Stopwatch mit Felix Scheuermann - Feeder WM 2014

  • von Felix Scheuermann
  • 06. August 2014 um 08:00
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6:00h

Es ist 6:00 in Coachford, und der Wecker rasselt in unserem Hotelzimmer. Aufstehen war angesagt. Es fiel mir nicht wirklich schwer, da ich schon etwas früher wach im Bett lag und mir einige Gedanken durch den Kopf gingen. Nach dem Sektorensieg am ersten Tag lag ich auf Rang 5 der Einzelwertung. Mit einem zweiten guten Tag war auf jeden Fall eine Platzierung unter den Top Ten möglich.

6:20h

Wir sitzen alle gemeinsam am Frühstückstisch, ein typisch irisches Frühstück. Rührei, Bacon, Bratwürste und Toast. Ein richtig deftiges Frühstück, und das zu dieser Uhrzeit. Entweder man mag es, oder man mag es nicht.

6:50h

Unser Betreuerstab kommt zu uns in den Hinterhof gefahren und teilt jedem Angler seine Köder und sein Futter aus. Eine perfekte Vorbereitung! Am Abend davor wurde im Team besprochen, in welchem Sektor welche Köder benötigt werden und wie viel Futter. Die Betreuer haben dann die CIPS-Dosen eingesammelt und am heutigen Morgen komplett fertig mitgebracht. Somit können sich die Angler voll und ganz auf das Angeln konzentrieren. Super Teamwork!

7:00h

Da es zwei Strategien gab, haben wir uns auch für zwei Futtersorten entschieden. Ein passives Brassenfutter, das am Abend angemischt wurde und ein aktives Rotaugenfutter. Also heißt es Futter rühren. Schnell haben wir gemeinsam die benötigte Futtermenge angerührt und verteilt.

7:10h

Kurt Kricke kommt von der Verlosung und hat die Startplätze für Tag 2 dabei. Ich sitze im E-Sektor. Mein Wunschlos wäre E 20 – E 25 gewesen. Am ersten Tag wurden dort gegen Ende des Durchgangs massiv Brassen gefangen. In der Mitte waren nur Kleinfische zu fangen. Kurt überreicht mir mein Trikot, E12. Genau die Mitte des Sektors und ich war erstmal bedient. Manne Beck mit A3 bekam ein gutes Los, die anderen Plätze waren alle mittelmäßig.

7:20h

Schnell das Auto fertig gepackt, Köder, Futter und etwas zu trinken eingepackt und los geht es für mich mit meinem Betreuer Thorsten Küsters Richtung E-Sektor, der getrennt von den Sektoren A – D liegt.

8:00h

Wir erreichen nach leichtem Verkehrschaos den Parkplatz und bringen die Angelsachen an den Platz.

8:15h

Nachdem alles auf seinem Platz steht schaue ich mich um und kann wahrhaftlich keine schlechte Sektorenbesetzung feststellen. Zwei Plätze links von mir sitzt der Ire, der nach dem ersten Tag die Einzelwertung mit dem höchsten Fanggewicht anführt und das Gewässer gut kennt. Zwei Plätze nach rechts kann ich eine neonorangene Kiepe sehen. Peter van der Willik sitzt auf E 14. Auch er hatte eine 2 am Sektor geschrieben. Doch dann sprach sich auch noch schnell herum, dass Phil Ringer, ebenfalls eine 2 an Tag 1, auf dem Endplatz E 1 sitzt. Das hört man als Mitangler natürlich auch ungern.

Felix Scheuermann Sektor E 12

8:30h

Das erste Signal ertönt und ich darf meine Box betreten. Zuerst stelle ich die Köder und das Futter zur Köderkontrolle zurecht. Dann baue ich meine Sitzkiepe, Setzkescher, Ruten und Feederbox auf.

8:45h

Jetzt beginne ich damit, meinen Platz auszuloten. Auf etwa 38 Metern beginnt das Flussbett und es sinkt von ca 2,80m auf 4m ab. Hinter der Kante ist jedoch der Untergrund unbeangelbar. Das Blei hängt jedes Mal voll mit Blättern, Kraut und anderem Dreck. Deshalb lege ich einen Platz auf 37 Metern fest, also auf der Kante. Hier ist der Boden sauber und man kann das Blei frei bewegen. Die zweite Kante liegt bei ca. 17 Metern. Hier beginnt das Wasser von 2,80m flacher zu werden. Da ich im tieferen Bereich mit größeren Rotaugen rechne, länge ich meine Ruten auf 18 Metern ein.

ausloten

9:05h

Köderkontrolle. Der Aufseher überblickt die Köder und die Futtermenge und gibt grünes Licht. Alles in Ordnung.

9:20h

Die Ruten sind alle eingestellt, zwei Stück auf der 18 Meterbahn auf Rotaugen und zwei auf 37 Metern auf Brassen.

9:30h

Die letzten Vorbereitungen werden abgeschlossen, noch ein kurzes Interview mit Jayson über meine Einschätzungen und mein Vorgehen. Ich habe mir vorgenommen, die lange Bahn mit viel Wurm, Mais und Mückenlarven vorzufüttern und auf der 18m-Bahn auf Rotaugen zu beginnen. Thorsten wird dann die Situation beobachten, ob auf der langen Bahn Brassen gefangen werden. Falls die Rotaugen nicht reichen, muss gewechselt werden.

