Club WM 2013 in Italien am Kanal Brian

  • von ct Redaktion
  • 02. Juli 2013 um 11:30
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Club WM in Italien

Die diesjährige Club WM fand in Italien am Kanal Brian statt. Das Bundesland MeckPomm um die Mannen von Marco Beck empfahlen sich auf dem letzten Anglertreff für Mannschaften am Elbe-Havel-Kanal für diese Aufgabe und unser Reporter Dave Johnson von matchangler.com begleitete die deutsche Vertretung und schaute auch den anderen Ländern über die Schulter. Im Folgenden berichtet er von seinen Eindrücken und Erlebnissen.

Reizvoll aber eine Herausforderung für den AnglerReizvoll aber eine Herausforderung für den Angler

Fischen in Italien bedeutet für uns Westeuropäer immer einen Topf mit vielen Fragezeichen. Die zu beangelnden Fischarten bestehen in den selteneren Fällen ausschließlich aus Rotaugen und Brassen, sondern nebenher aus Karpfen, Karauschen, Meeräschen und Welsen.

Ein eher stattliches Exemplar einer Brasse
Ein eher stattliches Exemplar einer Brasse
Von Natur aus ein Kämpfer: Die Meeräsche
Von Natur aus ein Kämpfer: Die Meeräsche

Daher war es nicht verwunderlich, dass westeuropäischen Nationen wie England oder Deutschland bereits vor der offiziellen Trainingswoche anreisten, um erste Erfahrungen zu sammeln. Bedingt durch das wechselhafte Wetter war jeder Trainingstag ein anderer und vor allem im deutschen Team war man sich nicht ganz sicher, was die Wettbewerbstage bringen würden.

Überblick über den Kanal Brian
Überblick über den Kanal Brian Überblick über den Kanal Brian
Überblick über den Kanal Brian Überblick über den Kanal Brian


Der Kanal Brian ist bis zu 45 m breit wobei die gegenüberliegende Uferseite von einem Schilfgürtel gesäumt wird. Häufig liegen direkt vor dem Schilfgürtel einzelne Halme oder Schilfbüschel, welche das Fischen nicht einfacher machten. Ansonsten hatte man eine Tiefe von bis zu 5 m auf der Kopfrutenspur und etwa zwei bis drei Meter auf der kurzen Spur. Kurze Spur hieß in der Regel ungefähr 5 m. Gab der Angelplatz Kraut am eigenen Ufer her wurde direkt an jenem gefischt, welches meistens einen kleinen Vorteil gegenüber Plätzen ohne Uferbewuchs bedeutete.

Marco Beck beim Befüttern der kurzen Spur direkt an einer KrautbankMarco Beck beim Befüttern der kurzen Spur Schilfgürtel säumen das gegenüberliegende UferSchilfgürtel am gegenüberliegende Ufer

Zum Ende der Trainingswoche kamen vereinzelt Welse hinzu, welche eine stattliche Größe bis über 1 kg erreichten. Eine Frage vor allem beim deutschen Team war, ob der Wels eine wesentliche Rolle während der Durchgänge spielen würde, da diese nicht gezielt befischt worden waren im Training. Neben den Welsen galt es die Meeräschen von bis zu 2 kg einzusammeln. Die Meeräschen vagabundierten im Kanal hin und her und es war wichtig diese nicht nur an den Haken zu bekommen, sondern auch zu landen. Meeräschen sind kampfstarke Fische und mobilisieren vor dem Kescher ihre letzten Kräfte. Viele Nationen hatten nicht Probleme sie an den Haken zu bekommen, viel mehr aber sie auch sicher ins Netz zu befördern. Dabei konnte man einen Schwarm Meeräschen kaum an seinen eigenen Platz nageln, sondern musste einzelne Exemplare abfangen und hoffen, dass sie sich wieder für den eigenen Futterplatz interessieren werden.

Das deutsche Team mit einer guten Meeräsche
Das deutsche Team mit einer guten Meeräsche

Ein Gros der Meeräschen hatte allerdings ein Gewicht unter 1 kg. Jedoch konnten drei Fische dieser Größe einen deutlichen Sprung nach vorne bedeuten. Neben den Meeräschen galt es aber auch die typisch südeuropäischen Fische wie Karpfen und Karauschen einzunetzen. Die Karpfen erreichten hier eher kleinere Gewichte, auch wenn größere Exemplare durchaus vorhanden waren.

Typischer Karpfen aus dem Kanal Brian
Typischer Karpfen aus dem Kanal Brian Typischer Karpfen aus dem Kanal Brian

Allerdings lohnte es sich nicht gezielt auf diese zu fischen, da gröberes Geschirr häufig bedeutete, die so wichtigen mittleren Fische nicht zu fangen. Einzig Sergii Burdak aus der Ukraine schaffte es am ersten Wettkampftag mit drei großen Fischen und einigen kleineren Exemplaren den Sektor deutlich für sich zu entscheiden. Viel wichtiger als die kleinen Karpfen waren jedoch die Karauschen, welche vorwiegend in Ufernähe zu fangen waren. Ob auf 5 m oder mit der Matchrute vorm Schilf, die Karauschen hatten ein Gewicht von bis zu 400 gr. und mehrere von ihnen bedeutete häufig eine mittlere Platzierung.

