DAFV Anglertreff der Vereine am Wurzener Kanal - Teil 1

  • von ct Redaktion
  • 02. Oktober 2013 um 09:08
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Zwei gute Monate ist es her, dass sich die besten Mannschaften aus jedem Bundesland in Wurzen in der Nähe von Leipzig trafen, um am Wurzener Kanal das beste Team Deutschlands zu finden. Im Vorfeld wurde viel gemunkelt inwiefern sich die Bauarbeiten auf die Fischerei auswirken würden. Einige sprachen davon, dass beim Rammen der Spundwände kein Fisch gefangen wird. Gut, dass sie eines besseren belehrt worden sind. Trotz der Hochwasserproblematik und den damit verbundenen Bauarbeiten am Kanal stand am Ende nach zwei anglerisch tollen Durchgängen wie immer eine Mannschaft ganz oben auf dem Podium.

Das „Rammen“ der SpundwändeDas „Rammen“ der Spundwände

Der Wurzener Kanal ist ein sehr kurzer Kanal unter 5km Länge mit einer theoretischen Verbindung zur Mulde. Theoretisch, da es sich lediglich um eine Rohrverbindung handelt. Der Kanal hat ein einbetoniertes Ufer, welches steil abfällt. An vielen Stellen hat die Natur die öde Betonwand aufgesprengt und sorgt für optische Abwechslung. Der Kanal wird von vielen Bäumen und Büschen gesäumt, so dass jeder Platz individuell ist und der Rest des Sektors kaum eingesehen werden kann. Hin und wieder sind einzelne Krautfelder an den Plätzen vorhanden, welche immer einen Vorteil bieten. Strömung ist nur in Form von Oberflächenströmung vorhanden.

Erfolgsversprechende Plätze Erfolgsversprechende Plätze Erfolgsversprechende Plätze
Erfolgsversprechende Plätze

Soweit so gut. Doch was war letztlich die erfolgreiche Taktik und welche Fische mussten gefangen werden, um am Ende oben auf dem Treppchen zu stehen? Champions-Team.de sprach mit den Stipp-Profis in Bezug auf Vorbereitung, Training, Taktik und Verlauf der Durchgänge. Aber nicht nur die Stipp-Profis zeigten erneut ihre Klasse, sondern auch die Jungs um Christoph Barra aus Bremen und das Sensas-Team aus dem Saarland machten das Wochenende spannend. Zum Gewinnen gehört jedoch auch immer das Verlieren und so sprachen wir (CT) auch mit Martin Kinne aus Niedersachsen und fragte nach was alles schief gelaufen ist. Wir beginnen im ersten Teil mit den Teams aus Bremen und dem Saarland.

Champions-Team (CT): Hallo Christoph, erzähle uns doch ein bisschen etwas über die Vorbereitung vor dem Training. Wie habt ihr euch auf die Trainingswoche vorbereitet und was habt ihr gemacht?

Christoph Barra (CB): Hallo! Vor dem Training, bzw. vor der Veranstaltung generell, haben wir natürlich versucht möglichst viele Infos über die Strecke zu sammeln. Eigentlich hatten wir vor, bereits einige Wochen vor der Veranstaltung selbst ein Wochenende in Wurzen zu verbringen. Diesen Plan mussten wir jedoch wegen des starken Hochwassers in der Region verwerfen. So blieb uns nichts, als auf die gesammelten Infos zurück zu greifen und das Material entsprechend vorzubereiten und die Köder zu ordern.

Christoph im ersten Durchgang auf der Suche nach den größeren FischenChristoph im ersten Durchgang auf der Suche nach den größeren Fischen

CT: Und das Training verlief wie? Wann seid ihr angereist?

CB: Der Großteil des Team, genauer fünf unserer sechs Angler, sind bereits am Montag vor der Veranstaltung angereist. Ich war leider bis Freitag noch in der Uni eingespannt und konnte erst gegen Mittag zu den anderen Stoßen. Das Training verlief so, dass alle an dem Gewässer in Betracht kommenden Optionen probiert wurden. Die erfolgreicheren wurden dann weiter verfolgt. Mit Optionen meine ich sowohl Futter-/ Ködermengen und Rythmus wie auch verschiedene Angelentfernungen und Tiefen. Es schien überall etwas zu fangen zu sein und es musste ein Weg gefunden werden, gezielt die etwas größeren Fische aus der Masse der kleinen heraus zu selektieren. Ich wurde dann jeden Abend per Telefon in Kenntnis gesetzt, was es an Neuigkeiten gab. So konnte auch ich mich einigermaßen auf das Angeln einstellen.

