Feeder Weltmeisterschaft 2016 - Der Bericht - Teil 1

  • von Jens Koschnick
  • 19. Juli 2016 um 09:00
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Ein Sommermärchen

Nach über 35 Jahren gelang es erstmals wieder einer deutschen Mannschaft, den Weltmeisterschaftstitel im sportlichen Friedfischangeln, in die Bundesrepublik zu holen! In der Disziplin Feedern, oder zu Deutsch Futterkorbangeln, trafen sich im Juni, 28 Nationen in Novi Sad am DTD Kanal, um den Weltmeisterschaftstitel 2016 auszutragen. Es hätten wohl nur die Wenigsten vorher damit gerechnet, dass unsere Nation die internationale Matchszene mit einem solchen Paukenschlag aufmischt. Mit 21 Punkten nach zwei Durchgängen und 13 Punkten Vorsprung auf den Zweitplatzierten England, stand am 19.06.2016 das deutsche Feederteam auf dem Goldpodium und sang aus vollen Kehlen unsere Nationalhymne!

Im Folgenden Bericht wird die Achterbahnfahrt und das Abenteuer Feeder WM 2016 im Rückblick erzählt und soll Euch alle an den unfassbar emotionalen Tagen der deutschen Mannschaft in Serbien teilhaben lassen...

Die Mannschaft

Aus den Ergebnissen des Sichtungsangeln 2015, hat Bundestrainer Kurt Kricke den Kader für die WM 2016 gebildet. Anders als bei den vorherigen Weltmeisterschaften, richtete sich die Auswahl nicht nur streng nach Rangliste der Sichtung, sondern auch nach Sozialkompetenz, Ausstattung, Vorbereitung und Handling der jeweiligen Angler. So konnten Nominierungen, unter diesen Aspekten, von Platz 1-15 der Sichtung vorgenommen werden.

Folgende Angler erhielten das Vertrauen des Trainers:

  • Ingo Frerichs
  • Felix Scheuermann
  • Jens Dirksen
  • Thorsten Küsters
  • Michael Kropidlowski
  • Jens Koschnick

Somit waren die Angler festgelegt.

Team Germany 2016

Doch was ist eine Mannschaft ohne Betreuerstaab? Folgende Betreuer nahmen Kosten, Urlaub und viel persönliches Angagement auf sich, um die Angler in Serbien zu unterstützen:

  • Peter König
  • Roland Goerke
  • Thomas Vielmeier
  • Michael Meyer
  • Julian Feuerlein
  • Thomas und Freddy Küsters
  • Jürgen Koschnick

Man kann den Betreuern, die im Hintergrund agieren, den Anglern den Rücken freihalten, sich um die Köder kümmern und andere Nationen im Training stundenlang beobachten, einfach nicht genug danken! Schon an dieser frühen Stelle, möchte ich Euch den aller höchsten Respekt aussprechen! Was Ihr für diesen Erfolg reingeworfen habt, ist einfach nur sagenhaft!

Die WM Strecke in Novi Sad

Am 12.06 begann unsere gemeinsame Reise. Geschlossen fuhren wir mit 4 PKW´s Richtung Serbien. Dabei durchfuhren wir Österreich und Ungarn, bevor wir dann letztendlich nach ca.1400 gefahrenen Kilometern, Serbien erreichten. Die Unterkunft war perfekt gelegen und bot uns genügend Platz für Köderpflege und Materialzusammenstellung. Nach Ankunft wurde das Tackle vorbereitet und ein Trainingsplan erstellt, der das schematische Vorgehen während der offiziellen Trainingstage vorgeben sollte. In gemütlicher Runde und in voller Vorfreude auf die beginnende Trainingswoche, ließen wir den Tag ausklingen.