9:45h

Noch 5 Minuten bis zum Füttern. Schnell schneide ich noch zwei Dosen Mais und einen halben Liter Wurm vor, um die Zeit während des Angelns zu sparen.

9:50h

Die Startfütterung beginnt. Ich füttere 8 Körbe voll geladen mit Ködern auf die lange Bahn. Falls Brassen kommen, sind diese erstmal beschäftigt. Dann füttere ich noch 4 Körbe auf der kurzen Bahn. Erfahrungsgemäß sind die ersten Rotaugen schon nach dem ersten Futterkorb auf dem Platz.

10:00h

Start des ersten Durchgangs. Ich beginne mit einem 50cm langen Vorfach und einer roten Made am 12er Haken. Erster Wurf, erster Fisch. Es geht gut los.

erster Fisch

10:20h

Ich bekomme die erste Info von Thorsten, dass ich einen guten Rhythmus gefunden habe. Schon über 20 Fische habe ich im Netz, ein Fisch unter einer Minute. Die Größe liegt zwischen 40 und 80 Gramm. Brassen wurden noch nicht viele gesehen. Mit dieser Taktik liege ich also für den Start gut.

11:00h

Eine Stunde ist rum, die ersten Zwischenstände werden auf der Tafel eingetragen. Ich habe knapp über 50 Fische im Netz und liege Stückzahlmäßig auf Rang 2. Thorsten begleitet die Stewards bis zum Ende des Sektors und sammelt Informationen.

11:10h

Mein Betreuer ist zurück und erzählt mir, dass der Rumäne auf E20 bereits 10 Brassen in der ersten Stunde gefangen hat. Sonst war es aber ziemlich ruhig mit großen Fischen. Da ich auf die hohen Nummern eh keinen Einfluss habe, fahre ich mit meiner Taktik fort.

11:40h

Nach dem Einwerfen beobachte ich meinen Futterplatz und erkenne genau darunter einen ca. 5 m² großen Blasenteppich. Große Fische stehen auf meinem Platz und durchwühlen den Grund nach Ködern. Ich entschließe mich dazu, einmal auf die Großen anzutesten.

12:00h

20 Minuten versuchte ich mit Maiskörnern, großen Würmern oder sonstiges an den Rotaugen vorbei zu kommen und meinen Köder am Boden zu präsentieren. Leider ohne Erfolg. Die Silberlinge attackieren alles was sich dem Grund nähert. Im Nachhinein vergeudete Zeit.

12:05h

Die zweite Stunde ist rum und ich liege durch die investierte Zeit auf Brassen nur noch auf Rang 4-5. Der Rumäne scheint einen unaufholbaren Durchmarsch hinzulegen und hat wieder um die 10 Brassen in der 2. Stunde eingenetzt.

12:10h

Nach dem gescheiterten Versuch auf Brassen habe ich mich entschieden, nun das Angeln auf Rotaugen durchzuziehen und versuchen, meine Schnelligkeit auszuspielen.

12:30h

Die Rotaugen sind im Durchschnitt etwas größer geworden. Teilweise sind 4 – 5 hintereinander mit je 100gr dabei. Ich erhöhe den Mais und Wurmanteil und verzichte auf die Mücken, um das weiter anzukurbeln - mit Erfolg. Die Durchschnittsgröße liegt nach Thorstens Infos über denen der anderen. Also angele ich erstmal so weiter.

12:40h

Die Info von den Sektoren A-D erreicht uns. Unsere Jungs sind alle gut dabei. Manne Beck wird unter den Top 3 gesehen, Michael Schlögl zwischen 5 und 8, und Peer Saddeler und Frank Schulze zwischen 10 und 15. Es sieht also gut aus mit der geänderten Taktik, mehr auf die kleinen zu angeln.

13:10h

Stunde 3 lief wieder besser und ich konnte über 50 Fische fangen und somit gegenüber den anderen wieder etwas aufholen. Beim Rumänen war die Stunde schlechter, nur 6 Brassen konnte er fangen. Er liegt jedoch noch weit vor allen Rotaugensammlern. Doch die Nachricht gab mir nochmal einen Anspron. Vielleicht ist ja doch noch was drin?, dachte ich mir. Also weiter Vollgas.

13:30h

Den Korb fülle ich seit dem ersten Wurf mit Castern, geschnittenem Mais und geschnittenen Würmern. Zu Beginn noch Mücken, die habe ich dann aber rausgelassen. Mittlerweile sind mein halber Liter Caster, 2 Dosen Mais und ca. 1 Liter Würmer versenkt. Die Köder werden langsam knapp. Aber die Dosierung behalte ich erst einmal bei, bevor es schlechter wird. Die Bisse sind wie in Stunde 3 regelmäßig spätestens 10 Sekunden nachdem der Korb den Boden berührt hat.

