Stippermesse Bremen 2011 - Das Jubliäum

  • von ct Redaktion
  • 31. März 2011 um 13:08
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Sonntag, 6. März 2011, 15.00 Uhr Stippermesse Bremen: „Stimme weg und Futter weg“ Wir sind eine Stunde vor Ende der Messe mit Marco Beck auf dem Sensas Stand zum Produkt-Video-Dreh verabredet, doch nichts geht mehr. Um die 2600 Besucher waren zur Jubiläums-Messe gekommen und der Blick in die Gesichter der Aussteller zeigte, dass nicht nur gefachsimpelt, sondern auch ordentlich verkauft wurde.
Es war die 10te Stippermesse, das erste Jubiläum und da galt es zuerst einmal Danke zu sagen. Danke für 10 Jahre, in denen Susanne Hübner und Heinz Hölblinger den Stippern das erste Highlight der Saison beschert haben. In denen sie ein Event auf die Beine stellten, bei dem es ihnen immer wichtiger war, schöne Stände und national und internationale Stars der Szene in der Halle zu sehen, als dass die eigene Kasse klingelte. Mit viel Idealismus wurde die Messe weiterentwickelt, vergrößert, verschönert, die Stars waren die Besucher, Susanne und Heinz hielten sich immer dezent im Hintergrund.

Vom DAV e.V. und champions-team.de gab es Blumen und ein Geschenk für Susanne Hübner und Heinz Hölblinger zum 10jährigen Jubiläum der Stippermesse
Vom DAV e.V. und champions-team.de gab es Blumen und ein Geschenk für Susanne Hübner und Heinz Hölblinger zum 10jährigen Jubiläum der Stippermesse

Und die Besucher wurden im Laufe der Jahre immer entspannter. Während vor Jahren vor der Halle noch bei Minusgraden ausgeharrt wurde bis denn endlich die Tore aufgehen würden, so kommen die Messegäste mittlerweile über den Tag verteilt. Die Jahre haben gezeigt, dass es weniger um frühe Schnäppchen geht, sondern die Information und der Austausch, das hohe Maß an Vergleichbarkeit im Vordergrund stehen.
Den ambitionierten Friedfischangler, Stipper oder auch Matchangler einzuschätzen ist nicht einfach und vorherzusagen, was die Messebesucher sehen wollen, was sie besonders interessieren könnte ist in keinem Jahr gelungen. Es gab Jahre, da wurde kaum eine Kopfrute verkauft und Jahre in denen die Bundles teilweise ausverkauft waren. Es gab Karawanen von Anglern, die eine Sitzkiepe hinter sich herzogen und Messen auf denen man am Ende die Halle mit den stehengebliebenen Kiepen bestuhlen konnte. Mal liefen Posen gut, im nächsten Jahr wurden kaum aus den Ständern genommen.

Entspannt strömten die Besucher in die Messehalle
Entspannt strömten die Besucher in die Messehalle

Das machte es für die Aussteller nicht einfach, denn im Zweifel musste man alles und noch viel mehr dabei haben, doch es gab und gibt natürlich auch des Stippers liebstes Kind, das Futter und das lief immer. Wer jedes Jahr eine neue Futterserie auflegt scheint nichts verkehrt zu machen. Es wird geschnüffelt, gerührt, geknetet und teilweise auch probiert, denn nichts scheint so wichtig wie das richtige Futter. Und wenn es immer noch nicht mit dem ultimativen Futter geklappt hat, dann müssen es die Lockstoffe richten. Lockstoffe, die auch den einzigen Fisch im Gewässer zielsicher zum Futterplatz lotsen. Insbesondere dieses Jahr waren wir wieder überrascht, wie groß das Interesse an neuen Futtersorten und Lockstoffserien ist. Die neue Black Serie von Sensas war am Ende sogar ausverkauft und auch bei Zammataro (Black Sultan), Mosella (Prestige Serie) und Browning war die Nachfrage riesig. Klassiker wie van den Eynde (Stipp-Profi.de) laufen immer und dazu gibt es auch ein sehr hohes Interesse an Futtersorten, die noch etwas unbekannter am Markt sind (Rameau), am Stand im angefeuchteten Zustand aber einen sehr guten Eindruck machen. Hier wird dann nicht im großen Stil, sondern eher selektiv gekauft, probiert und geschaut, wie sich die Erfolge einstellen. Doch nicht nur pures Futter wird auf die Futterplätze gecuppt oder geworfen, sondern auch immer mehr Erden, Lehme und Zusatzstoffe. Amino Flash heißt die neue Serie an Futterzusatzstoffen von FTMAX, mit der man Futter und Erden während des Angeln verändern und die Fische bei Beißflauten so wieder aktivieren kann.