Im Training wurde gemeinsam an einer möglichen Taktik gefeiltIm Training wurde gemeinsam an einer möglichen Taktik gefeilt

CT: Was waren eure wichtigsten Erkenntnisse während des Trainings? Wie sollten sich die Durchgänge gestalten?

CB: Wichtig war vorallem, dass die kurzen Bahnen zwischen vier und fünf Teilen deutlich bessere Resultate brachten, als die Kopfrute mit 11m oder 13m. Weiterhin fanden wir heraus, dass wenn auf 11m oder 13m gefischt wurde, im Mittelwasser besser gefangen wurde und besonders die größeren Fische erstaunlicherweise nicht am Grund bissen.

CT: Taktik? Köderaufteilung?

CB: Es sollte ein Platz auf vier Teilen am Absatz der Betonkante und einer auf 11m oder 13m, abhängig vom Bewuchs auf der anderen Seite, gefüttert werden. Dazu sollten die Ukkeleis nicht außer Acht gelassen werden und auf etwa 6m mit entsprechendem Futter eine Wolke erzeugt werden. Damit sollten wir auf alle Eventualitäten reagieren können. Natürlich wurden lange nicht alle Köder verbraucht.

Futter- und Köderaufteilung der Bremer

Unsere Köderaufteilung sah wie folgt aus:

  • 3/4l kleine Mückenlarven
  • 1/4l große Mückenlarven
  • 1/2l Pinkis
  • 1/4l Caster
  • 1/8l Maden
  • 1/8l Wurm

CT: Und welches Futter bzw. welche Erden habt ihr verwendet?

CB: Unsere Futtermischung bestand aus jeweils einem Teil Mosella Prestige Competition Turbo Classic und Prestige Competition Super Canal Plus. Als Erde kam eine leichte Mückenerde von Eco-Fishing zum Einsatz. Futter und Erde wurden getrennt gefüttert, also pures Futter und Erde mit Mückenlarven.

CT: Tag 1: Wie ist der erste Tag bei euch in den einzelnen Sektoren gelaufen? Was wollt ihr besser machen am zweiten Tag?

CB: Die Ergebnisse waren recht verschieden. Ich beginne mal in Sektor A. Dort saß ich auf A15, dem letzten Platz dieses Sektors. Es lief zu keiner Zeit des Durchgangs so richtig rund und es war ein mühseliges Angeln auf viele kleine Fische. Größere Exemplare wie etwa Karauschen konnte ich leider keine fangen. Mit einem 9. Platz war ich nach dem Wiegen absolut nicht zufrieden. Betrachtete man später jedoch die Auswertungen, dann wurde deutlich, dass die vorderen Platzierungen ausnahmslos von den vorderen Plätzen des Sektors kamen. Im Nachhinnein war ein einstelliges Ergebnis aus diesem Bereich dann ok fürs Team. Ähnlich lief es bei Harald Windel im B-Sektor. Er erkämpfte sich auch nur mit kleinen Fischen 5,5 Punkte. Marco von Holten konnte im C-Sektor einige schöne Fische fangen. Darunter war eine Schleie von etwa 1,5kg. Mit einem zweiten Platz natürlich ein Top Ergebnis. Im Sektor D lief es für Patrick Kleene ähnlich wie bei Harald und mir. Leider keine Bonusfische. Platz 7 war hier das Ergebnis. Thomas Vielmeyer konnte im E-Sektor einen Klasse dritten Platz erangeln und fing einige bessere Fische.

Es lief insgesamt also eher durchwachsen, jedoch ohne komplette Ausreißer. Platz 4 war die Folge in der Wertung nach Tag 1 für unser Team.

CT: Tag 2: Wart ihr zufrieden mit dem zweiten Tag? Letztlich habt ihr nicht wirklich optimal gelost, oder?

CB: Nach den Erkenntnissen des ersten Durchgangs waren wir nach dem Losen nicht ganz zufrieden. Harald Windel saß im A-Sektor auf Platz 12, also wieder weit von dem Bereich entfernt, in dem die forderen Platzierungen des Vortages zustande kamen. Am Ende kamen 10 Punkte heraus. Aber das gehört beim Angeln nun einmal dazu. Die anderen Plätze waren alle ok und auch die restlichen vier Platzierungen waren mit einer 1, einer 6, einer 4 und einer 2 absolut zufriedenstellend.

CT: Welches waren nach dem Durchgang die wichtigsten Aspekte zum Fischen am Wurzener Kanal?

