Bericht zur 12. Weltmeisterschaft der Frauen vom 20– 21.8.2005 in Kroatien

  • von Henric Plass
  • 25. August 2005 um 21:58
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Frauen und Angeln?

Geben wir es doch offen zu, das geht für viele Angler schwer zusammen und oft werden Frauen mit der Kopf- oder Matchrute in der Hand belächelt!!
Dass das ein falsches Vorurteil ist, bewies einmal wieder die 12. Weltmeisterschaft der Frauen vom 20.–21.08.2005 in Kroatien. Was man dort 2 Tage als Zuschauer geboten bekam, war neben "weiblichen Reizen" anglerisches Können und Technik vom Feinsten!!!

das spanische Team

Das fischen mit der Match- und Kopfrute auf große Fische (bis 6 Kilo schwere ausdauernd kämpfende Amurkarpfen!) wurde von vielen Damen in Perfektion gezeigt und zeigte der Öffentlichkeit, dass sich die Damen inzwischen auch diese männliche Domäne erobert haben.

die Strecke in Madunice

Ähnlich der WM-Szene der Männer, dominieren Nationen wie England, Italien und Frankreich auch bei den Frauen ganz klar und machen den Sieg in der Regel unter sich aus. In den letzten Jahren haben sich aber auch einige Länder, wie Ungarn oder Tschechien stark weiterentwickelt und versuchen im Spitzen-Feld mitzumischen. Das Erfolgsgeheimnis dieser Länder scheint neben einer kontinuierlichen Talentförderung, dem finanziellen Rückhalt durch ein starkes Sponsoring, auch ein straffes Trainingsprogramm im Vorfeld der WM zu sein.

 

Die deutschen Damen gehören zwar nicht zu den Mannschaften die gewohnt sind, die Farben ihres Landes am Fahnenmast hängen zu sehen, aber sie sind immer für eine Gesamtplatzierung im ersten Drittel gut.

Quizfrage für alle WM-Interessierten: Haben deutsche Starter in den letzten Jahren zu Weltmeisterschaften im Einzel vordere Plätze belegt?

Richtig!! Astrid Bloch wurde 1993 Einzelweltmeisterin und Bärbel Mahrän 2003 Vizeweltmeisterin!!!

Wusstet ihr das?


Aber zurück zur diesjährigen WM.

Die WM der Damen fand an einer hervorragend präparierten Strecke eines großen Naherholungszentrums im Herzen von Zagreb statt.


 Streckenübersicht die Strecke in Natur

Das ursprünglich für Ruder- und Kanuwettkämpfe hergerichtete Gelände ist sehr gleichmäßig, gut erschlossen und bietet einen guten Fischbestand an Plötzen, Sonnenbarschen, Zwergwelse, Brassen und starken Amurkarpfen.

Im Vorfeld wurden die starken Seerosenbestände ausgedünnt, aber wie so oft, gab es doch leider am Ende einige Plätze mit Handicap!

Sehr klares Wasser und Tiefen um die 4 m waren die Gegebenheiten auf das sich das deutsche Team um Teamchef Volker Schulze, Trainer Ralf Herdlitschke und die Starterinnen Diana Ellmer, Bärbel Mahrän, Astrid Bloch, Astrid Schulze, Steffi Bloch und Christiane Schmidt einstellen mussten.


das deutsche Team

Bereits eine Woche vorher machte das deutsche Team in Zagreb Quartier und versuchte im Training die beste Taktik herauszufinden um im 1. Drittel der startenden Nationen mitmischen zu können.

Es lief im Training wie erwartet, der normale Fisch, in dem Fall Katzenwelse und Plötzen zwischen 25 und 150 Gramm, waren regelmäßig zu fangen, das zu lösende Problem war der Umgang mit den Bonusfischen. Diese stellten sich in Form von Amurkarpfen zwischen 2 – 6 Kilo ein und verlangten im Drill unseren Frauen alles ab. Diese an dem Platz zu bekommen und sicher zu landen war das A und O im Wettkampf!!

Als Futtermischung kam ein Gemisch von "Gros Gardon" und "Carp fine" verstärkt mit gelbem Farbstoff (alles Sensas) zum Einsatz. dazu als Lebendköder 1 l Caster und 1 l Zuckmückenlarven (große und kleine Mücken 50/50).

