Sichtungsangeln 2012 + Nominierungen 2013

  • von ct Redaktion
  • 14. Dezember 2012 um 17:27
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Das Rezept, um erfolgreichster Angler beim Sichtungsfischen 2012 am Teltow Kanal zu werden war synchron zur Sichtung am Elbe-Havel-Kanal in Parey im Jahre 2010 wieder denkbar einfach.


Herrlichstes Herbswetter am Teltow Kanal

Ein morgendlicher Spaziergang entlang der Strecke am Dienstag, dazu 5 Montagen und ein Eimer Futter, und ein bisschen einangeln im ersten Durchgang, reichten Ralf Herdlitschke mal wieder, um am Ende mit 10 Punkten und dem höchsten Fanggewicht ganz vorne in der Liste zu stehen. Da störte dann auch das dicke Loch im Setzkescher nicht mehr, dass er nach dem dritten Durchgang entdeckte und zum vierten Angeln gab es dann einen neuen Kescher und nochmal richtig Haue für die Nachbarn. Mit Rollen- oder Barschruten sollten man lieber die anderen angeln und so blieben diese gleich im Auto.


Erfolgreichster Angler beim Sichtungsangeln 2012: Ralf Herdlitschke

Von den vielen eingeladenen Anglern hatten letztendlich 49 Herren zugesagt, so dass 4 Durchgänge in 5 Sektoren á 10 Anglern geangelt wurde. Nur im Endsektor stromab waren es 9 Angler, wobei sich am Ende in jedem Sektor die besten 7 zum neuen Nationalteam zählen konnten, 14 Angler wurden am Ende der Sichtung aus dem Kreis, der Deutschland künftig international vertreten darf verabschiedet. Zu diesen 14 Anglern gehörte auch Gerrit Michelhans, der leider vorzeitig abreisen musste und so nicht alle Durchgänge mitfischen konnte.

Zu den Ergebnissen vom Sichtungsangeln

Am Teltow Kanal, der als endplatzlastig bzw. endplatzbevorteilt bekannt ist, wollte natürlich keiner gerne in die Außensektoren, denn jeweils 10 (9) Angler wurden einem Sektor zugelost und fischten dann die gesamten 4 Durchgänge in diesem Sektor mit den gleichen Anglern. Um es so fair wie möglich zu machen, wurden die Angler, die zuletzt im A Team waren zusammen mit den Anglern, die zuletzt international im Einsatz waren gesetzt, so dass es in jedem Sektor vermeintlich starke Angler und ein Feld von Herausforderern gab. In den Endsektoren die üblichen Gedankenspiele, doch bitte, wenn schon außen, dann zur richtigen Zeit und nicht, wenn die Fische dem Futter in die Mitte gefolgt waren.


Mehrere Top Sets, Speedruten und Matchruten waren in den Mittelsektoren Pflicht

Doch es kam anders und die Endplätze waren in jedem Durchgang bevorteilt, so dass jeder Teilnehmer mit Ambitionen außen den Sack zumachen musste und innen auf Schadensbegrenzung fischte. Im A Sektor sorgte allerdings Marco Beck im ersten Durchgang „nur“ auf der 3 für einen Paukenschlag, in dem er mit 28 kg das höchste Gewicht der Veranstaltung fing. Während außen sowohl in A wie in Edie Rollenruten und die kurze Barschspur kaum eine Rolle spielten, musste in den Mittelsektoren wesentlich variabler geangelt werden. Immer wieder Barsche im Uferbereich sammeln, die Kopfrute auf kleine Rotaugen, Bonusbrassen oder verkürzt auf Ukeleis fischen oder/und auch auf die Matchrute setzen. Günter Horler fing so im ersten Durchgang im B Sektor respektable 6 kg Barsche, was allerdings nicht für einen vorderen Platz reichte.
Thomas Pruchnowski Thomas Pruchnowski gewann seinen Sektor im ersten Durchgang mit 4,2 kg überragend, wobei auch er auf die Matchrute auf ca. 25 Meter Entfernung setzte und die plagenden Kaulbarsche durch große Köder (2 Maden + 2 Caster) vermied.


