Interpole am Julianakanal 2018

  • von ct Redaktion
  • 09. November 2018 um 07:15
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iPOLE-18 / Stell Dir vor es ist Angeln und keiner geht hin...

 

Die Interpole am Julianakanal in den Niederlanden gehört bereits seit 2003 zu den Veranstaltungen, die den anglerischen Herbst im Westen einläuten und die sich insbesondere bei Anglern aus NRW stets größter Beliebtheit erfreute. Mit Fug und Recht darf man mithin wohl von einer Traditionsveranstaltung sprechen – und dennoch bedarf es angesichts der aktuellen Teilnehmerzahlen auch hier zunächst eines sehr kritischen Blickes auf die aktuellen Verhältnisse im Westen, die sich nach jüngsten Berichten z.B. zum Elbe Havel Pokal bei champions-team.de gravierend von denen im Osten unterscheiden. „Volle Teilnehmerfelder binnen weniger Tage“ – davon sind wir Veranstaltungsunabhängig leider schon seit Jahren weit entfernt – Tendenz fallend. 

Dabei belegt die allgemeine Altersstruktur der Anglerschaft nicht nur in Deutschland das deutliche Defizit an Nachwuchs. Verlassen jährlich 100te wenn nicht gar 1.000de Angler aus alters-, gesundheitlichen- oder sonstigen Gründen den „Zirkus“ des Angelsports mit Veranstaltungscharakter, fehlt es in überdeutlichem Masse an Nachwuchs und Interesse! Hinzu kommen Entwicklungen in die Breite (Posenangelei, Feeder und nun noch die Commercial Angelei), die dafür sorgen, dass sich die wenigen „Verbliebenen“ auf dutzende von (meist kleinen) Veranstaltungen mit jeweils speziellem Charakter verteilen. Nicht unerwähnt soll auch der „Anglertreff Tsunami“ in Deutschland bleiben, mit dem die Verbände offenbar (und nachvollziehbar) nicht zuletzt Ihre finanziellen Probleme in Folge fehlender Mitgliederzahlen zu kompensieren gedenken. Doch Finanzen und Urlaubstage sind bei den Meisten nicht unbegrenzt verfügbar und mithin kann es nicht verwunden, dass auch die ehemaligen Großveranstaltungen längst von der Bildfläche verschwunden oder aber zu sog. Teamtreffen degeneriert sind. Um die Sache rund zu machen, wollen wir auch noch mit einem weit verbreiteten Irrtum zum Angelsport in den Niederlanden aufräumen: Denn auch hier wird längst überdeutlich, dass nach Abzug der etwa 100 (Spitzen) Angler, die in der „Nationalen Topcompetitie Pose“ aktuell noch an den Start gehen, das Interesse an größeren (internationalen) Veranstaltungen an öffentlichen Fließgewässern, die einst die Domäne der Holländer waren, längst gegen Null läuft! Dies und nicht die Hochglanzberichte der sogenannten Teams oder Teamangler aus den sozialen Netzwerken ist leider die ungeschminkte Wahrheit zur aktuellen Lage der überregionalen Veranstaltungen in Deutschlands Westen wie auch in den westlichen Nachbarländern.

Nun jedoch zum erfreulichen Teil des iPOLE Wochenendes, den man zusammenfassend mit dem Slogan „Kleiner Mann ganz Gross“ titulieren darf.

Julianakanal in der Morgendämmerung

Während sich also das Teilnehmerfeld leider auch hier am Julianakanal primär aus einigen wenigen Stammgästen zusammensetzte, tat dies der Stimmung am Wasser keinen Abbruch. Dazu trug zweifelsfrei auch die aktuelle Fangsituation am Kanal bei. Waren es in den zurückliegenden Jahren eher wenige große Fische – primär Rotaugen zwischen 300 und 800 gr, die das oft typische Fanggewicht bestimmten, so gesellten sich zu diesen Bonusfischen in diesem Jahr zahlreiche Artgenossen jüngeren Jahrgangs, sodass insbesondere zum Beginn der drei Durchgänge plus Trainingsdurchgang Arbeit mit der 11 bis 13 m Rute angesagt war. Auf Wunsch vieler Teilnehmer wurde das gezielte Grundelangeln mit der Speedrute untersagt und die Mindest Rutenlänge auf 10,00 m festgelegt – häufig mussten wir dazu in der Vergangenheit hören, dass kein Mensch bis zu 1.000 km Anfahrt auf sich nimmt, um am Zielort mit der „Hau-Ruck“ Methode gezielt auf Grundeln zu fischen... diesem Hinweis wurde seitens der ORGA gefolgt.

