Weltanglerspiele Italien 2011 – Weltmeisterschaft im Feederangeln

  • von Achim Tomasits
  • 26. September 2011 um 10:28
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Die Weltmeisterschaft der Feederangler am Tevere in Umbrien liegt erst kurze Zeit zurück und heiße Diskussionsrunden befassen sich mit dem enttäuschenden Abschneiden unserer Mannschaft. Ich möchte hier nicht in irgendein Sprachrohr hinein blasen, viel mehr möchte ich einen kleinen Einblick, vielleicht auch subjektiv, zur Angelei am Tevere geben.

Der 50-70m breite Tevere ist ein naturbelassener Fluss mit einer durchschnittlichen Wassertiefe von 2-3m, interessant sind die Flachwasserzonen im Schatten von Bäumen bzw. Sträuchern auf der gegenüberliegenden Gewässerseite oder auch im Wasser versunkene Bäume, welche gerade den Karauschen als Unterschlupf dienen. Schwierig gestaltet sich die Karpfenangelei, gerade durch die erwähnten  Baumleichen, welche nicht immer leicht zu erkennen sind. Nach dem Anbiss wissen diese Fische ganz genau welchen Weg sie einschlagen müssen und stellen Angler und Gerät auf eine harte Probe.

Das deutsche Team reiste, bis auf die beiden Trainer Michael Zammataro und Michael Schlögel, den beiden Betreuern Manfred Beck und Kurt Kricke, am Samstag an. Die Strecke war erst ab Montag für das offizielle Training frei gegeben und so angelten MS und MZ unterhalb der eigentlichen Wettkampfstrecke bereits ab Mittwoch, um sich mit den Gegebenheiten vertraut zu machen. Die Ausbeute bestand in erster Linie aus Karauschen, hier und da ein kleiner Karpfen und auch Welse waren zu fangen. Kleinfische fanden sich zwar zu genüge am Angelplatz ein, diese kleinen Plagegeister jedoch gezielt zu beangeln, machte keinen Sinn.

Trainingssession am Tevere
Trainingssession am Tevere


So wurde für den 1. offiziellen Trainingstag überraschender Weise keine spezielle Taktik für die Einzelangler festgelegt, nur die Menge der verwendeten Ködern wurde abgestimmt. Die zugewiesene Box zählte nicht zu den besten Gewässerabschnitten und so war die Ausbeute dieses ersten Trainingstages doch ein wenig ernüchternd. Dieses Training brachte keine nennenswerten Erkenntnisse, auch wenn sich das gesamte Team nach dem Angeln zusammen setzte und versuchte, eventuelle Vorteile auszumachen.

Klaus Fölsner mit einem Trainingskarpfen
Klaus Fölsner mit einem Trainingskarpfen


Für den 2. Trainingstag hatte man sich dann doch dazu entschlossen, die Vorgehensweise im Vorfeld untereinander abzustimmen und den Mitstreitern mitzuteilen, wie man auf seinem Angelplatz an die Sache ran gehen möchte. Die meisten unseres Teams begannen mit der Bahn auf der gegenüberliegenden Seite und konnten recht schnell im Schatten der Bäume den ein oder anderen Fisch fangen. Hierbei verwendete das Gros des Teams eine helle Futtermischung mit einem erhöhten Köderanteil, meistens Maden bzw. Pinkies. Waren die Standfische gefangen, gestaltete es sich mit zunehmender Angelzeit immer schwieriger, an den massig vorkommenden Kleinfischen vorbei zu angeln. Es half nur noch das Ausweichen auf eine weitere Futterspur, meistens ein Stück über der Mitte des Flusses. Wurde dieser Platz nur passiv "bearbeitet", sprich wurden die Lebendköder zu Anfang heraus gelassen, konnte auch auf dieser Angelspur der ein oder andere Fisch überlistet werden, ohne ständig die vibrierenden Bisse der kleinen Fische in Kauf nehmen zu müssen.

Achim - Kampfstarke Karauschen brachten ein gutes Gewicht
Kampfstarke Karauschen brachten ein gutes Gewicht


Wer zu Anfang gleich Pellets fütterte, bekam zwar nicht sofort Fischkontakt, jedoch mit zunehmender Angelzeit sammelten sich die Fische auf dem Futterplatz und konnten mit geklebten Maden zum Anbiss animiert werden. Waren die größeren Exemplare am Platz, machten sich die Kleinfische rar und das lästige Rumgenuckel blieb aus. Fanden sich doch nach einiger Zeit die Plagegeister ein, brachte eine Distanzänderung Besserung. Hierzu einfach auf den alten Futterplatz auf der gegenüberliegenden Seite geworfen und siehe da, Kleinfisch weg und die ein oder andere Karausche konnte zum Anbiss verleitet werden.