Teamwork

Endlich kam der lang ersehnte Montag und das offizielle Training begann. Um es vorweg zu nehmen, wir hatten eine perfekte Trainingswoche! Nach einem ersten Gefühl für das Gewässer am Montag, kamen wir Tag für Tag der entscheidenden Taktik ein Stück näher. Dabei versuchten wir nicht sinnlos alle möglichen Varianten des modernen Feederfischens auszutesten, sonder vielmehr berufen wir uns auf unsere Stärken und eigene Erfahrungen. Schnell stellten sich die zu beangelnden Fischarten heraus. Der beißfreudigste Vertretet war der Katzenwels, der uns die ganzen Tage mit seinen giftigen Brust und Rückenflossen, wespenstichähnliche Schmerzen zufügte. Dann kamen Skimmer, Barsche und in einigen Bereichen noch Karauschen hinzu. Also ein bunter Mix aus Fischbeständen, die wir nicht alle gewohnt sind zu beangeln. Wir beschlossen das gezielte Fangen einer jeder einzelnen Fischart zu trainieren. So trainierten einige unserer Angler einen ganzen Tag auf Wels, andere auf Skimmer und Karauschen. Dabei haben wir natürlich versucht zu filtern, mit welcher Futterstrategie, welcher Köderzugabe und Angeldistanz das Idealergebnis erzielt wird. So haben wir für jede Fischart eine sichere Fanganleitung ermittelt.

Doch auf welche Fischart sollten wir uns konzentrieren? Diese Frage war die alles entscheidende Frage, die je nach Sektor über Sieg und Niederlage entschied. Nicht alle Bereiche waren gleich und erforderten differenzierte Herangehensweisen. Taktisch höchst anspruchsvoll für den Angler, war die schnelle Beurteilung der einzelnen Sektoren durch die Betreuer mindestens genauso wichtig, um den Angler notfalls auf andere Fische im Durchgang umzustellen. Durch unser eigenes Training und die hervorragende Betreuerarbeit fanden wir heraus, in welchen Sektoren welche Fischarten dominierten. So wurde der gesamte Betreuerstaab genutzt, um ALLE Streckenbereiche, jeden Tag, über die gesamte Trainingsdauer von 5 Stunden zu beobachten.

Was dort an Engagement durch unsren Background gebracht wurde und wie viele wichtige Informationen durch sie gebündelt wurden, ist nicht zu hoch zu werten. Dieser Einsatz hat uns Angler wirklich gepuscht und das Gefühl einer geschlossenen Einheit untermauert! Es kristallisierte sich heraus, dass unsere Trainingsfänge überdurchschnittlich gut waren. Egal, ob der Vergleich mit den benachbarten Boxen, oder der Vergleich über die Tage mit den jeweiligen Boxen, in denen wir gesessen hatten. Ebenfalls zeigte sich, dass unsere Skimmerfänge deutlich besser waren, als bei den Engländern, Holländern oder Ungarn.

Mückenlieferung Roland Goerke schnitt unermüdlich Würmer für die Angler
Der Betreuerstaab kümmerte sich um die Köder

Darauf bauten wir auf und ermittelten zunehmend präziser, was die Skimmer wollten.

Der letzte Trainingstag war die vorsichtige Umsetzung unserer gebildeten Taktik fürs Wochenende. Idealerweise saßen wir an diesem Tag neben den Holländern in der Trainingsbox 7. Wieder konnten wir deutlich mehr Gewicht machen und holten uns die Bestätigung und das nötige Selbstvertrauen für die WM-Durchgänge. Jeder von uns spürte, dass da was geht dieses Jahr. Jeder fühlte sich sicher. Keiner brauchte sich nach links oder rechts orientieren. Es gab für jede Situation Notfallpläne. Die Betreuer waren alle auf Zack. Und das aller Wichtigste: Es war unsere Taktik! Wir haben keine Nation kopiert, oder versucht nachzuahmen. Das hatte in den Vorjahren teilweise nur zu Verwirrungen geführt.

Kraut erschwerte das Angeln im Training

Wie genau sah jetzt unsere Taktik aus und wie beangelten wir die einzelnen Fischarten?

