Anglertreff Einzel 2011 - Die "Barschschlacht" von Parey

  • von ct Redaktion / Steffen Quinger
  • 28. September 2011 um 03:52
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Vorbei ist der Anglertreff 2011 für Einzelangler der Jugend, Damen, Veteranen und Herren am Elbe-Havel Kanal in Parey. Die Angler sind wieder zu Hause und so manch einer wird sich auf das kommende Wochenende freuen, denn es ist nicht unwahrscheinlich, dass fast jeder Teilnehmer mehr Fisch fangen wird, als er noch in Parey in seinen Maschen fand. Fischte Man(n) gegenüber des Verladekrans an der Spundwand, so hörte man immer wieder Verzweiflungsschreie und wütende Ausrücke über diesen „Drecksbach“ oder diesem anscheinend fast fischlosen Kanal. Allerdings gab es wieder einige Angler und Mannschaften, welche besser mit den Gegebenheiten zurechtkamen, doch der Reihe nach.

Kanalidylle in Parey
Kanalidylle in Parey

Bereits im August reisten die ersten Mannschaften nach Parey und fischten teaminterne Durchgänge und versuchten die Besonderheiten des Kanals kennenzulernen. Dort zeichnete sich ab, dass nicht sehr viel Fisch zu fangen war und die erste Prognose lautete, einen Kilogramm Fisch zu fangen, besser zwei kg, um ganz Vorne zu landen. Bestenfalls mit einem oder zwei dickeren Fischen. Manch einer schaute auch auf die Ergebnislisten vom Sichtungsfischen im Jahre 2010 und man konnte schnell erkennen, dass ein großer Fisch den Unterfangkescher passieren musste.

Sparsam fiel die Anfangsfütterung aus
Sparsam fiel die Anfangsfütterung aus

Im September konnte man dann auch bereits unter der Woche einzelne Angler auf der Herrenstrecke sichten, welche vorwiegend Brassen und vereinzelt auch stattliche Rotaugen fingen. Weitaus häufiger gingen jedoch Barsche an den Haken, welche manchen Angler zur Verzweiflung brachte. Am Wochenende vor dem Anglertreff dann die Erkenntnis, dass es nicht leicht werden würde, die eine Brasse zu fangen und die ersten Stimmen wurden laut, dass man die Barsche doch nicht vernachlässigen durfte.

Am Montag reisten dann die ersten Angler an und konnten sich trotz heftiger Sturmböen über dicke Brassen freuen. Auch am Dienstag füllte sich die Strecke ein wenig, auch wenn bisher nur eine handvoll Angler trainierten, wurden doch weiterhin Brassen und Rotaugen, neben den Barschen gefangen. Am Mittwoch dann sah man erste Wagenkolonnen an der Strecke und gegen Mittag füllte sich die Hälfte der Strecke. Starke Windböen machten das Fischen nicht einfach und einige entschieden sich für die sichere Variante des „Schauen“ oder fischten nur mit der Matchrute.

Einsatz der Matchrute
Die Kopfrute kam überwiegend zum Einsatz

Die Fische wurden scheuer und nur an den Enden konnten Brassen und stramme Rotaugen gefangen werden. In der Mitte allerdings gähnende Leere und nur Barsche, dafür in dreistelligen Stückzahlen, ließen die Gummizüge doch noch einmal hervorschnellen. Viele waren sich einig, dass der Wind einen nicht unerheblichen Einfluss hatte, so war das saubere und ruhige Anbieten des Köders einfach nicht möglich. Wer hingegen mit der Matchrute fischte, konnte auch Brassen fangen und viele waren auf den morgigen Tag gespannt.

Am Donnerstag gab es nur noch wenige freie Plätze und die ersten Jugendlichen und Damen fanden sich auf ihren Strecken ein. Dabei musste der Jugendsektor kurzerhand umgelegt werden, da die Zufahrt zur Hühnerfarm frei bleiben musste. Trotzdem trainierten einige Angler auf dieser Strecke und wer ein wenig Fisch fangen wollte, war gut beraten, sich ein wenig Abseits, noch besser rechts der Strecke zu platzieren, denn je weiter man nach links zur Schranke kam, umso schwieriger wurde es. Am Donnerstag wehte wieder ein kräftigerer Wind und es wurden so gut wie gar keine großen Fische mehr gefangen. Der Großteil der Angler konnte zwischen ein bis vier Weissfische aufweisen, meistens aus Ukelei, kleinen Rotaugen oder einer handlangen Brasse zusammengesetzt. Vereinzelt gab es noch größere Aländer oder untermassige Schleien. Die Masse war sich einig, dass es schwer werden würde, einen Kilogramm Fisch zu fangen und für den Freitag wurde weniger Futter und mehr Erde vorbereitet. Aber meistens kommt es anders, als man denkt.

