Landesverbandsfischen Niedersachsen am Havelkanal

  • von Teamleitung
  • 14. April 2009 um 11:38
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Am letzten Wochenende im März startete die niedersächsische Saison 2009 mit dem Landesverbandsfischen des DAV Niedersachsen. Dieses Jahr wird für den LV Niedersachsen ein besonders, denn erstmals und vermutlich auch einmalig wird es dieses Jahr zwei Landesverbandsfischen geben. Ein Teilnehmer des ersten Landesverbandsfischen wird zum diesjährigen Anglertreff für Mannschaften fahren, und ein Teilnehmer des zweiten Landesverbandsfischen wird zum Anglertreff für Mannschaften 2010 fahren.

Das erste Landesverbandsfischen Ende März wurde am Havelkanal im brandenburgischen Hennigsdorf ausgerichtet. Der Havelkanal ist in diesem Abschnitt am Stadtrand von Berlin circa 35m breit und 3m tief.  Die Strömung ist im Allgemeinen kaum vorhanden, lediglich die sporadisch durchfahrenden Schiffe können je nach Ladung einen mächtigen Sog verursachen.

Der Fischbestand im Havelkanal ist je nach Jahreszeit komplett unterschiedlich. Anfang März wurden bedingt durch die kalte Witterung kaum Fische gefangen. In den 14 Tagen vor dem Fischen verbesserte sich das Fress- und Beißverhalten jedoch drastisch. Am Wochenende vor dem Fischen konnten so sehr gute Fänge zwischen 3 Kg und 8 Kg von den dort trainierenden Teams aus Sulingen gemeldet werden. Die Prognosen waren jedoch unterschiedlich. Im Allgemeinen ging man von einem schwierigen Fischen auf Rotaugen aus, Brassen sollten eher keine Rolle spielen da sie nicht gezielt befischt werden konnten. Die zu erwartenden Gewichte lagen zwischen 8 Kg auf den Außenplätzen und 2 Kg in der Mitte der Strecke.



Kam schon im Training sehr gut mit der Strecke zurecht - Oliver Bürger vom AC Sulingen

Zum ersten Landesverbandsfischen hatten sich 7 Teams angemeldet. Teilweise wurden weite Anfahrten in Richtung Berlin auf sich genommen, bei diesen Teams handelte es sich um die Teams AC Sulingen, AC Suletal, Team 49, Sensas Team Cornau, AC Bolognese Hannover, Hunte Team sowie das Browning Team Niedersachsen. Um ein Teil des Fazits des Berichtes vorweg zu nehmen, diese Teams sollten ihre Anreise nicht bereuen, denn der Havelkanal bot ihnen ein Fischen der Extraklasse! Dank des DAV Niedersachsen gebührt hierbei Dirk Dedenken, der die Organisation vor Ort federführend übernommen hatte!


Am Mittwoch trafen sich die ersten Teams an der Strecke, um diese zu befischen und sich mit ihr vertraut zu machen. Die Teams vom Hunte Team, Sensas Cornau und dem AC Bologenese Hannover befischten vor allem die hinteren Sektoren der Strecke. Bei den Methoden wurden sowohl die Speedrute, die Kopfrute sowie die Matchrute getestet. Am Mittwochabend war klar, dass die Fische in Fresslaune waren. Auf allen Spuren und Methoden konnte Fisch gefangen werden. Den Teilnehmern stellte sich die Frage ob dieses Beissverhalten so bleiben würde, wenn ja, dann war den Teilnehmern klar, dass es darum gehen würde, die größeren Fische zu selektieren.


Sven Bäse vom AC Bolognese Hannover

Am Donnerstag gesellten sich Teilnehmer des Browning Teams Niedersachsens sowie das Team 49 zu den trainierenden Teams. Das Sensas Team Cornau sicherte sich an diesem Tag die Unterstützung vom Champions Team Angler Marco Beck. Dies war sicherlich eine wertvolle Hilfe, denn Marco ist unbestritten einer der besten deutschen Angler und ein Kenner der Berliner Gewässer, besonders des Havelkanals, hier hat er doch unzählige Stunden am Wasser verbracht. Vielleicht sollte man an dieser Stelle ein paar Worte über das  Sensas Team Cornau verlieren. Dieses Team belegte in den letzten beiden Jahren immer Platzierungen in der Spitze und scheiterte oft nur knapp an einer Teilnahme am Anglertreff. In diesem Jahr trat das Team mit dem mit Abstand größten Betreuerstab an. Dieser Betreuerstab setze sich aus den vermeintlich besten Anglern des Teams zusammen. Die Angler waren quasi das 1B Team Sensas Cornau und das Feld war gespannt, ob diese Rechnung aufgehen würde.