Futter 1
Futter geht immer

Messen werden natürlich auch immer mit Trends und Neuigkeiten verbunden und obwohl die meisten Firmen die neuen Produkte für die kommende Saison bereits auf früheren Messen, in Katalogen oder natürlich im Internet zeigen, so gibt es auf der Stippermesse doch immer wieder einige Dinge zu sehen, die man noch nicht kennt oder noch nicht so richtig im Blick hatte. Viele neue und interessante Produkte haben wir bereits in unseren Stippermesse-Produkt-Videos gezeigt, doch es gab natürlich noch mehr zu entdecken. Der letzte Trend im unmittelbaren Sitzbereich waren sicherlich zuletzt die Drehstulmodule für die Feederangler. Zu Recht kann man sich die Frage stellen, ob eine bewegliche Sitzauflage nicht auch den Komfort der Posenangler steigern würde. Aufstecken, abstecken, Futter rechts, Köder links, dahinter noch die Topsets - da wäre eine bewegliche Sitzfläche sicherlich nicht hinderlich. Garbolino hat eine optisch sicherlich ein bisschen gewöhnugsbedürftige Sitzkiepe mit einem drehbaren Sitzkissen im Programm und wir sind gespannt, wann und ob andere Firmen hier nachziehen.

Drehbarer Stuhl und zwei Fußpodeste zeichnen die Sitzkiepe von Garbolino aus
Drehbarer Stuhl und zwei Fußpodeste zeichnen die Sitzkiepe von Garbolino aus

Gut und bequem zu sitzen ist generell ein Thema, denn ein Trend geht auch zur Gemütlichkeit. Beim Feedern finden immer mehr Sportsfreunde daran gefallen nicht unbedingt eine große Stückzahl zu fangen, sondern eher die größeren Exemplare zu selektieren. Das bedeutet, dass weniger geworfen, gekurbelt und stückzahlmässig gefangen wird und der Faktor Sitzfleisch in den Vordergrund rückt. Bequeme Stühle, wie man sie aus dem Karpfenanglerbereich kennt, bieten die Möglichkeit Ambauteile wie Tische und Rutenhalter zu befestigen, so dass es beim Warten auf den Biss etwas gemütlicher und entspannter wird. Um die größeren Fische zu selektieren bedarf es neben den passenden Endgeräten allerdings auch die Köder dabei zu haben, die ausschließlich von größeren Fischen gefressen werden. Vergreift sich doch immer mal wieder ein kapitaler Weißfisch am Boilie eines Karpfenanglers, so gibt es jetzt von einigen Anbietern Mini Boilies, die an Feederruten und dem Method Feeder angeboten werden.

Miniboilies selektieren die kapitalen Weißfische
Miniboilies selektieren die kapitalen Weißfische


Kopfruten waren natürlich wie immer ein zentrales Thema. Vorab wird und wurde wieder viel spekuliert, wer, wo seine Ruten baut, welche hoch- und niedrigpreisigen Modelle unterschiedlicher Anbieter kompatibel sind, ob kleinere Anbieter auch gewährleisten können, dass es immer ausreichend Ersatzteile gibt und ob ein 4000 Euro Modell auch fühlbar 4mal besser ist als ein 1000 Euro Modell. Keiner kann das beantworten, doch wer will bitte schön eine Patchworkrute? Alles verhält sich vielleicht ein bisschen ähnlich wie bei den Automobilen. Eigentlich bringen sie uns alle ans Ziel und trotzdem fährt jeder ein anderes. Auffällig ist eher das große Angebot an Ruten, die wieder mehr bzw. eine durchgängigere Aktion zeigen. Zurückzuführen ist das sicher auf die kampfstarken Trendfische Karpfen und Barbe und Ruten, die durchgehend sehr steif und bei uns für die Kanalangelei prädestiniert sind, sieht man immer weniger.

