WM 2009 in Almere -Teil 2

  • von ct Redaktion
  • 13. September 2009 um 12:24
  • 0
Freitag, der letzte Trainingstag und der Tag des offiziellen Trainings an dem alle Nationen teilnehmen müssen, damit jeder Platz befüttert wird. Dem deutschen Team wurde der Sektor B7 zugelost, in den Nachbarboxen saßen die Teams aus Schweden und Litauen, sicherlich keine idealen Bedienungen um zu sehen wo man stehen würde.


Guido Nullens saß mit seinen starken Belgiern leider in einem anderem Sektor

Die Favoriten Belgien, England und die Niederlande saßen in den Sektoren D und E, also keine Chance für das deutsche Team sich mit diesen Teams zu messen und eine Stadtortbestimmung durchzuführen. Gerade nach dem verlorenen Trainingstag am Donnerstag wäre dies sehr hilfreich gewesen, doch die Betreuer waren natürlich unterwegs.


Das Team Austria, hier mit Peter Kasparek, kurz vor der Startfütterung

Zwei erfolgsversprechende Taktiken wurden noch einmal geangelt und verfeinert. Eine Möglichkeit war 8 Meter mit 3 + 3 Rutenteilen und dazu 11 Meter mit 2 Teilen mehr und zusätzlich 13 Meter zu angeln. Also drei Spuren, wobei auf die kurze Spur das Futter aus der Hand geworfen wurde und die anderen beiden Spuren gecuppt wurden. Die kurze Spur war in den ersten 30 bis 45 Minuten effektiv, danach wurde die 11 Meter Spur besser und die 13 Meter Spur war nur für den Bonusfisch. Hier wurden nur geklebte Köder (Caster, Würmer, große Mückenlarven) gecuppt und der Platz für mindesten 1 Stunde nicht beangelt. Auf den kürzeren Spuren wurde ein Futter/Erde Mix mit kleinen Mückenlarven, Castern und Pinkies gefüttert, wobei der Köderanteil variiert wurde.


Das deutsche Team in der Trainingsbox

Die zweite Variante war die Angelei auf 9,5 Meter und 13 Metern, also der Zusammenschluss der 8 und 11 Meter Bahn. Die Fische wurden dadurch mehr konzentriert und ggf. war diese Variante besser, da die Fänge immer weniger wurden und man die Fische nicht auf 3 Bahnen streute. Auf die 9,5 Meter Bahn wurde dabei geworfen und ins Zentrum gecuppt, das schiessen von Pinkies und Castern war zudem eine Option, die teilweise gut funktionierte. Die 8 m, 9,5m und die 11m Bahn sollten also zur Kleinfischangelei dienen, auf der 13m Bahn sollte der notwendige Bonusfisch gefangen werden.


Mückenlarven, Würmer und Caster waren bei allen Teams am Start

Als Lehre aus dem gestrigen Tag und als ein Tribut für den immer noch kräftigen Wind wurden Antennen mit etwas dickeren Antenne und Stahlkiel aufgebaut. Diese Posen standen bei optimaler Ausbleiung sehr ruhig im Wasser, ein absolutes Muss für die großen Brassen.


Dickere Antennen um dem starken Wind zu trotzen

Die Taktik sah überwiegend so aus, dass man in den ersten 60 Minuten die kurzen Bahnen befischte, um die relativ sicheren Kleinfische einzusammeln. In diesen ersten 60 Minuten sollte sich der 13m Platz aufbauen und dann, ab ca eineinviertel Stunden sollte dieser den wichtigen Bonusfisch bringen. Dabei war es wichtig, den Platz sofort wieder zu verlassen, wenn sich Kleinfische am Köder zu schaffen machten, denn wenn diese gehakt wurden brachten sie im max. 2,5 Meter tiefen Wasser zu viel Unruhe auf den Platz. Soweit zur Taktik......


Große Mücken als Hakenköder, Pinkies zum Schiessen und vorgeschnittene Würmer

Der Durchgang begann und die Teams konnten schnell die ersten Fische auf der kurzen Spur fangen Kleine Rotaugen, Barsche und Skimmer konnten eingenetzt werden. Es wurde dann allerdings sehr schnell – zu schnell – sehr dünn auf der kurzen Bahn und man musste sich die Fische immer mehr erarbeiten. Eine zu unruhige Köderpräsentation brachte zwar schnellere Bisse, doch das waren meist Barsche und Rotaugen in der 10 Gramm Klasse. Eine ruhigere Köderpräsentation war auch im kurzen Bereich Pflicht und stellte manchen Teilnehmer auf die Geduldsprobe. Waren die Fische durch das permanente Training gesättigt oder war der Temperatureinbruch über Nacht Schuld?

 


Jacopo Falsini und das italienische Team kamen während der kompletten Woche nicht wirklich gut klar. Man probierte mit dem Schiessen von Pinkis die Fische zu aktivieren, was teilweise auch gelang. 