CB: Wichtig war es, sehr flexibel zu sein. Vermutlich war es nicht immer und überall möglich, größere Fische an den Haken zu bekommen. Die Schwierigkeit bestand darin, zwar zu versuchen die Größeren zu fangen, jedoch nicht zu viel Zeit zu verlieren, in der man hätte auch einige kleine Fische fangen können. Die Versuche einen Bonusfisch zu fangen, wurden das eine oder andere Mal belohnt. Wenn dies nicht der Fall war, konnten wir dennoch ausreichend kleine Fische für ein passables Ergebnis zwischen 4 und 7 erreichen (ausgenommen Sektor A).

CT: Wie habt ihr grundsätzlich versucht die besseren Fische zu selektieren? Was war deiner Meinung nach wichtig für die uns so unbekannte Karauschenangelei?

CB: Auf der 13m Bahn haben wir versucht mit recht vielen Ködern einen Platz anzulegen, der speziell die größeren Fische anspricht. Dies brachte auch vereinzelt einen der wenigen Brassen an dien Haken. Da die Angelei auf die kleinen Fische dort ohnehin zu viel Zeit gekostet hätte, gingen wir damit kein wirkliches Risiko ein. Die Karauschen waren sehr sehr dicht am Rand zu fangen. Bei mir klappte dies am zweiten Tag, indem ich etwa 20cm vom Ufer an einer kleinen Pflanze im Wasser regelmäßig lose Pinkis geworfen habe und sehr klein geschnittene Würme gecuppt habe. Um die Fische an den Platz zu locken, wenn die Bisse ausblieben, konnten pure kleine Mücken oft helfen. Jedoch mussten alle Köder sehr vorsichtig dosiert werden. Lieber einmal mehr füttern, als einmal zu viel zur falschen Zeit. Diesen Fehler habe ich leider begangen und es folgten dann nur noch sehr vereinzelte Bisse.

Die Bremer MannschaftDie Bremer Mannschaft

CT: Vielen Dank für deine Zeit Christoph! Wir von Champions-Team drücken dir für deine weitere anglerische und berufliche Laufbahn alles Gute und freuen uns dich wieder am Wasser zu treffen.

CB: Sehr gerne und vielen Dank. Wir werden uns ganz sicher noch einige Male am Wasser über den Weg laufen.


2. Team Saarland

Vorbereitung Training
Wir kennen den Wurzener Kanal von diversen Veranstaltungen, die allerdings immer im Herbst stattfinden, doch durch die Bauarbeiten, die Hitze und den Besatz mit Giebeln wurden die Karten neu gemischt. Grundsätzlich hatten wir uns auf das Sammeln kleiner Fische eingestellt und wussten, dass es einige markante Plätze gibt auf denen immer große Fische gefangen werden.

Und das Training verlief wie? Wann seid ihr angereist?
Das gesamte Team reiste bereits am Montag an. Standesgemäß wohnten wir neben dem Schloss Tammenhain mitten im wunderschönen Schlosspark. Ich denke wir hatten dort ideale Bedingungen uns vorzubereiten. Mit dem Training begann das Team am Dienstag und saß ungefähr am Anfang des späteren B-Sektors.

Unser Jörg Gaa, liebevoll „Gakkssen“ genannt, saß auf einem Platz, an dem ein Baum sehr weit in den Kanal reichte. Hier konnte er nicht die 13m-Bahn befischen. Als bekanntermaßen reiner Instinktfischer steckte er auf ein dreiteiliges Kit noch drei Teile und fischte dort im Mittelwasser. Wenig Futter und ständig geworfene Pinkies zeigte ihren Erfolg. Jörg konnte konstant kleine und mittlere Fische fangen und er hatte auch den einen oder anderen Bonusfisch dabei. Diese Methode wurde im Laufe der Woche immer mehr verfeinert.

Team SaarlandTeam Saarland

Wie zuvor abgesprochen fischten 2 Teammitglieder auf der 13m-Bahn und fingen dort größere Fische.

Immer gut wenn man ein Teammitglied wie unseren Ralf Eberle in seinen Reihen hat, der die Brassenanglerei sehr gut beherrscht. Keiner außer Ralf konnte an den ersten beiden Trainingstagen Brassen in größerer Stückzahl fangen. Ralf stellte uns dann die Woche über ein.

Im Training wurde natürlich viel probiert, so stellten wir fest, dass ein zu aktives Futter schlecht für die 13m Bahn ist, das Werfen von Pinkies auf die kurze Bahn stellte sich als überaus produktiv heraus und  dadurch konnten die größeren Weißfische selektiert werden. Es musste nur der richtige Rhythmus gefunden werden.

Als Highlight des Trainings und zur Überraschung der Betreuer, entschied das Team am Freitag nicht mehr zu fischen, unser Gerät optimal vorzubereiten und den anderen Mitbewerbern ein wenig über die Schulter zu schauen. Wir waren an den Tag die NSA, Außenstelle - Saarland.

