Club Weltmeisterschaft 2014 in Slowenien

  • von ct Redaktion /Bilder Gisela Wenzel, Michael Weiss
  • 02. September 2014 um 10:03
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Im Vorfeld der Club WM an der slowenischen Sava standen beim deutschen Stipp-Profi Team alle Ampeln auf Freude, Fisch und Erfolg. Man sah sich mit den Erfahrungen der Damen WM 2013 gut gerüstet, versprach es doch viele gute Fische in einem strömenden Gewässer und damit Bedingungen, die dem deutschen Team stark entgegenkommen sollten. Auch wenn eine Club WM sicherlich eine Veranstaltung ist, bei der der anglerische Erfolg im Vordergrund steht, so muss man an dieser Stelle feststellen, dass die Strecke an der Sava landschaftlich sicherlich die schönste Strecke im Angelzirkus ist.

Malerisch schön, das Sava Tal in Slowenien
Malerisch schön, das Sava Tal in Slowenien

Die Sava schlängelt sich durch ein bewaldetes Tal, die Farbe die Wassers hat dazu Bilderbuchcharakter. Die Sektoren an der Sava sind sehr unterschiedlich, es gibt Sektoren mit einer Wassertiefe von 3-4 Metern auf der Kopfrutenbahn und dann gibt es Plätze mit über 8 Metern Wassertiefe auf der 13m Bahn. Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber ich denke, dass kaum jemand von uns in einer solchen Tiefe schon einmal mit der Kopfrute geangelt hat, doch es geht ja noch weiter! Wann immer man Abstecken musste (oft wurde mit 5-7 Teilen geangelt), musste man Stück für Stück abstecken, da teilweise direkt hinter dem Angler eine steile Uferböschung ansteigt. Das Angeln war also schon sehr sportlich an der slowenischen Sava und verlangte sowohl Angler als auch Material viel ab!

Die berüchtigten steilen Ufer der Sava
Die berüchtigten steilen Ufer der Sava

Hauptfisch an der Sava sind die Vimbas. Ein Vimba ist ähnlich der deutschen Zährte und erreicht Gewichte von bis zu einem Kilo, wobei Gewichte zwischen 500 und 700 Gramm bereits einen guten Fisch bedeuteten. Zusätzlich kommen noch Ukeleis, Rotaugen, Karauschen, Barben und Brassen vor, diese Fische sind aber nicht der eigentliche Zielfisch.

Gefischt wurde meist mit runden Flussposen zwischen 3 Gramm (im flachen Bereich) und 12 Gramm  im tiefen Bereich) und einige Nationen verstanden es außerdem mit dem Lutscher in der letzten Stunde noch den ein oder anderen guten Fisch zu fangen. Die Kopfrute dominierte an der Sava ganz klar, auf einigen wenigen Plätzen und wenn  nichts mehr ging, war die Bolorute oder auch die Matchrute mit einem Slider ebenfalls einen Versuch wert.

Die richtigen Posen für das Fischen am Fluss
Die richtigen Posen für das Fischen am Fluss

Die Damen Weltmeisterschaft 2013 war ganz klar eine WM der Maden. Egal ob tote oder lebendige, geklebte oder lose, Maden waren DER Köder schlechthin. Also ging man im deutschen Team auch für diese Veranstaltung davon aus, dass Maden der Hauptköder sein werden. Im Training (über welches es uns und unsere Leser Gisela Wenzel täglich ganz hervorragend informiert hatte – DANKE dafür liebe Gisela!) zeigte sich schnell, dass in diesem Jahr deutlich weniger Fische auf der Strecke waren als im letzten Jahr, als die WM der Damen allerdings auch im wesentlich wärmeren August statt fand. Im Training wurden von unserem Team oft nur Gewichte bis maximal 4 Kilogramm gefangen und so spielte im Laufe der Trainingswoche dann die Mückenlarve eine immer größere Rolle in den Planungen des deutschen Teams. Um den Gedankengängen des deutschen Teams näher zu kommen, haben wir ein Interview mit Heiko Schmidt geführt und in den folgenden Passagen werden sich seine Eindrücke wiederspiegeln.