Abstecken war nicht immer ganz einfach
Abstecken war nicht immer ganz einfach

Am Freitag lachte die Sonne und schenkte den Teilnehmern herrliches Herbstwetter, nahezu keinen Wind und angenehme Temperaturen. Während die Frauen und Jugendlichen sich bereits am Donnerstag über schöne und gewichtige Fische freuen durften, waren nun auch die Herren an der Reihe. Bereits beim ersten Einsetzen der Pose ging der Proppen unter und es wurden zwar keine Massenfänge erzielt, jedoch konnten die meisten ein paar gewichtige Fische fangen und dazu auch noch zahlreiche Ukeleis. Zufriedene Gesichter überall auf der Strecke, gepaart mit der Hoffnung auf bessere Fänge am Wochenende ließen den Tag schnell vergehen und am Nachmittag begann das Basteln. Das Wetter für den Samstag sollte ähnlich werden und so wurden noch Ukeleigeschirre gefertigt und die Montagen und Gummis überprüft.



Das Wetter am Samstag war ähnlich und die Platzeinnahme begann. Jenes gestaltete sich schwieriger als angenommen, da einige Angler bei den Herren nicht aufgepasst hatten und falschherum in die Strasse fuhren. Ein kleines Verkehrsproblem zeichnete sich ab und man war froh, dass das Betreten der Sektoren um eine halbe Stunde nach hinten verschoben wurde. Gespannt wartete man auf die Startfütterung und so mancher hätte sich im Nachhinein gewünscht, weniger Apfelsinen versenkt zu haben, denn es passierte das, was sich keiner gewünscht hatte – NICHTS. Die wenigsten fingen Standfische und in den vorderen Sektoren A und B, welche im Training kaum befischt wurden, da man hier auf Karre und lange Arme umsatteln musste, war man ein wenig ratlos. Aber auch im C und D Sektor war nicht viel zu sehen und nach einer Stunde sah man die Verzweiflung der Angler, welche wenig später in Sarkasmus und Ironie umschwankte, versuchte man doch, die Situation sportlich zu nehmen.

 
Carsten Röschl mit einem Bonus- und einem Minibarsch

In der letzten Hälfte sah man dann einzelne Angler gezielt auf Barsch fischen, egal ob auf Kleinstbarsche der 2-3gr Marke auf 3m oder auf größere Exemplare in der Steinpackung. Mehrere neue Spuren wurden eröffnet und wenige versuchten einige Ukeleis zu erhaschen. Jene konnten zwar nur vereinzelt und in geringen Mengen gefangen werden, so brachten sie aber mal schnell 100gr mehr auf die Waage. Die andere Hälfte wartete weiterhin auf den einen Biss, doch er kam in kaum einen Sektor. So zeigte die Waage gähnende Leere an und im A-Sektor war man froh, wenn man einen einzigen Fisch präsentieren konnte, egal ob 1gr, oder 3gr schwer. In B, C und D hingegen setzten sich die Barschangler durch und wer 1 Pfund fangen konnte, mit immerhin 80 Kleinstbarschen, der konnte sich in den vorderen Rängen wiederfinden. Lediglich Marco Beck und Jan Folz zeigten den Zuschauern im C-Sektor eine Demonstration und Marco konnte mit zwei sehr großen Barschen und einer handvoll kleineren Barsche vor Jan Folz durchsetzen, welcher bis zu 30 Rotaugen als einziger in seinem Sektor fing. Beide konnten ein Gewicht von über einem Kilogramm aufweisen. Im E-Sektor gab es sie dann aber doch – die Brassen. Möglichst weit am Ende musste man aber schon sitzen, um einen der gewichtigen Fische ins Netz zu bringen. Die Matchrute wurde nur von einigen wenigen Anglern benutzt und stellte nicht wirklich eine Option dar. Auch am Sonntag spielte sie nur eine untergeordnete Rolle, auch wenn es Angler gab, welche damit Fisch fingen. Für eine vordere Platzierung war sie jedoch nicht geeignet.


 

Schnelligkeit war nicht nötig ...