Peter Schührer in AktionPeter Schührer in Aktion

Ein Gespräch mit der russischen Nationalmannschaft am Freitag zeigte auch dort Probleme mit der Angelei auf die genannten Fischarten. Die Russen waren sich ihrer Sache nicht sicher und konnten nicht einschätzen, welche Angelei und welche Fische in den Wettkampftagen die Hauptrolle spielen würden. Sie waren sich lediglich sicher, dass die Meeräschen und die Karauschen einen wichtigen Part einnehmen würden. Die Taktik bestand aus dem Befischen der eigenen Uferkante, bevor die Russen mit der Matchrute ans andere Ufer gingen. Sie wollten dem Platz auf 13 m ein wenig Aufbauzeit geben, damit sich der Fisch dort versammeln und fressen kann. Erst nachdem beide Spuren abgefischt wurden, sollte es auf 13 m gehen. Weiterhin bestand die Taktik aus kontinuierlichem Nachfüttern von Lehm und Mückenlarven, um die Fische weiter am Fressen zu halten. Das Hauptblei wurde dabei sehr weit vom Haken platziert und die Waggler eine Nummer schwerer gewählt, um eventuellen Seitenwind zu trotzen.

Viele verschiedene Fischarten konnte man fangenViele verschiedene Fischarten konnte man fangen

Auch bei der deutschen Mannschaft sah die Taktik ähnlich aus. Auf Grund der Ungewissheit war es jedem Deutschen freigestellt, wie er seinen Durchgang gestaltete. Jeder sollte das machen, womit er am meisten Erfolg unter der Woche hatte. Das bedeutete für die Matchrute Zoomer oder feststehende Waggler bis 28 gr – für die Kopfrute Posengewichte zwischen 2 und 3 gr. und kleinere Posen für die kurze Spur.

Man musste einiges aufbauen, um für alle Fälle vorbereitet zu sein
Man musste einiges aufbauen, um für alle Fälle vorbereitet zu sein Man musste einiges aufbauen, um für alle Fälle vorbereitet zu sein


Ein weiteres Problem galt dem Fischen mit der Matchrute. Man musste so dicht ans andere Ufer wie nur möglich. Einen halben Meter zu viel bedeutete allerdings Geraschel im Schilf und damit der Verlust der Montage, da das scharfe Schilf häufig die Schnur oder den Waggler zerstörte. Gefüttert wurde etwa 3 m vor der Schilfkante und gefischt mal direkt auf dem Futter und mal zwischen Schilf und Futterstelle. Im Training wurden auch andere Distanzen mit der Matchrute probiert, welche allerdings keinen Erfolg brachten.

Füttern auf der anderen UferseiteFüttern auf der anderen Uferseite

Das Futter der Deutschen bestand aus:

  • 2 kg Carpe Fine
  • 2 kg Gros Gardons
  • 10 L schwere und leichte Erde

Als Köder kamen zum Einsatz:

  • 1 L Mückenlarven
  • 1 L Maden, Pinkis und tote Maden
  • ½ L Wurm

Hauptköder auf der Kopfrute war ganz klar die Mückenlarve, während vor den Füßen und auf der Matchrute zusätzlich mit mehreren Maden gefischt wurde.

Die Italiener beim Futterrühren
Die Italiener beim Futterrühren
Die Italiener beim Futterrühren Die Italiener beim Futterrühren

Der erste Durchgang brachte schnell Ernüchterung beim deutschen Team. 43 Punkte (3 – 3 – 8 - 14 – 15) und Platz 22 von 29 war mit Sicherheit nicht das Bestreben der Deutschen. Die Ungewissheit wurde hart bestraft und man machte sich Gedanken, was schief gelaufen war.

Marco mit einem gutem Netz voller FischeMarco mit einem gutem Netz voller Fische

Der Abstand zu den vorderen Nationen war allerdings nicht unendlich groß und ein zweiter starker Tag hätte mit Sicherheit zu einem respektablen Ergebnis führen können. Auch andere Nationen wie England, die Gastgeber Italien oder Polen hatten ihre Probleme, was deutlich zeigte wie schwierig sich das Fischen gestaltete. Einzig die Niederlande konnte aus dem westeuropäischen Raum einen guten fünften Platz erringen. Die Arbeit des Nationalcouch Jan van Schendel fruchtet und wir können gespannt sein, was die Niederländer in der Zukunft erreichen werden.