Sektor A, B und C waren sehr gleichmäßig und perfekt für unsere Skimmertaktik. Dort fischten wir zwischen 20 und 27m hinter den Steinpackungen. Es war sehr eindeutig auszuloten, dass von 18m aus bis zum Ufer Steine im Wasser lagen. Danach kam nur noch sandiger Schlammboden. Genau 1m dahinter legten wir unseren Skimmerplatz an, egal wie weit unsere Nachbarn warfen! Die Uferbereiche in den drei Sektoren, waren nahezu nicht befischbar. Hänger über Hänger zogen sich von Platz zu Platz. Trotzdem legten wir dort auch einen Notfallplatz um die 7m Angeldistanz an.
Der Sektor D lag in einer langgezogenen Bucht. Dabei saßen die niedrigen Nummern von 1-6 noch im geraden Stück des Kanals und die restlichen Ziffern saßen in der Bucht. Eindeutig war dieser Sektor sehr schwierig zu befischen. Wir beschlossen unsere Skimmertaktik im Bereich 1-6 zu fischen. Alle höheren Nummern sollten hauptsächlich im Nahbereich zwischen 6 und 10m befischt werden. Auf dieser Entfernung ließen sich schnell kleine Fische sammeln, die ein sicheres Mannschaftsergebnis sichern sollten. Katzenwelse, Grundeln und einzelne Skimmer waren die Zielfische im Sektor D.

Der D-Sektor in der Bucht

Der E Sektor war ebenfalls als schwierig zu bezeichnen. Im Training fanden wir heraus, dass sich viele Karauschen im Uferbereich in den Krautfeldern aufhielten, allerdings waren diese nicht auf jedem Platz. Die Katzenwelse waren auch in großer Stückzahl dort und überall zu fangen. Nur die Skimmertaktik funktionierte nicht, da es in diesem Bereich nicht genug davon gab. Also hieß es zwei Entfernungen füttern. 6-10m auf Karauschen und 20-25m auf Welse.

Soweit zur Theorie

Wie fischten wir auf die Skimmer?

Da die Köderaufnahme extrem sensibel war, mussten die Montagen einwandfrei funktionieren. Die Schlagschnüre wurden so kurz wie möglich gehalten, um eine direkte Bissanzeige zu haben, die Reaktionszeit beim Anschlag zu verringern und keine Probleme mit dem Kraut im Wasser zu bekommen, welches sich gerne um den Schlagschnurknoten legte.

Alle Mücken wurden gewaschen und gepflegt
Ich fischte eine 8er Nanofil Schnur, an der ein Meter 22er Cenex Schlagschnur geknotet war. Als Montage benutzte ich mein Koschrig, welches mich weltmeisterlich durch beide Durchgänge brachte. Das 12er Vorfach war 70cm lang und endete an einem 16er Haken. Beste Köder waren Mücke, Made und Pinkie. Plastikkörbe in 25-40g stellten sich als ideal heraus.

Thorsten und Jens disskutierten viel über die Hakemodelle Siegertypen

Wir fütterten 6-7 Körbe in der Anfangsfütterung mit toten Maden, kleinen Mückenlarven und weningen Pinkies. Als Futter benutzten wir das Aktiv Mix aus der TK Serie von HJG Drescher. Im Angelverlauf waren wir darauf bedacht den Wurfrhytmus hoch zu halten, um die Fische an unseren Bereich zu binden. Oft brachte das vorsichtige Ziehen des Korbes eine sofortige Reaktion der vorsichtigen Skimmer.

Wie fischten wir auf Katzenwelse?

Monntage und Tackle alles gleich. Nur die Vorfachlänge wurde auf 50cm herunter gesetzt. Das diente dazu, die Bisse schneller sehen zu können. Die Welse stellten sich direkt aufs Futter. Somit bekam man mit einem kurzen Vorfach schneller einen Biss. Ebenso kam es häufig vor, dass die Welse den Köder geschluckt haben, sich aber nicht bewegten. Auch bei dieser Fischart haben wir den Köder immer wieder bewegt, um schnelle Bisse zu erzwingen. Immer wenn wir keine Skimmer auf dem Futterplatz hatten, versuchten wir wenigstens einen Wels mit einzukurbeln. So fanden wir heraus, dass die Welse besonders gut auf Wurm und Maden reagierten.

Training in der Endbox

Wie fingen wir Karauschen?

Diese hielten sich bevorzugt in Ufernähe zwischen 6 und 10m auf. Hier fischten wir durchgehende 20er Mono an gleichen Montagen. In diesem Nahbereich kamen ganz kleine 10g Maschenkörbe zum Einsatz, die die Fische in dem flachen Wasser nicht so aufscheuchen sollten. Gefüttert haben wir kleine Wurmstückchen, die wir dann auch als Hakenköder benutzten.

Im zweiten Teil berichte ich von den beiden Durchgängen und unserem Weg zum Gold.

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