Frank Faulhaber mit einem weiteren guten Fisch
Frank Faulhaber mit einem weiteren guten Fisch


Noch anzumerken ist, dass die Ukraine an diesem 2. Trainingstag die Box neben uns hatte und ständig einen Beobachter hinter uns positioniert hatte. Besonders interessiert schien dieser an der Pelletgeschichte!

Steve Ringer mit einem achtbaren Trainingsfang
Steve Ringer mit einem achtbaren Trainingsfang


Nach Ende des 2. Trainingstages konnten einige Erkenntnisse gewonnen werden, z. B. fing Tobias Klein seine Fische aktiv, d. h. auf einen bewegten Köder. Vornehmlich die Karauschen ließen sich so zum Anbiss verleiten. Die Taktik von Frank Faulhaber und mir, nur mit Pellets und geklebten Maden gezielt auf Karauschen und Karpfen zu angeln, ging auch auf. Hierbei wurden die Maden aber erst eingebracht, nachdem die Fische am Platz waren, so hatten wir an diesem Trainingstag keinerlei Probleme mit Kleinfisch.

Matthias Weigang beim Drillen eines Karpfens
Matthias Weigang beim Drillen eines Karpfens


Am Abend wurde dann nochmal resümiert und auch die Aufstellung für den 1. Durchgang bekannt gegeben. Die nominierten Angler sollten sich am letzten Trainingstag den letzten Schliff für den Wettkampf holen und erstmalig wurde auch gezielt eine Taktik für diesen Trainingsdurchgang festgelegt. Wer sitzt wo in der Box, wer fischt mit welchem Futter, welcher Köderanteil, welche Distanzen, welcher Futterrhythmus, ... klare Ansagen für eine effiziente Auswertung.

Die Strecke
Die Strecke


Durchgang 1:
Was soll hierzu geschrieben werden? Desaströs! Konnten andere Mannschaften ihre Taktik umsetzen, fehlte es im Deutschen Team nicht nur an wichtigen Informationen. Wer fing was und vor allem wie im Sektor, wie lag man, was kann umgestellt werden, Fragen über Fragen die nicht beantwortet wurden oder beantwortet werden konnten. Und so kam es wie es kommen musste, das Ergebnis ist ja bekannt. Beschämend für jedes Mitglied des Deutschen Teams!

Durchgang 2:
Kurz: Analog zum 1. Durchgang nur mit einem Unterschied, Taktik frei. Ergebnis: Außer Matthias Weigang mit einem Sektorensieg ein sehr ernüchterndes Resultat.

Fazit: Will eine Deutsche Nationalmannschaft auf der internationalen Bühne des Angelsports mitspielen, muss jedem der Teilnehmer bzw. Trainer bewusst sein, dass wir als Team Deutschland repräsentieren und auch als Team zusammenfinden müssen. Unabhängig von Geschäftsinteressen oder auch den Couleurs, welchen wir die Stange halten. Vielleicht geht das jetzt manchen Lesern gegen den Strich, seht es mir bitte nach, im Eingangsabsatz habe auf die eventuelle Subjektivität hingewiesen. Ich bin auf jeden Fall zuversichtlich, dass sich noch einiges im Feederbereich ändern wird bzw. muss und wir in naher Zukunft als Team auch Erfolge erzielen werden.

Auch möchte ich hier anmerken, dass keiner der Teilnehmer frühzeitig die WM verlassen hatte. Wären diese Jungs nicht vor Ort gewesen, wäre die Betreuung noch einseitiger gewesen.

Die Einzelsieger:

2. Platz Steve Ringer, 1. Platz Oleksii Strashnyi, 3. Platz Oleg Boiev
2. Platz Steve Ringer, 1. Platz Oleksii Strashnyi, 3. Platz Oleg Boiev


Den Mannschafstitel holte Russland:


Mannschaftsweltmeister Russland
Mannschaftsweltmeister Russland


Es war die erste Feeder-Welmeisterschaft und somit konnte kein Team auf Erfahrungen früherer Weltmeisterschaften bauen. Doch am Ende gab es natürlich erfolgreiche und weniger erfolgreiche Teams und wir haben uns an der Strecke natürlich auch intensiv um die erfolgreichen Taktiken gekümmert. In einem weiteren Bericht und auf unserer DVD (die gerade produziert wird) zur Feeder WM zeigen wir, mit welchen Tricks und Kniffen die Ostblockländer so erfolgreich waren. Man lernt halt nie aus.

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