Voll belegt und dicht belagert: Der Kopfrutenstand
Voll belegt und dicht belagert: Der Kopfrutenstand

In den letzten Jahren wurden neue Produkte auch immer gerne schnell kopiert, verschiedene Anbieter haben teilweise die gleichen, nur in der Farbe unterschiedlichen Produkte im Sortiment. Das ist mittlerweile normal und auch nicht unüblich, doch es gibt auch noch Anbieter, die Produkte herstellen oder herstellen lassen, die es in der Form nicht an jeder Stange zu kaufen gibt. Michael Schlögl hatte natürlich wieder einige Innovationen dabei und auch der Pole Doc Ralf Rosarius kann nicht nur hervorragend jeglichen Rutentyp reparieren. So baut er neben seinen ultraleichten Kohlefaserpolecups mittlerweile auch Linecutter, die auf die üblichen Polecup Gewinde passen. Sehr stabil, scharf und gut verarbeitet können diese einem den Angelplatz retten, wenn man mal eine Montage direkt auf diesem abgerissen hat und die Pose an der Oberfläche in der Futterspur trudelt.

Der Linecutter vom Pole-Doc
Der Linecutter vom Pole-Doc wird anstelle des Polecups auf das Polecup-Topset aufgeschraubt, um dann abgerissene Montagen auf dem Angeplatz abzuschneiden.

Ja, was wollen die Angler, wer versteht sie, haben wir bereits am Anfang dieses Artikels gefragt. Sie wollen Informationen, sie wollen sich informieren, sie wollen eine Beratung. Viele sind sehr zurückhaltend und unsicher und tauen erst im Gespräch unter vier Augen auf und weitere wollen von den Meisteranglern natürlich den ultimativen Tip nur für sich selbst. Die Veranstalter hatten sich Gedanken gemacht, um gerade diese Jubliäumsmesse noch attraktiver zu machen und die Angelprofis zu einer Fragestunde versammelt. Gut, man hätte diese Stunde vielleicht schon im Vorfeld größer ankündigen müssen, denn Spontanität ist nicht scheint nicht die Stärke vieler Angler zu sein und so lief diese Aktion mangels Fragen doch eher schleppend.

Viele Experten - aber leider nur wenige Fragen
Viele Experten - aber leider nur wenige Fragen

Gerade die Friedfischangler sind Geheimniskrämer und so werden sich die Tipps lieber so anonym wie möglich im kleinen Kreis abgeholt. Eine Reihe umfunktionierter Beichtstühle in denen jeweils ein Topangler sitzt könnte hier die Lösung sein, denn keiner will die Antworten seiner geheimnisvollen Fragen gerne mit anderen teilen.
Ein ähnliches Bild gab es leider beim Stand des Anglerverbandes DAV e.V. Interessante Themen gibt es eigentlich zu genüge (Verbandsfusion, Feederteam, ausbleibende internationale Erfolge, Neustrukturierung der Nationalteams), doch das Interesse ist eher gering, die Möglichkeit zum direkten Dialog bleibt ungenutzt.

Gefragt wird lieber im kleinen Kreis, wie hier mit Europameister Günter Horler
Gefragt wird lieber im kleinen Kreis, wie hier mit Europameister Günter Horler

Ein Stunde vor dem offiziellen Ende der Stippermesse gab es dann zum ersten Mal eine Verlosung hochwertiger Preise. Die große Anzahl an Preisen sorgte aber nicht nur für Freude, denn die Stände waren in der letzten Stunde verwaist und eigentlich konnten die Händler nun abbauen, denn nichts ging mehr. da aber auch schon viele Besucher gegangen waren und ihr Los mitgenommen hatten, zog sich die Verlosung sehr in die Länge. Was gut gemeint war, war am Ende kein Mehrwert und so lernten auch die Veranstalter im zehnten Jahr noch dazu.

Am Ende war es wieder eine sehr gelungene Messe mit zufriedenen Gesichtern auf allen Seiten. Was bleibt ist der Ausblick und wir meinen, es wird zukünftig insbesondere an den dort ausstellenden Firmen mit ihren Händlern liegen, ob die Stippermesse weiter so auf Kurs bleibt, denn wenn zu viele Aussteller nur auf den schnellen Euro setzen, wird der Schuss früher oder später nach hinten losgehen. Eine niedrige Standgebühr und drei nebeneinander stehende Tapaziertische optimieren sicherlich kurzfristig den Gewinn des Händlers, doch die postive Präsentation einer Marke sieht sicher anders aus und dieses Ungleichgewicht zwischen ramschen und präsentieren sollte so schnell wie möglich wieder in Richtung "Schöne Messe" gehen, so wie die Veranstalter es sich von Anfang an gewünscht haben.

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