Chris Dobmeier beim Vorbereiten der KöderChris Dobmeier beim Vorbereiten der Köder

Der zweite Tag sollte die Erlösung bringen und nach der ersten Stunde war es nicht schlecht gestellt ums deutsche Team. Alle konnten eine gute Anzahl an Fischen aufweisen und die Taktik schien zu funktionieren. Ab der zweiten Stunde kamen dann vermehrt größere Fische auf die Strecke bzw. zu den Futterplätzen und auf einmal war es wie verhext. Bis auf Marco schaffte es kaum einer die Meeräschen oder Welse zu aktivieren und die anderen Nationen holten auf. Die letzte Stunde brachte dann die Gewissheit, dass kaum mehr etwas ging während die anderen Länder weiter größere Fische fingen. Nach dem Wiegen war klar, dass mit 4 – 5 - 9 – 15 – 15 und 48 Punkten das erhoffte Ziel Top 10 nicht erreicht werden konnte. Platz 21 stand am Ende zu Buche und die Enttäuschung ist dementsprechend groß.

Am Ende schafften es die Serben, vor den am ersten Tag stark fischenden Slowenen und Ungarn, den Weltmeistertitel der besten Mannschaft zu erreichen.

Der Weltmeisterschaftstitel geht an die serbische Mannschaft

Doch was ist schief gelaufen bei der deutschen Mannschaft? Auch im Nachhinein ist es nicht so einfach Fehler zu finden. Mit Sicherheit hätten die vielen großen verlorenen Fische vom ersten Tag eine deutlich bessere Platzierung bedeutet. Große und kampfstarke Fische drillen ist nicht unbedingt die Paradedisziplin der Deutschen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die eher unbekannte Angelei auf Meeräschen und Karauschen. Zudem kommt der Aspekt, dass am ersten Tag die Mannschaft ihr Futter cuppte, während andere Nationen (nicht alle) ihre Anfangsfütterung warfen. Die größeren Fische stellten sich allerdings durch das Einwurfgeräusch auf die gefütterten Plätze und die Angler, welche cuppten, schauten in die Röhre und konnten den anderen Nationen beim Fangen zusehen.

Auch der zweite Tag brachte seine Tücken mit sich. Warum die größeren Fische sich nicht auf die Plätze der Deutschen stellen wollten weiß keiner. Mit Sicherheit spielt auch die Unerfahrenheit bzgl. internationaler Auftritte, verbunden mit der einhergehenden Nervosität eine wichtige Rolle. Letztlich kommen die besseren Resultate der Deutschen von international erfahreneren Anglern.

Am Ende kann man immer mutmaßen, doch wirklich interessant ist das, was die erfolgreicheren Nationen gemacht haben.

Ein Netz voller Fische – durchaus möglich
Volle Netze Volle Netze Volle Netze

Ganz stark ist die Leistung unserer Nachbarn aus Österreich, welche am zweiten Tag lediglich 17 Punkte machten und somit die zweitbeste Mannschaft am Tag zwei stellten. Die Österreicher erkannten, wie wichtig der Wels war und sprachen sie mit vielen geschnittenen Würmern direkt an.

Die Welse erreichten stattliche Gewichte
Die Welse erreichten stattliche Gewichte


Außerdem fischten sie mit der Matchrute feststehend mit sehr wenig Blei auf der Schnur. Teilweise mit nur einem 8er Schrot auf 3 m Wassertiefe, so dass der Köder (meistens Maden) sehr langsam zum Grund trudelte. Sie erkannten, dass die Skimmer und Karauschen im Mittelwasser standen und konnten sie so gezielt befischen.

6. Platz ging an die RussenAuch die Russen spezialisierten sich am zweiten Tag auf den Wels
und konnten so am Ende einen guten sechsten Platz erringen. 

Die Taktik der Serben jedoch war eine andere. Sie konzentrierten sich nur auf die Kopfrute und warfen zu Beginn des Fischens 10 große Bälle Futter ungefähr 80 cm vor den eigentlichen Angelplatz. Wichtig war es ihrer Meinung nach, dass sehr viel nachgefüttert wurde. So cuppten sie entweder nach jedem Fisch oder alle 5 Minuten einen Ballen mit Erde oder Futter mit Ködern. Dadurch konnten sie immer mehr Fisch aktivieren und die größeren Fische selektieren. Sie fischten während des Angels immer hinter dem Futter. Als Posen kamen normale Fließwasserposen zwischen 1 und 3 gr. zum Einsatz an einer 0,14 mm Hauptschnur und einem 0,10 mm Vorfach und dem Haken 3405 von Sensas. Als Köder kamen vor allem Mückenlarven zum Einsatz; teilweise bis zu 15 Stück am Haken. Wenn es windstill war, wurde die 1 gr. Pose bündig gefischt. Die Serben sind der Meinung, dass bedingt durch den teilweise starken Seitenwind eine Unterströmung entstanden ist, weshalb bei Wind die 3 gr. Pose gefischt und das Vorfach komplett aufgelegt wurde. Als Gummis kamen die dünnen Hydros von Daiwa zum Einsatz.

Das höchste Mannschaftsgewicht und Platz 1 bei der Club WM 2013 am Kanal Brian gibt ihnen recht.

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