14:00h

4 Stunden sind rum, die letzte Stunde war ziemlich genau wie zwischen 12:00 und 13:00 h. Knapp über 50 Fische, wieder eine gute Stückzahl. Thorsten schätzt mich auf Position 3. Der Rumäne fängt aber kaum noch Brassen. Dafür hat der Tscheche Konopasek mächtig aufgedreht und hatte in der vergangenen Stunde sogar über 70 Fische. Er angelt nur auf 8m und ist deshalb schneller. Dafür sind die Durchschnittsfische aber kleiner. Er hat jedoch gesamt ca. 20 Fische mehr im Netz. Das ist noch einmal Ansporn für mich, die letzte Stunde voll konzentriert abzuspulen.

14:15h

Der Rhythmus ist nochmal schneller als zuvor, nach 15 Minuten bereits 20 Fische im Netz. Die Köder sind komplett leer, ich habe nur noch einen knappen halben Liter Mückenlarven. Also beginne ich mit denen und hoffe, dass die Fische nicht kleiner werden.

14:50h

Noch 10 Minuten, die Köder sind komplett leer, aber die Durchschnittsgröße passt. Auch habe ich schon über 60 Fische. Mein Rücken schmerzt so langsam vom schnellen Bewegen arg.

einkeschern

15:00h

Ende des 2. Durchgangs! Die letzte Stunde war meine beste am heutigen Tag. 69 Fische! Ein super Endspurt. Nun beginnt das Wiegen.

15:20h

Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt eine große Traube an Menschen an. Der Tscheche Konopasek liegt mit 16,5 kg vorne. Ich kann es nicht einschätzen, wie viel ich habe. Die Waage bleibt bei 17.253gr stehen. Höchstgewicht bisher! Ich bin überglücklich, denn damit werde ich sicher unter die Top 3 im Sektor kommen. Den Rumänen habe ich eh abgehakt, mit den Brassen war er wohl uneinholbar.

15:40h

Die Zeit zieht sich wie Gummi, ich möchte endlich wissen wie vielter ich geworden bin. Ich bekomme zugetragen, dass Steve Ringer seinen Sektor erneut gewinnt und damit stand er für mich als Weltmeister fest. Mick Vials wurde nach seinem Sektorsieg vom Samstag Zweiter, jedoch mit geringem Gewicht. Ich hoffe nun, dass es für den 2. Platz im Sektor reicht und ich es damit aufs Treppchen schaffe.

15:50h

Thorsten kommt mit Tränen in den Augen zu mir gelaufen, völlig aufgelöst, kann kaum reden und murmelt aus dem Bauch: „Felix du bist wegen 400 Gramm am Weltmeistertitel vorbei, aber du wirst Vizeweltmeister.“ Danach setzt er sich an den Boden und weint. Ich kann es zuerst nicht verstehen warum er weint, denn ich war damit überglücklich! Vizeweltmeister im Feedern! Wahnsinn! Er hätte es mir von Herzen gegönnt, und war deshalb niedergeschlagen. Aber bei mir überwiegt die Freude.

16:10h

Sicher 50 Leute kommen schon auf mich zu und gratulieren mir. Ich kann es noch nicht wirklich realisieren. Sie kommen mit Kappen an und wollen Unterschriften, ich konnte nur noch lachen!

 

18:00h

Die Siegerehrung in der GAA Hall in Coachford. Als ich auf die Bühne gerufen werde, mit den Worten: „On the silver medal, representing Germany, Felix Scheuermann!“, bekomme ich am ganzen Körper Gänsehaut. Der Blick von der Bühne in die Halle werde ich nie vergessen. Es war atemberaubend. Und neben mir steht ganz nebenbei Steve Ringer und gibt mir die Hand! Unglaublich!

Siegesehrung

Abschließend möchte ich nochmal die 12 Tage Irland zusammenfassen. Ein tolles Gewässer, viel Fisch, nette und super hilfsbereite Leute, wie ich sie sonst noch nirgends gesehen habe! Und eine Woche mit durchweg super Angelkollegen. Die Zusammenarbeit mit Anglern und Betreuern hat einen rießen Spaß gemacht. Wir sind als Team aufgetreten. Die Betreuer haben allesamt super Arbeit geleistet, haben Futter gerührt, Würmer ausgesiebt, vorgeschnitten, die Mückenlarven gepflegt, man hat seine Köder morgens komplett fertig bekommen, BESSER GEHT ES NICHT! VIELEN DANK EUCH ALLEN FÜR DIE HILFE!

Leider hatten wir uns taktisch am Samstag etwas falsch eingestellt und wirklich nicht die besten Plätze gezogen, aber nach der Umstellung am Sonntag konnten wir an Tag 2 mit der Mannschaft den 4. Platz belegen. Man sieht also, mit Teamwork und richtiger Taktik können wir gut mithalten. Vielen Dank noch einmal an unsere Sponsoren Terravita, Michael Zammataro, Ronnie Spaan und natürlich an den DSAV für eure Unterstützung!

Viele Grüße und Petri Heil Felix Scheuermann


Felix Scheuermann im 2. Durchgang bei der Feeder Weltmeisterschaft 2014 - Ein russisches Video, gefunden auf Youtube:

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