicht mit Losglück gesegnet. Ich hatte einen Platz in der Mitte der Strecke gelost. Leider hatte es auch noch einen starken Wetterumschwung gegeben. Von 23 Grad waren die Temperaturen auf 14 Grad gefallen und ein starker Ostwind wehte den Fluss herunter. Karpfen und Karauschen hatten wenig Appetit und nur die äußeren Plätze konnten regelmäßig Bisse verzeichnen. Kleine Haken und Köder waren angesagt, jedoch waren Aussteiger dadurch nicht zu vermeiden.

Zwei Franzosen im Drill mit den Kampfstarken Karpfen

Tag 2 des Wettbewerbs sorgte für etwas bessere Fangergebnisse. Ich hatte näher zum rechten Sektorenrand gelost. Leider hatte sich der kühle Ostwind nicht gelegt und auch die Nacht war mit 6 Grad wieder sehr frisch für diese Jahreszeit in Valencia. Hatten wir während des Trainings noch im T-shirt gefischt, mussten wir uns jetzt zumindest mit dem Windbreaker warm halten.

Einer der größeren Exemplare an leichtem Tackle Die meisten Karpfen haben ein Gewicht zwischen 800 und 1500 Gramm

Ich konnte mehrere schöne Karpfen mit Mais überlisten, verlor jedoch einen etwa 15 Pfund schweren Karpfen direkt vor dem Kescher. Dieser Bosnusfisch hätte den Sektorensieg und 250 Euro extra für den größten Fisch bedeutet. Ein Schrei ging durch den Sektor...

Der Fang des zweiten Durchgangs Der Gesamtzweite mit dem Fang vom ersten Durchgang

Durch das schlechte Beißverhalten war es wichtig möglichst jeden Fisch einzunetzen, besonders solche Boliden.

Der Gesamtsieger des Stippwettbewerbs, Feruccio Gabba

Fazit

Das Iberian Master ist durch und durch eine gelungene Veranstaltung, die bei vielen internationalen Top Anglern eine feste Größe im Terminkalender darstellt. Bedingt durch das sehr milde Klima in den Wintermonaten in der Region von Valencia ist auch schon Anfang März mit sehr guten Fangergebnissen zu rechnen. Diese Veranstaltung ist sozusagen der Auftakt der internationalen Wettfischsaison, wie es Jacopo Falsini einmal nannte. Wenn bei uns noch Schnee geschaufelt wird sitzt man in Valencia meistens schon im T-shirt am Wasser. Die im letzten Jahr zum ersten Mal durchgeführte Feederwertung rundet die Veranstaltung meiner Meinung nach ab und macht sie dadurch noch interessanter.

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