Kommen wir nun aber wieder zum Donnerstag. Bedingt durch die guten Ergebnisse des Vortages gingen die einzelnen Teams etwas mutiger an den Kanal. Die Futtermischungen wurden im Allgemeinen fetter gewählt und der Erdanteil meistens reduziert. Bei der Startfütterungen konnte man sehen und hören, dass die meisten Teams zu einer Startfütterung aus der Hand übergegangen waren. Das Futter wurde teilweise massiv eingebracht und es stellte sich die Frage ob diese Fütterungen für den Kanal nicht „zuviel“ waren? Diese Frage konnte mit einem klaren „Nein“ beantwortet werden. Die Fische fühlten sich durch diese Bombardements nicht im geringsten gestört und ließen sich mit jeder beliebigen Methode fangen. Bei den Fischen handelte es sich meist um Rotaugen zwischen 20 und 80 Gramm. Fische von bis zu 300 Gramm waren die Ausnahme. Die zweite nennenswert gefangene Fischart waren Flussbarsche. Die Barsche erreichten Gewichte zwischen 30 und 100 Gramm. Auch hier gab es Ausnahmefische von bis zu 200 Gramm. Im Schnitt schienen die Barsche etwas schwerer als die Rotaugen zu sein. So weit, so gut, bis hierhin war alles berechenbar. Was die Sache jedoch unberechenbar machte, waren die Brassen, die ab und zu auf der Strecke gefangen wurden. Die Brassen wogen zwischen 400 und 800 Gramm und niemand wußte so recht was er mit diesen Fängen machen sollte. Dominierende Methoden, das zeichnete sich am Donnerstag bereits ab, würde Kopfrute und Speedrute sein. Die „richtige“ Kopfrutenlänge schien bei 11,5m zu liegen. Auf dieser Länge konnte man sowohl die benötigte Stückzahl als auch die richtige Grösse der Fische fangen. Bei der Speedrute sah man Längen zwischen 3m und 4,5m. Die Gewichte lagen zwischen 0,4 Gramm und 1 Gramm, je tiefer das Wasser oder je stärker der Wind, desto schwerer mußte man fischen. Die ideale Wassertiefe für die Speedrute lag zwischen 120cm und 150cm. In diesen Tiefen konnte man die besten Ergebnisse erzielen. Wir finden, ein erstaunlicher Fakt, wenn man bedenkt, daß vor 4 Wochen noch ein dicker Eispanzer auf dem Gewässer lag. Auf der Kopfrute sah man Montagen zwischen 0,6 Gramm und 4 Gramm, sicherlich ein Indiz dafür, daß man auf dieser Spur auf der Suche nach der richtigen Montage war.


Frank Mahler vom Hunte Team mit einem der Bonusrotaugen

Der Freitag sollte dazu dienen mehr Klarheit über diese Fragen zu erlangen. Hierzu war die Strecke auch fast komplett besetzt. Beim Training am Freitag spielte die Matchrute auch bei fast allen Teams so ziemlich keine Rolle mehr. Was auffiel waren die Beißpausen, welche sich teilweise bei den Anglern einstellten. Gerade nach der Anfangsfütterung taten sich auf der Kopfrutenspur teilweise Minuten ohne Biss auf. Die kurze Spur stellte in diese Zeit die richtige Alternative da. Aber auch diese Spur mußte richtig beangelt und befüttert werden. Im Training schien es so zu sein, daß die Fische auf dieser Spur, entgegen Aussagen der Einheimischen, massiv befüttert werden wollten. Massives befüttern meint eine permanente Wolke aus Futter, welche auf die Fische nieder rieselte. Diese Wolke sollte mit einigen Pinkis sowie vereinzelnden Maden und Castern durchsetzt sein. Auf der Kopfrutenspur konnte man die Bisse konzentrieren, wenn man das mit Ködern durchsetze Futter per Polecup punktgenau auf seinen Futterplatz ausbrachte.