Heiko Schmidt stand uns zum Interview zur Verfügung - danke dafür!
Heiko Schmidt stand uns zum Interview zur Verfügung - danke dafür!

Das deutsche Team hatte sich auf ein Angeln auf große Fische eingestellt. Analog der Damenweltmeisterschaft und vieler Veranstaltungen der vergangegen Jahre ging man davon aus, das sich alles um große Zährten und Barben drehen würde. Als die ersten Trainingstage dann gefischt waren, war dem Team klar, dass sich die Sava in diesem Jahr von einer anderen Seite zeigen würde. Die Fänge der ersten Trainingstage noch vor des offiziellen Trainings waren ziemlich mau und es galt sich den Bedingungen anzupassen. Um sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen, versuchte das Team seine Eindrücke zu festigen und sprach zudem mit den einheimischen Anglern. Die Slowenen bestätigten dann die Beobachtungen der Stipp-Profis und der Grund für die unerwartet mageren Fänge war das kalte Wasser der Sava und der damit eingeschränkte Stoffwechsel der Fische. Die Arbeit des Teams begann damit von neuem, jeder Sektor der Strecke musste neu erarbeitet werden, alle Erfahrungen und Informationen der vergangenen Jahre wurden über den Haufen geworfen. Gerade in der Sava ist dies sehr wichtig, da die Sektoren sehr, sehr unterschiedlich sind. Wenn eine Mannschaft vor so viel Arbeit steht, ist es natürlich gut, wenn das Team möglichst breit aufgestellt ist und so hatte im deutschen Team Im deutschen Team jeder Angler einen Betreuer.

Das deutsche Team Stipp-Profi
Das deutsche Team Stipp-Profi

Das Team versuchte nun mit seiner Erfahrung und anglerischem Können das Beste aus dem Training zu machen. Als Futter wurde ein Mix aus Supercrack Brassen, Turbo braun und einem ordentlich Anteil von schwerer Flusserde (alles von van denEynde) herausgearbeitet. Die Mix sollte viele aktive Partikel enthalten um eine Futterspur zu bilden. Auftreibende Partikel, die sich nach wenigen Metern wieder „legen“ sind an der Sava wichtig, da der Untergrund auf der 13m Bahn sehr steinig ist und die Gefahr besteht, dass das Futter komplett zwischen den Steinen verschwindet. Aus diesem Grund war Loten sehr wichtig. Es galt einen Platz zu finden, der auf einer Länge von circa 50 cm keinen größeren Höhenunterschied als 10 cm aufwies. Solche Plätze waren schwer zu finden und teilweise mussten Angler die „heilige“ 13m Bahn verlassen und auf 12,5 Meter angeln. Die Startfütterung bestand auf 8 geworfenen Bällen aus Futter / Erde und wenigen Ködern. Dann wurden 20 Kugeln gecuppt. Diese Kugeln bestanden je nach Sektor entweder aus abgebundener Erde mit Mückenlarven oder aus geklebten Madenbällen (mit Kies).

Geklebte Maden für die Barben
Geklebte Maden für die Barben

Mit den Mückenlarven sollten die kleinen Zährten angelockt werden, mit den geklebten Maden die gewichtigen Barben auf den Platz gezogen und gehalten werden. Das Cuppen war teilweise übrigens Schwerstarbeit, da bei jedem Rauschschieben der Kopfrute jedes Teil einzeln nachgesteckt werden musste. Bei den letzten Teilen und den wirkenden Hebelkräften wirkte eine beachtliche Kraft auf den Angler und wer seine Rute nicht durch ein verkantetes Rutenteil „schrotten“ wollte, der musste sich bis zum Ende des Cuppens konzentrieren.

Kurzes Füttern war bei den abfallenden Untergrund Trumpf
Kurzes Füttern war bei den abfallenden Untergrund Trumpf

Die Montagen bestanden meist aus runden Flussposen mit einer 16er Hauptschnur und Haken der Größen 16-20 (Milo T143) und Vorfachschnüren der Stärken 0,11mm bis 0.13mm. Als Gummizug wurde ein weisser Hydro von Daiwa gewählt. Dieser Gummizug war elastisch genug für die kleinen Nasen (um die 200 Gramm) und konnte genauso eine mögliche Barbe handeln.

