Polizei Europameisterschaft 2015 in Szeged/Ungarn

  • von Harald Seifert
  • 24. September 2015 um 09:16
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Oder der weite Weg zu den Karpfen!

Bereits mehr als eine Woche vor dem eigentlichen Event reisten die deutschen Polizeiangler nach Szeged in Ungarn. Szegedin (ung.) liegt im Dreiländereck Ungarn-Serbien-Rumänien und Anfahrtswege von bis zu 1400 km waren zu überwinden.

Gerade zu dieser Zeit erlangte die Stadt durch den Grenzübergang Röszke und das Flüchtlingsdrama traurige Berühmtheit.

An dem Ruderkanal, einem Privatgewässer, fast genau 2 km lang, ca. 200 m breit und  ca. 3 m tief, einigen bekannt von den Walterland Masters, waren die meisten Teilnehmer in dem Sporthotel direkt an dem Gewässer untergebracht. Die Zimmer waren einfach ausgestattet, sehr sauber und WLan war bis in die Hälfte der Wettbewerbsstrecke kostenfrei verfügbar. Das gesamte Gelände ist eingezäunt und wird durch einen privaten Sicherheitsdienst bewacht und auch bestreift. Die Angeln blieben im Auto und selbst die über Nacht geöffnete Heckklappe an einem Fahrzeug war kein Problem. Das angebotene Essen war typisch ungarisch, landestypisch deftig und von guter Qualität. Dies galt auch für die Speisen anlässlich der verschiedenen offiziellen Termine. Die ungarischen Gastgeber waren über die Maße freundlich und hilfsbereit. Trotz mancher Sprachschwierigkeiten wurden alle Anliegen sofort bearbeitet. Der europaweit bekannte ungarische Spitzenangler Tibor Ambrus hatte in einer Halle seinen Angelgeräteshop aufgebaut. Idealer können die Randbedingungen für ein solches Event nicht sein.

Regattastrecke mit Sporthotel

Am Sonntag vor dem Event fand der letzte Durchgang der ungarischen Feedermeisterschaften statt. Dies war natürlich die beste Gelegenheit sich Informationen aus erster Hand einzuholen und deshalb reisten die meisten Deutschen schon Samstag an. Attila Erdei gewann in überzeugender Manier die Einzelmeisterschaft.

Attila Erdei Ungarischer Meister 2015

Das was man dort sehen konnte überraschte die deutschen Angler schon sehr, waren unsere Informationen doch ganz andere, 1. zu der zu erwartenden Fischart 2. zu den benötigten Ködern und 3. zu dem am meisten verwendeten Gerät an der Strecke.

1. Hauptfisch waren besonders Wildkarpfen mit Stückgewichten von 1 bis zu 8 kg, mit vereinzelten Graskarpfen und den ungeliebten Katzenwelsen. Alle anderen Fischarten spielten überhaupt keine Rolle! Das Wasser war sehr warm (über 25°C) und die Grünalge stand in voller Blüte. Wenn Futter ins Wasser eingebracht wurde, kochte der Bereich vor lauter kleinen Weissfischen, meist Ukeleis. Gehakte Fische zeigten eine uns völlig unbekannte Kampfkraft, besonders im Bereich des Unterfangkeschers veranstaltete selbst ein kleiner 2 Pfünder Karpfen ein Feuerwerk an Fluchten und Drehungen.

Karpfen

2. Die meisten Köder, die wir viele Wochen im Voraus bestellen mussten, waren nicht zu gebrauchen, da Maden, Pinkies und Zuckmücken nur Katzenwelse und noch mehr Kleinfische an den Platz lockten. Aufgerundet wurden Köder im Wert von mehr als 1000,- € weggeworfen oder nach dem Training im Uferbereich an die Kleinfische verfüttert. Etwas nachdenklich stimmte die deutsche Delegation schon, dass von den Veranstaltern nicht ein einziger kleiner Hinweis kam, die getätigte Köderbestellung eventuell zu überdenken. Lediglich die Caster waren weniger schädlich und wurden in der einen oder anderen Anfangsfütterung verklappt.

Einzig das Solo-Maiskorn war der Top-Köder, der auch in der Lage war, den Gewässergrund zu erreichen. Von Hand geworfen oder auf 13 m gecuppt war es auch das beste Anfütterungsmittel. Jetzt wunderte es niemanden mehr, warum fast jeder deutsche Angler bis zu 50 (in Worten fünfzig) Dosen Gemüsemais mitgebracht hatte.