Was waren aber die richtigen Köder zum Befüttern der Fische? Traditionell ist der Havelkanal ein „Mückengewässer“ in dem die Mücke sowohl als Hakenköder sowie als Lebendfutter eine wichtige Rolle spielt. Es galt also herauszufinden was an diesen Tagen die richtige Dosierung der Mücken war! Ein Zuviel an Mücken lockte die kleineren Fische an den Platz, brachte teilweise aber auch die Barsche in Fresslaune! Ein Zuwenig an Mücken brachte die Gefahr, komplett an den wichtigen Barschen vorbei zu fischen oder gar die etwaig vorhandenen Brassen nicht am Platz halten zu können. Apropos Brassen, diese geisterten auch am Freitag noch über die Strecke und man hörte von vereinzelnd guten Brassenfängen. Gab es doch ein Rezept um Brassen zu fangen? Die Antwort würden die darauf folgenden Durchgänge am Samstag und Sonntag bringen.

Am Samstag konnte die Teamleitung die 7 Teams zum Landesverbandsfischen begrüßen. Anhand eines aufwendigen Losschlüssels wurden den einzelnen Teams und Teilnehmern die Startplätze zugewiesen. Während die Strecke in der Mitte relativ gleichmäßig war, hoffte man in den Außensektoren möglichst weit in Richtung Endplatz zu sitzen. Das Fischen begann mit einem 5-minütigen Füttern. Hierbei dominierte fast ausschließlich das Werfen größrer Futtermengen und das Ausbringen der Lebendköder mit dem Polecup. Ein Teil der Teams setze dabei auf pures Futter, lediglich die Mücken wurden separat mit Erde ausgebraucht. Die kurze Bahn befütterten die Teams mit einigen kleinen Bällen aus Futter mit Pinkis, Maden und Castern. Auf der kurzen Bahn verzichteten einige Teams komplett auf Mücken, man setzte hier auf die Wirkung von Pinkis um die etwas größeren Fische zu fangen. Nach dem Startsignal wurden dann auch schnell die ersten Fische gefangen und bei vielen Anglern stellte sich ein Rhythmus ein, der zeigte, daß auch an diesem Tag die Fische weiterhin Fressen würden.


Hatte im ersten Durchgang Pech mit einem tollwütigen Fahrradfahrer - Peter Englisch aus Cornau

Es galt also einen möglichst flüssigen Rhythmus zu finden, um die größeren Fische „mitzufangen“.
Hierzu musste zwischen der kurzen Bahn und der Kopfrute gewechselt werden. Wichtig war es, das Befüttern der zweiten Bahn nicht zu vernachlässigen, auch wenn man auf einer Bahn sehr gut fing. Wer dieses beherrschte, konnte 2 Stunden lang Fisch auf Fisch fangen. Nach 2 Stunden kam dann ein voll beladenes Binnenschiff und auf den Futterplätzen war es tot. Es galt nun also die Plätze neu aufzubauen. Dies würde auf der Kopfrutenbahn sicherlich bis zu 20 Minuten in Anspruch nehmen, aber welche Alternative blieb? Die kurze Bahn war die Bahn, welche sich schneller aufbauen ließ und wo man nach einigen Minuten wieder Fisch fangen konnte. Hierzu gilt es die Bahn mit einem permanenten Vorhang aus Futter und Maden zu befüttern. Da man auf der kurzen Bahn auf einer nicht vergossenen Steinpackung fischte, musste der Angler keine große Angst haben diesen Futterplatz zu überfüttern. Überflüssiges Futter rieselte in die Steine und konnte von den Fischen nicht mehr gefressen werden. Auf der Kopfrutenbahn schoben die Teilnehmer mit dem PoleCup ihre Mischungen aus Futter, Erde und Ködern. Einige Angler setzten auf die Fütterung aus der Hand. Nach ca. 20 Minuten, in denen einige Angler auf der kurzen Bahn Fische fingen, konnten die ersten Fische auf der Kopfrute verzeichnet werden. Zur Überraschung vieler hatte sich das Bild auf der Kopfrute jedoch total verändert. Wurden an den Trainingstagen so gut wie keine Kaulbarsche gefangen, so wurde jetzt Kaulbarsch auf Kaulbarsch gefangen. Ging die Pose unter, ohne das ein Kaulbarsch am Haken hing, so konnten die Angler nach dem Schiff fast ausschließlich große Fische fangen. Hierbei handelte es sich um Rotaugen bis 500 Gramm sowie Brassen bis 800 Gramm. Da vor dem Schiff fast ausschließlich kleine Fische gefangen wurden, stellten die großen Fische das Ergebnis teilweise auf den Kopf und einzelne Angler konnten sich in diesen Minuten vor „Fahrkarten“ retten.