Das englischer Team der Barnsley Blacks fischte stark in Slowenien
Das englischer Team der Barnsley Blacks fischte stark in Slowenien, hier Alan Scotthorne mit einem Bonuskarpfen

Kommen wir zum Angeln… Die Sava ist als Naturfluss platzabhängig, es gibt einige gute Bereiche und es gibt leider auch einige wenige Katastrophenplätze. Leider erwischte Ralf Herdlitschke einen solchen Platz im ersten Durchgang. Schon beim Loten verlor er erste Montagen und am Ende fischte er mit der Bolo, so dass er zwar noch ein paar Fische fangen, aber nicht gegen die brauchbaren Kopfrutenplätze konkurrieren konnte. Fast jeder Angler hat das schon erlebt. Man investiert viel Zeit, Geld und Herzblut in ein Angeln und dann sitzt man auf einem besch... Platz.

Der erste Durchgang war im Team zweigeteilt. 3 Angler (Chris Weiß, Rainer Wenzel und Heiko Schmidt) fischten alle eine starke Plz 2 im Sektor, was mal richtig gut war. Leider konnten Ralf Herdlitschke und Matthias Kemmereit die Erwartungen nicht ganz erfüllten und landeten aus unterschiedlichen Gründen mit einer Platzziffer 15 ganz hinten im Teilsektor. Am Tag 2 sollte dann der alte Hase Lutz Schenke Matthias ersetzen und seine Erfahrung in die Waagschale schmeißen.

Rainer Wenzel mit einer gewichtigen Brasse aus das Sava
Rainer Wenzel mit einer gewichtigen Brasse aus das Sava

Im zweiten Durchgang lief einiges überraschend „Anders“. Im sonst so schwachen Mittelsektor tauchten auf einmal gewichtige Brassen in der Ufervegetation auf und begannen ihr Laichgeschäft. Diese Brassen hatten meist Gewichte um die 2-3 Kilo und waren vorher an den ganzen Trainingstagen auf der Strecke nicht zu sehen. Von einem Tag zum anderen tauchten dann aber hunderte von ihnen vor den Füßen der Angler auf. In diesem Sektor galt es dann die meist gehakten Brassen zu keschern und wer eine Quote von 20% hatte, machte hier vieles richtig. Gewonnen hat diesen Sektor dann ein spanischer Angler, der 4 von circa 15 gehakten Fischen fangen konnte und damit seinen Sektor gewann. Lutz Schenke fischte hier übrigens einen ordentlichen 7. Platz. Ein Slowene erwischte einen anderen Sahneplatz und konnte hinter einem Krautfeld (welches direkt vor seinen Füssen lag) dutzende von gewichtigen Karauschen fangen. Eine Spezie, die sonst auf der Strecke kaum zu sehen war.

Für das deutsche Team lief der Tag mittelprächtig, die Angler konnten folgende Platzierungen erreichen:

Ralf Herdlitschke Plz 7
Rainer Wenzel Plz 3
Heiko Schmidt Plz 6
Lutz Schenke Plz 7
Chris Weiß Plz 11

Am Ende reichte es für das deutsche Team für einen 11. Platz in der Gesamtwertung. Das Ergebnis ist natürlich nicht berauschend, aber der 6. Platz ( Belgien) war nur 9 Platzziffern entfernt und damit durchaus erreichbar. Ein Podiumsplatz war für das Team nur schwer erreichbar, dafür muss einfach alles stimmen und das Gewässer muss 100% passen. Die Nationen aus dem Ostblock haben deutlich bessere Rahmenbedingungen in ihren Heimatländern und sind damit an dem deutschen Angler vorbeigezogen, dazu dann noch die starken westeuropäischen Nationen wie England, Belgien, Ungarn, Holland usw., da wird die Luft in den ersten 10 Plätzen einfach verdammt dünn für uns deutsche Angler.

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