Alternativer Zielfisch am Julianakanal

Die richtige Strategie zum Erfolg bestand also darin, zunächst fleißig Rotaugen der Gewichtsklasse von 50 bis meist 100 Gramm zu sammeln und bei Eintreffen der Großfische den richtigen Riecher zum Umschalten zu haben. Das Ganze unter Beachtung der Julianakanaltypischen Wasserstands- und Strömungsänderungen. Wer von vornherein auf den Großfisch setzte, fand sich zumeist im hinteren Feld wieder – wer das Eintreffen der Großfische verpasste, wurde ebenfalls schnell durchgereicht – denn auch der Kleinfischfang ebbte nach meist ein bis zwei Stunden deutlich ab. DER Köder am Kanal war dabei einmal mehr der Caster – die Made oder gar Pinkies wurden auch auf der langen Spur von nicht selten winzigen Grundeln genommen.

Um insbesondere den überregionalen Teilnehmern die Gelegenheit zur Eingewöhnung zu geben, startet die iPOLE schon seit Jahren mit einem freiwilligen Trainingsfischen nach iPOLE Regelwerk am Donnerstag. Die ersten Eindrücke, die einige früh Angereiste aus Luxemburg und Rheinland Pfalz bereits am Tag zuvor sammelten wurden hier bestätigt. Behaupten konnten sich in den 3 Trainingsboxen dennoch die „alten Hasen“ mit jeder Menge Julianakanal Erfahrung:

Sektor Schrankenbaum Marcel Wackers (NL) 5.050 gr
Sektor Mitte Gerd Bleser (RhPf) 6.000 gr
Sektor Schredder Dieter Liebert (NRW) 2.505 gr

Ernst wurde es dann Freitagmorgen. Mit Wolfgang Müller und Darko Lovric, die zum Training noch fehlten, griffen die Plätze 1 und 2 aus dem Vorjahr ins Geschehen ein. Beim Losen gleich ein echtes Kuriosum – bei nur noch 4 Losen im Beutel, waren die Plätze 1 – 2 und 3 noch unbesetzt... und das, wo die Favoriten noch an der Reihe waren... letztlich hieß es dann Müller 9 – Lovric 2 und die letzte Kugel im Beutel, auf die hier traditionell der Ausrichter wartet, war tatsächlich der Kopfplatz 1 – die Drei zog mit Kalle Potschernik ebenfalls ein Angler der „hier weis wie es geht“.

Mit rotaugendominierten Gewichten von bis zu ca. 5 kg ging der Tag zu Ende und Dieter ließ auf Kopfplatz wenig anbrennen.  Auch die weiteren Favoriten hielten sich schadlos. Müller mit einer sehr starken Zwei von Platz 9 und Lovric mit einer Drei von Platz 2 – wiedermal mit einer ganz anderen Taktik hingegen glänzte Bernd Hahne – der Karpfenspezi, der in seiner weltoffenen, sympathischen Art gerne einräumt, beim Rotaugenfang nicht mit den „Cracks“ mithalten zu können, hat einen ganz eigenen Zielfisch für sich gefunden – nämlich wirklich grosse Barsche. Mit dieser Barschtaktik schaffte er es auch heute wieder auf einen guten Platz 4!