Besonders erfolgreich angelten die Teams aus Sulingen und dem Hunte Team im ersten Durchgang. Beide Teams konnten zwei Sektorenseiger stellen und wiesen die Platzziffer 14 nach dem Durchgang 1 auf. Besonders ins Auge sind dabei die beiden Tageshöchstgewichte von Patrick Kleene und Carsten Röschl gefallen, aus der Streckenmitte konnten sie das mit Abstand höchste Tagesgewicht erzielen.


Fischte einen nahezu perfekten 1. Durchgang - Carsten Röschl

Wie sah jetzt das Erfolgsrezept der beiden Fox Angler aus? Die Anfangsfütterung bestand aus ca. 10 großen Lehm-Erdbällen, welche mit Mücken durchsetzt und mit Betonit sehr fest abgebunden waren. Diese Bälle sollten sich erst durch Fressen der Brassen lösen und diese damit auf dem Platz halten. Wie üblich brachten auch diese beiden Angler ihr konzentriertes Futter mit dem PoleCup aus. Beim Fischen selber gingen die Beiden sehr konzentriert zu Werke. Mit einer feinen 0,8 Gramm Montage, die mit einer diffizilen Mehrpunktbebleinung bestückt war, wurde der Köder sehr langsam und präzise auf den Futterplatz gesetzt. Mit diesem langsamen Absetzverhalten erreichten die beiden Angler ein natürliches Absinkverhalten der Mückenlarven. Nicht selten wurde die Mücke direkt beim Einsinken von den vorsichtigen Brassen aufgenommen und die sensible Stahlantennepose sank direkt nach dem Einsetzen fließend ab. Mit dieser Montage konnte alleine Carsten einen Fang erzielen, der sich hauptsächlich aus Brassen zusammensetzte. Sicherlich waren diese Anzahl an Brassen nicht auf jeden Platz zu fangen, doch die Rotaugen stiegen genauso gut auf die Montage ein. Auf Platz 3 reihte sich das Sensas Team Cornau ein, mit der Platzziffer 18 war man in Schlagweite zur Spitze, hatte jedoch schon einen kleinen Rückstand. Hatte sich das Team mit der Aufstellung verzockt?



Suchte und fand "seine" Brassen im 2. Durchgang - Brassenwilli Wilfried Wittger

Die Antwort sollte der Sonntag bringen. Das Wetter war weiterhin stabil, lediglich der Wind hatte etwas aufgefrischt. Bei den Anglern hatten sich die Brassenfänge von Röschl und Kleene natürlich rumgesprochen und das Feld stellt sich die Frage ob die Brassen verstärkt auf der Strecke einlaufen würden. Die allgemeine Tendenz ging eher zum Glauben, das die Brassen am zweiten Tag auf der Strecke präsent sein würden. Aus diesem Grund erhöhten viele Teams ihre Lebendköder und es wurde noch mehr aus der Hand gefüttert. Nach dem Füttern begann das Fischen und es konnte beobachtet werden, daß verstärkt auf die Kopfrute gesetzt wurde. Man war gespannt was passieren würde. Die ersten Minuten brachten keine Bisse auf der Kopfrute. Waren die Fische auf der Kopfrutenbahn satt oder hatte sie vielleicht die massive Anfangsfütterung verscheucht? Auf der kurzen Bahn wurde relativ schnell wieder Fisch gefangen, jedoch schien auch hier das Beissverhalten zum Vortag etwas schwieriger geworden zu sein. Dieser erhöhte Schwierigkeitsgrad verlangte ein noch präziseres Befüttern der kurzen Spur um hier kontinuierlich Fische zu fangen. War der Lebendköderanteil zu klein, verzogen sich die größeren Fische, war er zu hoch, verscheuchte er diese.