Schöner großer Trainingsfisch

 

3. Durch die starke Kampfkraft der Karpfen und besonders durch die schnellen Fluchten vor dem Unterfangkescher war es beim Stippfischen notwendig, dass ein zwar starker Gummi, allerdings so weich eingestellt war, um die im Nahbereich auftretenden Fluchten der Fische abzufedern. In diesem Bereich wurden sehr viele Fische verloren. Als sehr positiv bestätigte sich ein weißer oder schwarzer Hydroelastik von Daiwa, der im 3. Teil ohne Spitze eingebaut, in der Lage war die extremen Fluchten besonders gut abzufangen. Der zusätzlich eingebaute Pulla-Bung erleichterte das Keschern größer Fische erheblich. Besonders beim Feederfischen zeigte sich, dass Ruten mit einer weichen Aktion und fein eingestellte Rollen ein Schlüssel zum Erfolg waren. Tibor verkaufte vor der Veranstaltung in seinem Shop jede Menge dieser Ruten. Die Feedermontage musste gemäß den Vorgaben der CIPS als Durchlaufmontage montiert sein. Hier erwies sich die einfachste Montage als die effektivste.

Feedermontage Haken Kamasan B 611

Im ersten Training zeigte sich, dass die deutschen Angler doch ganz gut mit den haushoch favorisierten Ungarn mithalten konnten. Nur in der letzten Stunde des Trainings hatten die Ungarn einen klaren Vorteil. Diesen Unterschied galt es herauszufinden.

Die deutsche Delegation

Wie uns berichtet, wurde das Futter für die ersten beiden Trainingsdurchgänge mit 6 Dosen Mais, welche zu einem Mus verquirlt wurden und anschließend durch ein Sieb dem Futter am Vorabend zugegeben. Dieser Aufwand zeigte keinerlei Vorteil zu der Alternative, die Maiskörner auf das Futter zu cuppen oder zu werfen. Wir hatten uns für eine Mischung aus dem Sensas 3000 Carp und 3000 Gialla entschieden und mussten feststellen, dass diese Mischung die Fische zwar schnell an den Platz bringt, sie allerdings zu wenige große und feste Partikel enthält. Die Vielzahl der kleinen Fische machte sich gnadenlos über das Futter her und ließ nichts für den Zielfisch, die Karpfen übrig. Also mussten große Partikel, Graupen, Hanf und grob, gebrochener Mais, nachgekauft werden und wurden dem Futter beigefügt, bzw. geworfen. Die siegreichen Ungarn fischen ein Futter von Maros Mix, das Carp Cranch XXL pur, es glich in der Zusammensetzung reinem Schweinemastfutter. Diese Information wurde uns verständlicherweise erst bei der Siegerehrung zuteil.

Das Futter der deutschen nationalmannschaft - Tag 2 Das Futter der Ungarn - Tag 2

Nach dem Reglement der EPFC findet eine solche Meisterschaft in 2 Durchgängen statt, wobei jeweils 5 Stunden gefischt wird. Am ersten Tag ist ausschließlich die unberingte Rute erlaubt, am 2. Tag muss die Angel mit einer Rolle und einer durchlaufenden Schnur versehen sein, egal ob Match, Bolo oder Feeder, wobei in der Mehrzahl mit der Feederrute gefischt wird.

Im Training konnte festgestellt werden, dass 2 Futterplätze in jedem Durchgang zu befischen und unter Futter zu halten waren. Beim Stippen die 13 m Bahn und die 7 m Bahn, wobei das Futter und der lose Mais auf 13 m gecuppt werden musste und die Anfangsfütterung und auch die Partikel und der Mais von Hand auf der 7 m Bahn geworfen werden mussten. Beim Rollendurchgang die 30 m Bahn und wieder die 7m Bahn, auf der auch in beiden Durchgängen die größten und meisten Fische gefangen wurden. Anzumerken ist noch, dass genau bei 30 m das erste Stahlseil gespannt ist, um die Bahnenbojen der Ruderer zu halten.

Je näher man an dem Seil fischte und je genauer die Futterkörbe platziert werden konnten, je größer die Ausbeute auf dieser Bahn.