Wettbewerb
Im Wettbewerb stellte sich jedoch heraus, dass das „Pinkiewerfen“ nicht in jedem Sektor funktionierte. Dort wo es funktionierte, brachte es eine einstellige Platzziffer.

In den Sektoren, wo unsere Methode nicht funktionierte, musste sehr flexibel reagiert werden. Mehrmals die Bahn wechseln und nur auf den Bonusfisch angeln, wenn man „Blasen“ auf dem Platz hatte.

Da wir zwar sehr von unserem Plan überzeugt waren, aber nicht wussten ob er auch aufgeht, waren die angelnden Teammitglieder sehr auf Informationen von den Betreuern angewiesen.

1. Tag
Die 13m Bahn wurde mit 4 Kugeln Futter mit toten Pinkies und 2 Kugeln Erde mit wenig Mückenlarven befüttert.

Die kurze Bahn (3+3 Teile) wurde mit 2 Kugeln Futter und einer Kugel Erde mit Mückenlarven befüttert. Auf der kurzen Bahn war es dann sehr wichtig permanent eine kleine Anzahl an Pinkies zu werfen. Mit dieser Taktik konnte Jörg Gaa an beiden Tagen souverän seinen Sektor für sich entscheiden und damit die inoffizielle Einzelwertung gewinnen.

Im D Sektor konnten wir an beiden Tagen keine große Anzahl an kleinen Fischen fangen. Dort konnten Stefan am ersten Tag (Sektorplatzierung 3) und Ralf (Sektorplatzierung 2) am 2. Tag  auf der 13m-Bahn am anderen Ufer an den überhängenden Bäumen aber mehrere größere Brassen und Giebel fangen.

Das Ergebnis des ersten Tages war schon eine Überraschung für uns, aber ein Ergebnis sehr konsequenter, variabler Mannschaftsarbeit mit vielen Informationen.

2. Tag
Mit dem Los für den 2. Tag waren wir absolut nicht zufrieden.

Im A Sektor musste sehr dicht am Ufer geangelt werden und dieser Sektor war genau wie der B und E-Sektor sehr Platzabhängig. Hatte der Jörg am ersten Tag einen sehr guten Platz ergattert, so quälte sich am 2. Tag unser Markus Thönes am schlechten Ende des Sektors. Er hatte zwar sehr viele kleine Fische gefangen, das Gewicht stimmte aber nicht und er fuhr eine hohe Hausnummer für die Mannschaftswertung ein.

Ganz schlimm traf es uns am 2. Tag in A und B, dort saßen Manfred Hohloch ganz hoch im B Sektor (B2) und Stefan Wahl weit unten im A- Sektor (A15), mal 4 Plätze weit voneinander entfernt. Genau in dem Abschnitt, von dem von vorn herein bekannt war, dass hier nur eine Schadenbegrenzung möglich war.

Unsere Taktik mit den Pinkies sollte am 2. Tag auch schlechter funktionieren. Wahrscheinlich fütterten wir zu weinige Mückenlarven in der Startfütterung.

Da das Ergebnis des Vortages schon sehr knapp ausfiel, war klar, um den Vorsprung vom ersten Tag zu halten, musste ein kleines Wunder her.

Köder und Futter:

  • 1/2L kleine Mückenlarven
  • 1L Pinkie
  • 1/4L Maden
  • 1/4L Caster
  • 1/8L Wurm

Unsere Futtermischung bestand nur aus einem Teil SENSAS Super Black Canal und einem Teil SENSAS Super Black Gardon. Als Erde wurde eine selbst gesuchte, mittelschwere Erde benutzt.

Resultat
Hätte uns im Vorhinein ein Platz auf dem Treppchen angeboten, wir hätten sofort angenommen. Im Nachhinein ist es sehr schade, wenn die Mannschaft nach dem ersten Durchgang auf Platz 1 steht und dann auch durch ein wenig Lospech auf den 3. Platz „abrutscht“. Im Großen und Ganzen sind wir aber sehr zufrieden mit dem Endergebnis. Besonders stolz sind wir auf unsere gelungene Teamarbeit, jeder hat sich dem Team verpflichtet und eingebracht. Wir haben eine sehr schöne Woche in Wurzen verbracht und einen sehr fairen Wettbewerb erlebt.

Uns bleibt nur noch den Organisatoren rum um Steffen Quinger für den reibungslosen Ablauf zu danken. Steffen wir wissen, für das Essen warst Du nicht verantwortlich. Da war, freundlich formuliert, noch viel Luft nach oben.

Wir wünschen dem Team der Stipp Profis alles Gute und viel Erfolg für die kommende Club-WM.


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