 

 ... präzise jeden Fisch mitnehmen musste man.


Auch bei den Jugendlichen sah man nicht viel mehr Fisch. Im Grunde war es eine einfache Rechnung. Hatte man einen großen Fisch, so war man vorne. Hatte man keinen, fand man sich hinten auf der Liste wieder.
Das Wetter am Sonntag sollte sich merklich verschlechtern und man rechnete mit noch weniger Fisch auf der Strecke, so waren selbst die Barsche immer beissfauler geworden im Laufe der Zeit und die, die man noch fangen konnte, waren kugelrund gefressen mit Mückenlarven. Der Futteranteil wurde weiter zurückgefahren, mehr Erde den Köderkontrolleuren präsentiert und nur noch wenige warfen die Anfangsfütterung. Wohl dem, der in der ersten Stunde des Fischens konzentriert fischte, denn in den Sektoren ließen sich vereinzelt Rotaugen blicken und wer aktiv seine Futterspur absuchte, konnte diesen fast schon Bonusfisch von bis zu 200gr fangen. Danach wurde es merklich ruhiger und die Barsche ließen sich noch schlechter, als am Vortag fangen. Man merkte aber, dass einige ihre Strategie geändert hatten, so sah man vermehrt kurze Ruten und einige Angler fischten 3 Stunden auf Barsch. Jenes war aber wieder die falsche Strategie, denn auf der 13m Spur hatten sich zu Beginn einige Rotaugen eingefunden und wer nur Barsche im Kescher hatte, dem fehlten 100gr, um ganz vorne zu landen. Wieder musste aktiv gefischt werden, während des Fischens neue Spuren eröffnet werden und ein regelrechtes Suchen nach den Barschen begann. Lediglich im E-Sektor kamen wieder einige Brassen zum Vorschein und auch bei den Frauen und Jugendlichen musste man Brassen fangen, um vorne zu landen. Bei den Jugendlichen wurde teilweise mit der Matchrute gefischt, dabei musste man allerdings im breiteren Bereich des Kanals sitzen.

Jan Folz sammelte auch fleißig Fischlein
Jan Folz sammelte auch fleißig Fischlein

Am Ende fing es dann zu allem Überfluss an zu regnen und das Gefluche fing wieder an. Einige Angler waren verzweifelt und waren sich sicher, dass sie hier nie wieder herkommen würden. Doch Gewinner gab es trotzdem und so begaben sich die meisten ins Anglerheim Parey und stärkten sich mit warmen Essen und Kaffee.
Um 1530 Uhr begann dann die Siegesehrung und der Präsident und Vizepräsident des DAV nahmen sich die Zeit und richteten einige Worte an ihre Mitglieder. Keine Fusion um jeden Preis hieß das Motto und nach einigen Worten wurden noch verschieden Angler und Anglerinnen für ihr Engagement oder tollen Ergebnissen auf der diesjährigen WM in Italien geehrt.



In der Jugend gewann Florian Fiebig (U18), vor Sven de Wall (U16) und Dennis Vogel (U22). In der Mannschaftswertung setzten sich erneut die Angler-Union Bremen, vor dem Saarland und NRW durch.
Bei den Damen bewies Steffi Bloch mal wieder ihre Klasse und platzierte sich vor Diana Ellmer und Jane Nemetz. In der Mannschaftswertung zeigte das Land Brandenburg den Berlinern und den erstmals gestarteten Bremern, dass sie verstanden, Brassen und Barsche einzunetzen.


Am zweiten Tag überzeugte Mike Osterwald mit einigen guten Fischen

Auch bei den Herren sollte es Sieger geben und so musste man in diesem Jahr nicht die Idealplatzziffer 2 aufweisen, um nach vorne zu gelangen, sondern mit 4 Punkten (3+1) zeigte Gerrit Michelhans, dass auch er es noch kann. Marco Beck bewies Klasse und Gespür und konnte mit „seinen Barschen“ die Platzziffer 5 (1+4) erfischen. Dritter wurde der Saarländer Gernot Kügler, ebenfalls mit der Platzziffer 5 (4+1). Er konnte am ersten Tag immerhin 100gr mit der Matchrute erfischen und sicherte sich so zumindestens ein respektables Ergebnis. Wurde in der Mannschaftswertung,  begleitet durch eine musikalische Einlage aus Trommeln und Trompeten, noch MeckPomm geehrt, so stellte sich ein wenig später heraus, dass der LAV Niedersachsen sich mit 71 Punkten vor den stark fischenden LAV Saarland mit 74 Punkten und MeckPomm mit 74,5 Punkten durchsetzen konnte.