Schöner Graser

Zu unserer Ernüchterung nach dem ersten Durchgang trug neben ein wenig Lospech, Andreas Arend und Christian Spangenberg saßen schlecht im Sektor und kamen erwartungsgemäß schlecht an den Fisch, weitere negative Nachrichten bei. So hatte Harald Seifert, neben dem Ungarn sitzend eine Pechsträhne. Nachdem er 10 zu 4 Fische nach 2,5 Stunden gegen Sandor Lakatos in Führung lag, raubte ein meterlanger Wels genau auf seinem Futterplatz in 7 m Entfernung 2-mal. Die 13 m Bahn ließ sich nicht wieder reaktivieren und die sich anschließende Beißpause nutzte Sandor gnadenlos aus. Von dem ca. 10 kg schweren Armurkarpfen, den Harald mindestens 15 Minuten lang drillte und dem 8 Pfünder der beim Schlusssignal noch 50 cm vor dem Unterfangkescher war, wollten wir erst gar nicht berichten. Die Platzziffer 11 war das Ergebnis. Nur Ludwig Fröschl und Michael Kreutz fischten ein gutes Mannschaftsergebnis.

Franz Tischler Tag 2 Harry - Tag 2 Sektorensieg A mit 16690 gr.

Abgeschlagen hinter den Italienern fanden wir uns auf dem 4. Platz nach dem ersten Durchgang wieder. In der 2. Mannschaft konnte Franz Tischler seinen Sektor souverän gewinnen.

Jetzt galt es nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern zu versuchen im zweiten Durchgang noch das Treppchen zu erreichen.

Die ca. 13 Liter Futter wurden noch grober und neben 10 Dosen Mais wurde auch noch mehr Hanf eingesetzt. Der erlaubte Liter Caster wurde mit der Anfangsfütterung auf 7m geworfen. Laufend wurde von Anfang an mit der Hand lose Mais auf die 7 m Spur geworfen. Die Fische dort sind einfach nicht satt zu kriegen.

Setzkescher voll schöner Fische Franz Tischlers Fang

Harald konnte seinen Sektor aus der Mitte auf der A 14 mit der Feeder (!!!!) gewinnen, Michael fischte auf der schlechten Startnummer C4 eine starke 3, Andreas behaupte eine 6 aus der Sektorenmitte und wieder ereilte uns eine Hiobsbotschaft. Ludwig hatte zwar nur durchschnittlich gefangen, im D Sektor war aber insgesamt schlecht gefangen worden. Beim Herausheben des Setzkeschers fand sich ein einziges kleines Kärpflein (500 gr), der das klaffende Loch im Gewebe nicht gefunden hatte. Alle anderen gefangenen Fische hatten sich verabschiedet und es vorgezogen, nicht an der Verwiegung teilzunehmen. Eine 24 im Sektor war das Ergebnis. Jetzt war die Enttäuschung natürlich riesengroß.

Michael mit einem schönen Karpfen

Mit leicht hängenden Köpfen ging es am Abend zur Siegerehrung und dem anschließenden Festbankett. Übergroß war aber auch unsere Freude, als wir erfuhren, dass es uns denn noch gelungen war, die italienische Mannschaft hinter uns zu lassen und den 3. Platz und die Bronzemedaille erreicht zu haben. Somit gab es genug Grund nach einem tollen Essen das ungarische Bier mit unseren Freunden auf seine Qualität hin zu prüfen.

Ungefährdet gewannen die Ungarn die Europameisterschaft der Polizeiangler mit einer Platzziffer von nur 41 und einem Gesamtfanggewicht von fast 150 kg. Zweite wurde die englische Nationalmannschaft, die eindrucksvoll zeigte, dass auch sie mit dem Zielfisch Karpfen umgehen können.

Ungarn - Europameister 2015
2. Platz - National Team England 3. Platz - Die Deutsche Nationalmannschaft

Einzelsieger wurde Bill Rutherford aus England vor Bela Horvath und Mate Hujber aus Ungarn. Den 4. Platz belegte Franz Tischler aus der 2. Mannschaft mit einer Gesamtplatzziffer von 4 und fast 37 kg Gesamtfanggewicht.

Die Einzelsieger

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass dieses Gewässer mit seinem Fischbesatz und auch das Land Ungarn trotz der riesigen Entfernung eine Reise wert ist und sich bereits heute Teilnehmer mit dem Gedanken tragen, vielleicht an den Walterland Masters 2016 teilzunehmen.

Wie schon im Vorbericht dargestellt, sind die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den Polizisten verschiedener Nationen auch ein wichtiger Teil der Veranstaltung. Diesem Motto wurde bis in die frühen Morgenstunden des nächsten Tages gefrönt.

Im nächsten Jahr geht es in den Nordosten Italiens nach Verona. Ende September 2016 wird dann am bekannt fischreichen „Adige“ gefischt.

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