Gerd Bleser – bei der 11ten Teilnahme auf Platz 2 der Einzelwertung Berti Jäger mit toller Interpole-Prämiere

Da die Fairness auch beim Losen zur iPOLE groß geschrieben wird, ist ein mehrmaliges Kopfplatzlos ausgeschlossen. Dies jedoch spielte an Tag 2 der iPOLE 18 keine große Rolle – die Teilnehmer wurden für ihr Kommen heute mit dem wohl besten Fangtag der langen iPOLE Geschichte belohnt. Nahezu über den gesamten Parcours sah man fortwährend Kescher zum Wasser gleiten und als sich ca. 1,5 Stunden vor Abpfiff die ersten wirklich langen Gummizüge zeigten, war Primetime angesagt. Bei Müller – Bleser - Diederich – Franz und Liebert schienen die grossen Rotaugen regelrecht einzuparken und die üblichen „Zuschauer und Experten“ an holländischen Kanälen versammelten sich hinter den Vorgenannten. Etwa 15 Minuten vor Schluss als das Gewicht bei Dieter von seinen Nachbarn bereits auf deutlich über 10 kg geschätzt wurde, dann das „Drama“. Das Frachtschiff „Waalkade“ passierte ohne jede Rücksicht auf die Angler den schmalen Kanalabschnitt. Während einige Teilnehmer auf Ihren Plateaus von der Bugwelle kurz ausgehoben wurden und mit dem Schrecken davon kamen, erwischte es den Ausrichter mit voller Breitseite. Die extreme Welle schleuderte den Angler regelrecht mitsamt allem Equipement und Fang in den Kanal – die herbeigerufene Polizei wird zwar den Vorfall verfolgen – doch angesichts unserer sportlichen Bedeutung in der Öffentlichkeit ist hier kaum eine „Bestrafung“ zu erwarten – nicht auszudenken was hier hätte passieren können. Trotzt dieses Ereignisses, dem auch ein Großteil des Fanges zum Opfer fiel, konnte mit nahezu 4 Kilo Durchschnittsgewicht ein, für holländische Kanalverhältnisse und eine rotaugendominierte Angelei, wahres Spitzenergebnis am Kanal verzeichnet werden. Müller – Bleser und Franz hiessen die TOP 3 und Müller und Bleser setzten sich in der Gesamtwertung bereits deutlich vom Feld ab.

Dieter Liebert ging in diesem jahr unfreiwillig baden

Dennoch bleibt Julianakanal eben Julianakanal und wer nun am Sonntag glaubte, dass die großen Rotaugen nur darauf warteten gefangen zu werden, hatte einmal mehr das Nachsehen. Die Fische waren zwar am Platz – legten jedoch ein enorm vorsichtiges Beißverhalten an den Tag. Es galt mal wieder die hochsensiblen Montagen auszupacken und den Fischen mit viel Fingerspitzengefühl nachzustellen. Nach weiteren 5 Stunden Angelzeit stand dann fest, dass diesmal der Kleinste unter den Angler schlichtweg der Größte war. Sprich - Wolfgang Müller gewinnt auch den Sonntag und mit insgesamt nur 4 Punkten aus drei Tagen mehr denn verdient die INTERPOLE Gesamtwertung. Im 11ten Jahr seiner Teilnahme feiert Gerd Bleser aus Rheinland Pfalz Platz 2 und dass es am Kanal auch anders geht beweist uns Bernd Hahne, der an allen Tagen seine Barsche fing und damit einen sensationellen Dritten Gesamtplatz belegt. Nur knapp am Podium vorbei angelt mit Platz 4 gleich bei seiner ersten Teilnahme Berti Jäger.

Hahne (3) – Müller (1) – Bleser (2) und Jäger (4) der Einzelwertung

Fazit: auch mit einem, gegenüber früheren Jahren, deutlich kleinerem Feld war die INTERPOLE für die Teilnehmer ein tolles Wochenende. Es gab neben gutem Sport auch wieder jede Menge gute Stimmung am Wasser und wir sind uns einig, diese Tradition nicht aussterben zu lassen. Auch in 2019 wird es also eine INTERPOLE am Julianakanal am letzten Septemberwochenende geben – es würde uns freuen, wenn wir dazu alte Freunde wiedersehen oder zudem möglichst zahlreiche neue Teilnehmer begrüßen könnten.

Ergenisliste (PDF)


iPOLE 19 INFO unter interpole@gmx.de oder 02404 – 55 78 391

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