An dieser Stelle möchte sich das deutsche Team ausdrücklich für die Unterstützung durch die Firmen Sensas und Fischerkönig bedanken!!! Dieses Sponsoring hat letztendlich erheblich mit zum Erfolg der deutschen Mannschaft beigetragen und war ein Schlüssel zum positiven Abschneiden des Teams!!

1.Tag:

WM-Neuling Christiane Schmidt pausierte und schnuppert erstmal hinter den Linien WM-Luft.

Die Taktik für die deutschen Starterinnen war klar: ca. ¾ des Futters wird zu Beginn kompakt eingebracht, um in den nachfolgenden Minuten nur noch regelmäßig, aber diskret mit dem Pole-Cup Zuckmücken und Caster nachzulegen, auf die Matchrute wurden ca. 20 Bälle zur Sicherheit gesetzt.



Diese Futtertaktik war letztendlich fast allen Teams eigen, nur die Engländerinnen und teilweise die Französinnen fütterten zu Beginn direkt zu ihren Füssen einige Ballen Futter und versuchten so das "Anfangsloch nach dem schweren "Bombardement" durch Sonnenbarsche und Kleinfisch zu komprimieren, was teilweise auch gelang.

Der "Rest" der Starter fuhr seine 11,5 m Rute aus und sah den Dingen entgegen die kamen.


  

In allen Sektoren wurden nach einer kleinen Anfangspause regelmäßig kleinere und mittlere Fische gefangen, nach ca. 1 h schnellten dann wie erwartet die ersten Hohlgummis nach draußen und zeigten gehakte Großfische an.

Drills bis zu 30 min waren keine Seltenheit!! Oft blieben aber, auch nach solchen langen Drills, die kampfstarken Amurkarpfen Sieger, Ruten brachen oder das gewählte Gerät erwies sich als zu schwach.

Steffi Bloch im Sektor E drillte z.B. sehr gefühlvoll und unter starker Anteilnahme zahlreicher Zuschauer einen riesigen Amurkarpfen, der sich nach 35 Minuten mit einen leisen "plopp" verabschiedete und eine ziemlich frustrierte Steffi zurückließ.

 Steffi Bloch beim 35 Minuten Drill und sie drillt immer noch

Nicht besser ging es vielen anderen Starterinnen, die Krönung aber war eine tschechische Starterin bei der sich nach 50 min Drill!!! gleichfalls ein großer Amur ca. 10 cm vor dem Kescher verabschiedete.

Leider konnten unsere Frauen ihre großen Fische nicht landen und gingen damit nach dem ersten Tag mit Platz 8 über die Ziellinie.
Durch Diana Ellmer im Sektor A mit PZ 12, Astrid Bloch im Sektor B mit PZ 11, in C mit Bärbel Mahrän PZ 10, Astrid Schulze in D mit einer hervorragenden PZ 4!! und letztendlich Steffi Bloch mit einer PZ 8 resultierte eine Gesamtplatzziffer 45.

Nach dem ersten Tag war allen klar, hier war deutlich mehr drin!!!

Am zweiten Tag veränderte Aufstellung, veränderte Taktik. Auf die Matchrute wurde weniger gefüttert, die Erfahrungen nach Tag 1 zeigten eindeutig, dass die großen Fische, die für vordere Plätze benötigt wurden, fast ausnahmslos auf die Kopfrute kommen .



Für Bärbel Mahrän stieg WM-Neuling Christiane Schmidt ins Boot, der Lebend-Köder-Anteil enthielt jetzt keine "kleinen" Mücken mehr, pro Starter sollten jetzt 1 l "große" Mücken" über den Pole-Cup eingebracht werden.

Volles Risiko auf große Fische hieß die Devise!!!

Hohlgummi zwischen 1,8 und 2,5 mm und durchgehend "13" Schnur an starkdrahtigen 16-zehner Karpfenhaken sollten diesmal den Amurkarpfen ihre Grenzen setzen. Als Köder kamen in der entscheidenden Phase bis zu 10 Mücken auf den Haken!! Das diese Festlegung von den beiden Team-Köpfen Volker Schulze und Ralf Herdlitschke richtig war, bewies ein fantastischer 4. Platz an diesen Tag und letztendlich der 6. Platz in der Gesamtwertung.