Thomas Pruchnowski angelte 4 starke Durchgänge und war Sektorenbester

Bei den morgendlichen doch mittlerweile recht frischen Temperaturen am letzten Oktoberwochenende konnte man eigentlich vermuten, dass die Kaulbarsche durch die Trainingsfütterung gesättigt sein sollten, doch es waren zu viele der kleinen Kaulis auf der Strecke und ihr Hunger unersättlich. Wer zu viel Erde, ausschließlich Erde oder wolkende Bestandteile fütterte bekam schnell Probleme.


Kaulbarsche konnten das Angeln zur Qual machen

Am Grund ging dann außer Kaulbarschen kaum noch etwas, doch man musste am Grund angeln, um einen Bonusbrassen mitzunehmen und auch die kleinen Rotaugen bevorzugten einen wenige Zentimeter auf dem Grund angebotenen Köder. Pinkies gingen auf die Rotaugen teilweise noch recht gut, doch insbesondere in der Mitte der Strecke kam man an der Mückenlarve nicht vorbei und es ging um jeden Fisch. Während außen noch knapp zweistellige Gewichte zur Waage gebracht wurden, wurde in der Mitte bereits mit knapp über 2 kg gewonnen. Da galt es jeden Barsch auf der kurzen Spur mitzunehmen, doch auch das wurde mit zunehmender Zeit immer schwieriger. Wie in der Vorwoche beim IAM am Silokanal, kam auch am Teltow Kanal die Sonne noch einmal kräftig durch. Nicht in jedem Durchgang und zu jeder Zeit, doch wenn sie ungebremst auf den Kanal schien, wurde es nochmal schwieriger.


IAM gewonnen und im Nationalteam etabliert - eine erfolgreiche Woche für Ralf Töpper.

Insgesamt war es ein sehr faires Sichtungsangeln, in dem jeder seine Chancen hatte und wenn, dann nur mit sich selbst hadern konnte, denn zumindest im Nationalteam zu bleiben, war in jedem Sektor mit jedem Losschlüssel möglich. Wer es nicht schaffte, wird sich zukünftig einzig über die Anglertreffs (Mannschaft 5 Teilnehmer, Einzel 10 Teilnehmer) empfehlen können, weitere Möglichkeiten gibt es nach einem Beschluss der Referenten der Bundesländer während des Anglertreffs Feeder 2012 zukünftig nicht mehr. 2013 wird es dann zwei Sichtungsfischen á 4 Durchgängen geben, die April und im Oktober stattfinden sollen. Einmal an einem Gewässer im Westen, einmal im Osten Deutschlands.

Ende November folgten dann die Nominierungen für die internationalen Veranstaltungen 2013 und ließen das Sichtungsangeln nachträglich zur Makulatur werden. In der Referentensitzung beim Anglertreff Einzel im September hatte der für die Nominierung allein verantwortliche Bundestrainer Peter König noch den Antrag gestellt, nicht wie bisher im April beschlossen aus den besten 20 Anglern der Sichtung zu nominieren, sondern aus den ersten 35, was von den Referenten der Bundesländer auch beschlossen wurde. Soviel zur neuen Sachlage.


Harald Windel darf sich auf das Länderfischen mit Holland freuen

Berufen wurden am Ende überwiegend die Angler, die dieses Jahr für das sehr gute Abschneiden bei der EM in Spanien und bei der WM in Tschechien verantwortlich waren. Eine sicherlich nachvollziehbare Wahl, doch es stellt sich unweigerlich die Frage, was denn nun gesichtet wurde, warum überhaupt gesichtet wurde. Warum man über 80 Angler einlud, wovon am Ende 49 auf eigene Kosten teilnahmen und darüber hinaus auch zum ersten Mal eine Startgebühr von 100 Euro bezahlen mussten, obwohl die Nominierten augenscheinlich schon vorher feststanden.
Überraschend sicherlich die Nichtnominierung von Marco Beck, der sowohl national als auch international in den letzten 3 Jahren sehr gute Leistungen zeigte und auch Andreas Dalcke, international erfahren, Sektorengewinner bei dieser Sichtung, zweitbester deutscher Angler beim IAM 2012, Sektorengewinner beim Anglertreff 2012 in Niegripp und sicherlich einer unserer besten deutschen Kanalangler, erhielt für keine Veranstaltung eine Einladung, obwohl es bei der WM in Polen an einen sehr schwierigen Kanal geht, wo mit knapp 2 kg Sektoren gewonnen werden.