Im ersten Durchgang ein guter Coach, im zweiten Durchgang ein sicherer Angler - Benjamin Schröder

Hatten die Angler zu viele Mücken im Futter, so kamen die kleinen Rotaugen massiv auf den Platz, hatte man keine Mücken im Futter, hatte man keine Chance auf die Barsche. Nach einer halben Stunde kamen die Kopfrutenbahnen verstärkt zum Laufen und schnell war klar, da auf einigen Plätzen wieder große Fische zu fangen waren, während es auf anderen Plätzen fast unmöglich war, die größeren Fische zu fangen. Hier galt es jetzt flexibel zu sein und die Fische zu fangen, die auf dem eigenen Futterplatz standen. Sicherlich war es sinnvoll und richtig eine Optimierung des eigenen Angelplatzes zu probieren. Ein Überladen des eigenen Futterplatzes war jedoch tödlich und musste dringend vermieden werden! Um dies zu realisieren und umzusetzen war ein guter Betreuerstab zwingend notwendig und jetzt kam die Stärke des Sensas Teams Cornau zum Tragen. Bedingt durch den qualitativ und quantitativ hochwertigen Betreuerstab erkannte dieses Team diese Umstände und wies über den Teamkapitän seine Angler entsprechend an. Die Angler hatten die anglerischen Fähigkeiten und setzen diese Order um, so daß sich das Team am 2. Tag von Platz 3 mit einer Tagesgesamtziffer von 9 auf den ersten Platz der Gesamtwertung katapultierte. Platz 2 ging an das Hunte Team mit einer Gesamtplatzziffer 33 (14 + 19) vor dem Team aus Sulingen mit der Platzziffer 34 (14 + 20).


Das Gruppenbild der erfolgreichen Teams aus Cornau, Sulingen und dem Hunte Team

In der Einzelwertung lagen dagegen zwei Mann aus dem Team Sulingen mit der Idealplatzziffer 2 in Führung. Gerd Beich und Oliver Bürger konnten an beiden Tagen ihre Durchgänge gewinnen und zeigten dabei eindrucksvoll, das es die Möglichkeit gab, die größeren Fischen zu selektieren.


Gerd Beich aus Sulingen ist eine feste Instutition im niedersächsischen Angeln

Wir hatten die Möglichkeit Gerd Beich nach seinem Erfolgsgeheimnis zu fragen und er stand uns Rede und Antwort:

CT: Hallo Gerd, zuerst unser Dank, das Du uns an Deinem Erfolgsgeheimnis am Havelkanal teilhaben lässt.

GB: Ich denke das Geheimnis eines erfolgreichen Fischens am Havelkanal lag in einem Mix aus einer richtigen Futterstrategie, der nötigen Geschwindigkeit beim Fischen und ein hohes Maß an Genauigkeit. Außerdem hatte ich das Glück, daß mein Mannschaftskollege Oliver Bürger beim Training sehr gut am Havelkanal zurecht kam und ich von seinem „know-how“ am Kanal profitieren konnte. Bei uns im Team ist es üblich, daß ein erfolgreicher Angler sein Wissen und seine Erkenntnisse aus dem Training an die Kollegen weiter gibt.

CT: Kannst Du uns beschreiben, wie Du gefischt und wie Du gefüttert hast?

GB: Vielleicht sollte ich zu Beginn sagen, daß ich kein Rezept hatte um die größeren Fische zu selektieren. Ich habe lediglich versucht, so präzise wie möglich auf meinem Futterplatz zu fischen. Ich denke, daß unser Futterplatz ein wichtiger Punkt für unseren Erfolg war. Wir haben unseren Futterplatz wie folgt aufgebaut:

  • 12 geworfene Bälle aus einem Erde-Futtermix. Dieser Mix war durchsetzt mit vielen fein geschnittenen Würmern, Castern und einigen kleinen Mückenlarven
  • 6 dieser Bälle mit Betonit abgebunden
  • Nachfüttern nur mit dem PoleCup

Auf diesem Futterplatz habe ich dann probiert, jeden Fisch zu fangen. Die größeren Fische waren lediglich ein Bonus während des Fischens. Im Gegensatz zu den meisten anderen Teams haben wir auf 13m gefischt. Glücklicherweise ließen meine Plätze ein Abstecken der Rute bei dieser Länge zu.

CT: Was denkst Du, war der Schlüssel zum Erfolg?