Im Block A saß Vortags-Pechvogel Steffi Bloch neben der Engländerin Wendy Locker. Beide kennen und schätzen sich seit Jahren und dementsprechend waren der Spaß und der "Lärm" groß vor Ort. Wenn wir Männer etwas von den Frauen lernen sollten, dann ist es der Spaß und der familiäre Zusammenhalt bei solchen Veranstaltungen.

Aber zurück zum Block A.

Beiden fehlte der große Fisch, aber der regelmäßige Fang "normaler" Fische zeigte auch ein gutes Endergebnis. Nach 3 Stunden Zweikampf trennten sich beide "Rivalen" mit einer PZ 3 für Wendy und einer PZ 4 für Steffi.

Klasse!!!

WM-Neuling Christina im Block B ließ sich nicht schocken und legte mit einer ordentlichen PZ 8 ein gutes Ergebnis hin und empfahl sich so für kommende internationale Veranstaltungen!

Astrid Schulze, die dem Team mit ihrer "Vortags"-PZ 4“ sehr geholfen hatte, war diesmal der Pechvogel des Teams und verabschiedete "Ihre" beiden gehakten Amurkarpfen nach kurzem erfolglosen Drill mit den "besten" Wünschen für die Zukunft in einer kroatischen Bratpfanne. Platzziffer 12 am Ende.

Weltmeisterin Astrid Bloch im Block D zeigte zwei großen Amurkarpfen, dass sie gegen 2,5 mm Hohlgummi und reichlich weibliche Angelerfahrung keine Chance haben. Auch bei einem Exemplar von ca. 9 Pfund!! drillte sie routiniert und souverän den gehakten Fisch, sicherte sich so den inoffiziellen Gesamttagessieg und legte einen wichtigen Grundstein für das gute Abschneiden der deutschen Mannschaft in der Gesamtabrechnung.

Diana Ellmer, die jüngste im Team, machte es spannend und hakte "ihren" Bonus-Amur erst ca. 30 min vor Schluss des Wettkampfes im Block E. 28 Minuten später und 2 Minuten!! vor Schluss und unter Freudentränen ihrer anwesenden Mutter "löffelte" sie den Graser ein und sicherte sich die Platzziffer 4 im Sektor.


  

Verdient und souverän gewannen erwartungsgemäß das englische Team um den Trainer Tom Pickering mit PZ 37 vor Italien mit der PZ 44 und Ungarn mit PZ 49.


Platz 2 ging an Italien  Bronze ging an Ungarn


die Siegerinnen aus England


die Siegerin aus Ungarn


Für das deutsche Team ist der erreichte 6. Platz ein großer Erfolg, hier noch einmal im Auftrag des Teams Dank an alle, die Ihnen im Vorfeld geholfen haben, ob das der Fischereibetrieb Stähler in Wermsdorf war, in dessen Teichen unsere Frauen zum ersten Mal die Karpfen an der Kopfrute "ärgern" konnten, der Köderlieferant "Fischerkönig" aus Neustadt, oder die Firma Sensas die mit ihren großzügigen Futterkontingent das Team unterstützte.

Zum Schluss bleibt ein lachendes und ein weinendes Auge, das weinende Auge bedingt durch Bärbel Mahrän, Vizeweltmeisterin von 2003, sie verabschiedete sich offiziell aus dem Team.

Danke Bärbel für Deine Leistungen und Dein Engagement für das Team!! Wir hoffen Du stehst weiterhin mit Deiner Erfahrung und Ratschlägen zur Verfügung.


Das lachende Auge für Diana Ellmer und Christina Schmidt, die Neulinge im Team.

Hier ist Potential vorhanden, auf das man in Zukunft hoffen kann, um mal wieder wie 2003 in Slowenien, einmal die deutsche Fahne am Mast zur Siegerehrung zu sehen.
Nicht unerwähnt bleiben sollte das Autohaus in Glindenberg, dass es dem
deutschen Team ermöglichte, das gesamte Material im Servicewagen der
Firma zu transportieren. Bedanken möchten wir uns auch bei den Firmen: "Die Dresdner", Fischerkönig und Sensas für Futter und Köder.


Dafür hier noch einmal Vielen Dank!!

Steffen Quinger

Werbepartner