Siegesehrung Herren Einzel
Siegesehrung Männer - Slideshow -

Siegesehrung Damen Einzel
Siegesehrung Damen - Slideshow -

Siegesehrung Jugend
Siegesehrung Jugend - Slideshow -

Das war er nun der Anglertreff für Einzelangler im Jahre 2011 am Elbe-Havel Kanal. Im nächsten Jahr geht es voraussichtlich nach Sulingen an die Aue. Man munkelt, dass es auch dort ein paar Barsche geben soll. Vielleicht heißt es dann wieder „Barschschlacht – Runde zwei“.

Zu den Ergebnissen

Bildquelle Siegerehrung: DAV - Referat Angeln Steffen Quinger

Mit Spannung wurde die Referentenrunde am Samstagabend erwartet. Im Vorfeld wurden hinsichtlich des enttäuschenden Abschneidens des Herren- und Feederteams bei der WM 2011 Veränderungen angekündigt und auch sonst gab es einiges zu verkünden. Hier sind die wichtigsten Punkte von Steffen Quinger aus dem Referat Angeln im DAV e.V. zusammengefasst.

Informationen aus dem Referat Angeln des DAV

Im Rahmen des Anglertreffs für Länder in Parey fand eine Beratung mit den Referenten der Länder statt.
Inhalte:

Fliegenfischen:
Verantwortlich für die Durchführung der Veranstaltungen im Fliegenfischerbereich ist Uli Schneider.

Black Bass
Verantwortlich für die Sichtung und die Organisation des deutschen Black-Bass Teams ist Thomas Engert.

Veteranen
Enttäuschend ist das Echo auf die Ausschreibung zum Anglertreff für Senioren 2011 in Parey. Trotz frühzeitiger Ausschreibung und mehrmaligen Nachfragen hat es nur das Bundesland Sachsen geschafft einen Teilnehmer zu melden. Für 2012 wird weiterhin ein Anglertreff für Veteranen ausgeschrieben, dieser läuft parallel zu dem Anglertreff Länder in Sulingen.
Ansprechpartner für die Veteranen WM 2012 ist Karl-Heinz Becker. Über den Sichtungs-Modus für 2012 wird noch entschieden.

Jugend
Ansprechpartner für die Jugend ist Herry Panno. Im Rahmen eines Sichtungsfischen im Frühjahr 2012 werden geeignete Angler für die WM 2012 gesichtet.

Damen
Verantwortlich ist Ralf Hertlitzschke. Eine Sichtung der Damen für die WM erfolgt analog im Frühjahr 2012.

Feeder
Ansprechpartner für die Vorbereitung und Durchführung des Sichtungsfischens im November 2012 an der WM Strecke  ist Mattias Weigang.
Dort wird vorrangig ergebnisorientiert das Team für die WM 2012 in Belgien zusammengestellt. Für 2012 ist bisher kein Teilnehmer gesetzt.

Herren
Die Referenten können bis zum 30.11.2011 wieder aus ihrer Sicht geeignete Angler zur Teilnahme an Trainingslager und Sichtungsfischen benennen. Dabei sollten schwerpunktartig gerade junge Angler gefördert werden.
Über verschiedene Trainingslager sollen 2012 Lehrgänge und Schulungen angeboten werden, um hier die Leistungsdichte zu erhöhen. Für die Durchführung dieser Lehrgängen/Schulungen sollen erfahrene WM- Teilnehmer wie Marco Beck, Ralf Hertlitzschke und Günter Horler gewonnen werden.
Der Anglertreff 2012 für Vereine wird genutzt um Teilnehmer zur Club – WM 2013, dem 6-Ländertreff 2013 und dem 3-Ländertreff 2013 zu delegieren.

Raubfisch
Im November 2011 wird es erstmalig einen DAV-Anglertreff Raubfisch geben. Es wir um rege Teilnahme gebeten. Darauf aufbauen soll ein deutsches Raubfischteam gebildet werden, dass eventuell zur WM 2012 delegiert werden soll.

Forellen
Verantwortlich für das deutsche Forellen- Team Jörg Iversen.

Die Kontaktdaten bzw. Telefonnummern der Verantwortlichen können bei Interesse an diesen Veranstaltungen über das Referat Angeln erfragt werden.

Steffen Quinger

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