Nicht nur das deutschen Team hatte mit dem verschlechterten Beißverhältnissen zu kämpfen, auf der ganzen Strecke zeigte sich das gleiche Bild. Nach 2 Stunden hatten viele Teams noch keinen der Bonusbrassen eingenetzt, selbst die starken Holländer hatten im Team erst einen der großen Brassen gefangen. Die Belgier hatten ebenfalls einen Brassen, die Deutschten hatten als einziges Team im B Sektor 2 Brassen (Harald Windel und Ralf Herdlitschke) und die Engländer? Die Engländer konnten in der letzten Stunden, in der sonst kaum ein Team überhaupt noch einen Fisch fangen konnte noch einige große Brassen fangen – dies löste wieder einmal Erstaunen und Bewunderung auf der Strecke aus, wobei man sagen muss, dass sie im Endsektor zur Brücke saßen und nur die drei Angler, die am nächsten zur Brücke saßen ihre Brassen fingen.

    
England startet seine Brassenshow

Das letzte Trainingsergebnis des deutschen Teams war durchwachsen. 600 Gramm bis 3 kg zeigte die Waage am Ende, doch nicht das Fanggewicht war entscheidend, sondern die im letzten Durchgang erzielten Erkenntnisse waren wichtig, denn es hatte sich gezeigt, dass die Variante mit den 3 Spuren die effektivere war.


Marco Beck kam im deutschen Team in der Trainingswoche am besten zurecht.

Der letzte Tag des Trainings war also gefischt und wir hatten die Möglichkeiten den 5-mailigen Weltmeister Alan Scothhorne vor den entscheidenen Durchgängen zu befragen. Einer der Größen des internationalen Angelsport stande unserem Redakteur Jayson Greatorex Rede und Antwort.


Der 5-malige Weltmeister Alan Scotthorne im Interview

CT Redaktion: Alan, zuerst einmal Danke, dass du dir einige Minuten Zeit nimmst mit uns zu sprechen. Könntest du uns verraten, ob eine Weltmeisterschaft für dich nach 5 errungenen Titeln zur Routinearbeit wird oder packt auch dich noch die Nervösität vor so einem Ereignis.


Alan Scotthorne: Nein, natürlich bin auch ich immer nervös. Ich würde sogar sagen, wenn man nicht nervös ist, dann ist man auch nicht interessiert in den Wettbewerb und sollte eigentlich nicht teilnehmen.


Geduldig stand Alan Rede und Antwort

CT Redaktion: Glück beim Losen, anglerische Fähigkeiten, Taktik und die Informationen, die man vor dem Durchgang sammelt sind Hauptfaktoren für den Erfolg. Welche dieser Faktoren spielen an diesem Wochenende die Vorreiterrolle?

Alan Scotthorne: Ich denke dadurch, dass alle Sektoren in 13 Mann Sektionen unterteilt werden, wird es ein bißchen schwieriger. Beide Endbereiche der Strecke werden sehr gut sein und es sollten in diesen Bereichen etwas größere Fische und mehr Rotaugen gefangen werden, weswegen das Glück beim Losen und der gezogene Platz wir sicherlich eine gewisse Rolle spielen. Aber dadurch, dass man nicht zweimal auf einem Endplatz sitzen kann, wird sich dieser Vorteil egalisieren. Natürlich spielen die Information eine sehr große Rolle, aber ich denke, dass auf dem internationalem Niveau die meisten Teams ihre Hausaufgaben gut gemacht haben werden und die Trainingswoche ist dann eben unersetzlich, um das wichtigste für das Wochenende zu erarbeiten, nämlich Taktik und Futterstrategie.



Zwei Engländer unter sich, da gibt es immer viel zu reden

CT Redaktion: Was sagst du dazu, dass die Sektoren in drei Teilbereiche unterteilt werden?

Alan Scotthorne: Ich denke es ist nicht richtig, denn man sollte gegen jede Nation angeln müssen und nicht gegen ein Drittel dieser. Ich hoffe sie werden diese Regelung wieder ändern in der nahen Zukunft!

CT Redaktion: Alan, du hast häufiger in Deutschland gefischt, ich glaube zweimal pro Jahr, in den letzten Jahren. Wie sind deine Eindrücke von den deutschen Gewässern?

Alan Scotthorne: Ich liebe es am Silokanal zu angeln! Es gibt dort viele Fische und auch das Angeln selbst ist sehr interessant. Ich glaube nur das Gesetz verhindert, dass in Deutschland mehr internationale Fischen stattfinden. Wenn man bessere Möglichkeiten hätte überall Setzkescher einzusetzen, glaube ich, dass es viele interessante Angeln geben würde, welche auch viele europäische Angler nach Deutschland und seine grandiosen Gewässer locken würde.

CT Redaktion: Hast du Kontakt mit deutschen Anglern und werden wir dich häufiger in Deutschland sehen?

Alan Scotthorne: Ja natürlich, ich spreche hin und wieder mit Clau Müller und werde auch in diesem Jahr am Shimano Cup am Silokanal teilnehmen im Oktober. Eventuell sehe ich auch die Möglichkeit, dass wir auch für das IAM eine Woche später in Deutschland bleiben(dabei nickt er seiner Frau neben sich zu!)

CT Redaktion: Ah Sandra, komm runter zu uns! Wird sich deine internationale Karierre nach Sandras Rücktritt aus dem internationalem Geschäft irgendwie verändern?


Sandra und Alan Scotthorne

Alan Scotthorne(lachend): ÄHM, nein, nur dass ich jetzt mehr Unterstützung durch sie haben werden...
Sandra Scotthorne: Und genau diese hast du bitter nötig, Darling!

Zur Bildergalerie vom Freitag

Werbepartner