GB: Zum einem, das wie schon oben beschriebene saubere Fischen auf der Kopfrutenbahn. Ich habe hier Montagen zwischen 0,6 Gramm und 1 Gramm gefischt. Diese Montagen mussten äußerst präzise ausgebleit werden - und ich meine wirklich präzise! Die Pose durfte lediglich mit Hilfe eines Fettstiftes fischbar gehalten werden. Im 2. Durchgang machte ich, bedingt durch den hohen Wellengang, ein 12er Schrot von der Montage ab um die Bisse besser zu sehen. Als Folge blieben die Bisse aus, da die Fische einen zu großen Widerstand spürten. Dazu habe ich ca. 5cm aufliegend gefischt und meine Montage immer sehr langsam auf den Futterplatz abgelassen. Blieb der Biss aus, so habe ich die Pose wieder aus dem Wasser gehoben und sie erneut langsam und vorsichtig auf den Futterplatz abgesetzt.

CT: Auf welches Futter hast Du beim Fischen gesetzt?

GB: Ich habe auf einen Mix aus 50% Terre de Sommes und 50% Gros Gardons von Sensas gesetzt. Dazu habe ich dem Futter noch gequetschten Hanf und Mohnsaat zugegeben, um dem Futter Aktivität einzuhauchen. Außerdem nutzen wir X.21 und etwas Vanille Aroma um das Futter für die Fische attraktiver zu machen.

CT: Gab es Unterschiede zwischen den beiden Durchgängen bei Dir, oder hast Du beide Durchgänge mit der gleichen Taktik gefischt?

GB: Die beiden Durchgänge liefen für mich grundverschieden. Im ersten Durchgang fischte ich, wie schon beschrieben, mit der Kopfrute auf 13m. Die kurze Bahn funktionierte an diesem Tag einfach nicht und ich vernachlässigte diese da mir klar war, das ich meine Kopfrutenbahn sehr gut am „Laufen“ hatte. Am zweiten Tag war der Wind jedoch so stark, daß ich meine oben beschriebene Taktik nicht fischen konnte. Auch aus diesem Grund fischte ich am 2. Tag fast ausschließlich mit der 5m Rute. An dieser Rute fischte ich eine 0,8 Gramm Montage und fing hier kontinuierlich Fische. Während viele Angler mit der 4m Rute fischten, entscheid ich mich für die 5m Rute, da ich auf dieser Bahn die etwas größeren Fische erwartete. Ich befütterte diese Bahn mit dem Erde-Futtermix. In diesem Mix hatte ich vor allem Pinkis sowie ein paar Caster. Um die Fische beim Einbringen des Futters zu aktivieren, versetzte ich das Futter für diese Spur mit Litou (ebenfalls Sensas), so das ich bei jedem Einwerfen eine schöne Wolke im Wasser stehen hatte. Zum Ende des Fischens habe ich dann nur noch lose Pinkis auf die 5m Bahn geworfen. Mit dieser Taktik konnte ich größere Fische auf meinen Platz ziehen und das Durchschnittsgewicht der Fische erhöhte sich von ca. 30 Gramm auf ca. 50 Gramm. Teilweise wurde ich im 2. Durchgang etwas nervös, da mein Nachbar Wilfried Wittger (Brassenwilli) anfing größere Fische auf der Kopfrutenbahn zu fischen. Ich entschied mich jedoch meinen Stil beizubehalten und sollte mit meiner Entscheidung dann am Ende auch richtig liegen.

CT: Fischten die Sulinger Teamangler in ihren Teams grundsätzlich eine einheitliche Taktik und Technik?

GB: Im Prinzip schon, aber wir lassen unseren Angler auch immer etwas Platz für individuelle Entscheidungen. Es gibt an einem solchen Gewässer keine einheitliche Taktik. Jeder Platz ist unterschiedlich und entwickelt sich beim Fischen auch unterschiedlich. So „verfeinert“ jeder unserer Angler sein Futter auf eigene Art und Weise, denn wir denken, es ist wichtig, daß jeder an sein Futter glaubt.

CT: Wie würdest Du abschließend das Fischen beurteilen?

GB: Im Resümee sehr positiv. Der Havelkanal war ein ausgesprochen anspruchsvolles Angelgewässer an dem man viele Fehler machen konnte. Nur wer es schaffte, seine Fehler zu minimieren, hatte eine Chance positiv abzuschneiden. Und genau dies hat das Team Sensas Cornau meiner Meinung nach perfekt umgesetzt. Gerade am zweiten Tag haben sie als Team perfekt funktioniert und das Landesverbandsfischen verdient gewonnen. Ich denke, daß sie unseren Landesverband beim Fischen am Elbe-Havel Kanal gut vertreten werden. Ich möchte den Jungs an dieser Stelle alles Gute wünschen!


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