Angelte ein starkes Jahr: Andreas Dalcke

Das sind sicherlich die größten Überraschungen, doch auch Thomas Pruchnowski, Harald Windel und Uwe Henniger, die nach 4 Durchgängen Sichtung 10 bis 12 Punkte mitbrachten und damit ganz vorne beim Sichtungsangeln abschnitten, dürften sich nach diesen Ergebnissen mehr erhofft haben, als für den Ländervergleich gegen Holland berufen zu werden.
Es ist ja nicht nur Spaß, denn neben der Teilnahmegebühr kostet eine Teilnahme inklusive professioneller Vorbereitung mindestens eine Woche Urlaub und einen vierstelligen Eurobereich und da wäre es vielleicht ein Zeichen der Fairness, den Anglern, denen leistungsunabhängig sowieso keine Nominierungschancen eingeräumt werden, dieses im Vorfeld mitzuteilen.


Zum ersten Mal dabei und gleich weit vorne. Drescher & Drescher (hier Jochen) mit einem starken 2ten und 3ten Platz im Sektor

Nun gibt es nicht wenige Stimmen, die ein Sichtungsangeln und eine Wertung aus diesem ohnehin nicht für zielführend halten und für eine freie Auswahl durch den Trainer plädieren. Sicherlich eine Alternative, die auch im benachbarten Ausland praktiziert wird und zu Erfolgen führte und nach der auch im letzten Jahr nach einem Beschluss in Deutschland verfahren wurde. Soweit, so gut, doch dieser Modus der freien Auswahl durch den Bundestrainer wurde erst im Frühjahr wieder gekippt, um nun wieder nach dem alten Verfahren der Sichtung zu verfahren. Ohne Anspruch auf Nominierung natürlich, aber Urlaub nehmen, Geld einzahlen und dann nach einer vordersten Platzierung mit leeren Händen wieder nach Hause zu fahren, kann auch nicht im Sinne aller Beteiligten sein.
Rückläufige Teilnehmerzahlen bei Veranstaltungen, Zank und Streit in der Vergangenheit bei Anglern, die lieber ohne Pose fischen sind nur einige Signale, die zeigen, dass es Zeit wird für konstruktive, konzeptionelle Lösungen. Die derzeit fehlende Transparenz und der ständige Wechsel der Modalitäten werden den Rückgang der ambitionierten Friedfischangler weiter vorantreiben. Dabei muss es doch das Ziel sein, diese jetzt schon kleine Gruppe ambitionierter Friedfischangler zu vergrößern, anstatt immer wieder mit neuen unausgegorenen Konzepten kurzfristig zu versuchen eine Medaille zu erringen und dabei viel verbrannte Erde zu hinterlassen.

Die Nominierungen:

Ländervergleich Holland-Deutschland (Mai 2013)

Thomas Pruchnowski
Harald Windel
Lothar Ernst
Jochen Drescher
Guido Drescher
Uwe Henninger
Gernot Kügler
Witwer Roland
Rainer Wenzel
Dennis Kuhfuß 

Europameisterschaft Serbien (Juni 2013)

Günter Horler
Lutz Weißig (hat mittlerweile abgesagt)
Heiko Schmidt
Thomas Delfabro
Claus Müller
Florian Gabelsberger

Weltmeisterschaft Polen (September 2013)

Ralf Herdlitschke
Rene Bredereck
Johannes Böhm
Peter Schührer 
Chris Dobmeier
Jan Willi Kupperschmidt

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