Jugendwelmeisterschaft 2019 in Ciudad Real/ El Vicario

  • von Brian Überleer
  • 09. Oktober 2019 um 08:00
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Ein Bericht der U25...

Sonne und Fische satt- das diesjährige Motto der Jugendweltmeisterschaft am El Vicario Stausee im Herzen Spaniens, hätte besser nicht sein können. Im Nachhinein sicher eine der fischreichsten Weltmeisterschaften, die meine Kollegen und Ich je bestreiten durften. Doch dazu später mehr. Nach durchschnittlichen 2100 km Anreise, trafen alle Teammitglieder der  u20/25 am Sonntag mitsamt voll beladenen Autos, in Spanien ein, um sich dort bereits vor dem offiziellen Training, welches am Dienstag beginnen sollte, an die doch deutlich wärmeren Temperaturen zu gewöhnen. Das Team der u25 bestand aus Trainer Thomas Unger und CoTrainer Heinz Zimmermann, sowie den Anglern Roman Westkämper, Nick Unger, Fabian Homeier, Johannes Niemierza und Brian Überleer.  Das Quartier für die nächste Woche wurde bezogen, Kühlschränke aufgestellt und Material vorbereitet.

Das Team der u25

Eine Weltmeisterschaft in einem warmen Land wie Spanien ist immer wieder eine gerätetechnische Umstellung, da die Fische in der Regel deutlich kampfstärker und häufig auch noch zahlreicher sind, als in unseren Breitengraden.

Der El Vicario Lake in Spanien ist ein recht großer Stausee inmitten der spanischen Einöde, welcher jedoch optimal für die dortige Fischerei präpariert war. Jeder Angelplatz war ausgestattet mit einer aus Beton gegossenen Treppe, welche im Vorfeld der Wm noch einmal erneuert wurden. Man stelle sich vor, man würde in Deutschland...

Der El Vicario Lake in Spanien

Doch nun zum anglerischen Aspekt: Hauptfisch der diesjährigen Wm waren Karauschen mit einem Stückgewicht von 300gr- 2,5kg., Rotaugen bis 200gr. und unser aller Lieblingsfisch, der Katzenwels. Letztere wogen zwischen 50 und 80g.  Leider stellen Katzenwelse mittlerweile in vielen warmen Ländern eine wahre Plage dar. So war es nicht verwunderlich, dass im Laufe der Woche Fangzahlen bis zu 800 Fischen in 4 Stunden erreicht wurden. Leider bringt die Angelei auf Katzenwels einen Haken mit sich - naja, eigentlich genauer gesagt 3 Haken. Katzenwelse besitzen im Bereich der Brustflossen und der Rückenflosse jeweils einen extrem spitzen Stachel, welcher bei Berührung ein gerinnungshemmendes Gift absondert. Das Resultat eines Stichs war je nach Einstichtiefe zunächst ein Schmerz, welcher in ein taubes Gefühl überging. Zudem blutete der Stichkanal recht stark. Kurzum: man musste die Zähne zusammenbeißen oder einfach geschickter sein. Im Laufe der Woche gewöhnten sich jedoch alle Angler recht schnell an dieses Problem und mit der speziellen Grifftechnik war es am Ende ein leichtes, die besagte „Katze“ unfallfrei in den Setzkescher zu bringen. Trotzdem hörte man bei allen Nationen immer wieder ein spöttisches „Miau Miau“ an der Angelstrecke erklingen, wenn sich dann doch der ein oder andere Stich bei dem Teamkollegen ereignete.

Wie oben bereits beschrieben, waren jedoch nicht nur Katzenwelse zu fangen. Aufgrund dessen kristallisierte sich im Verlauf der Trainingswoche heraus, dass es wohl mehrere Taktiken geben würde, welche im Wettkampf zum Erfolg führen könnten.

Die erste Möglichkeit war die Angelei auf Katzenwels. In der Theorie recht simpel, zeigten sich hier einmal wieder, das Nationen wie Frankreich oder Kroatien, welche häufig auf Katzen angeln, schwer zu schlagen waren.

In der Regel wurde die Angelei auf Katzenwels auf der verkürzten 7-9m Spur begonnen. Im Verlauf des Angeln versuchte man dann, die Angeldistanz immer weiter zu verkürzen, bis man schließlich auf 4m angekommen war.

Wir verwendeten auf dieser Spur karottenförmige Speedposen mit 2-4gr, gepaart mit einer 20er Hauptschnur und speziellen Katzenwelshaken bis Gr 10. Der Widerhaken musste perfekt angedrückt sein, da der Fisch so deutlich schneller abgehakt werden konnte. Wir fütterten zum Start ca. 10-15 Ballen eines klebrigen Futermixes auf 9m. Der mix Bestand aus Sensas Gros Gardon/ Carp fine/ carassio und schwerer Erde. In diesem Mix befanden sich reichlich tote Maden, einige Mückenlarven und geschnittene Würmer. Diese Bahn war der Hauptfutterpunkt des gesamten Angelplatzes. Weiterhin setzten wir auf der 11,5-12m Spur 3-4 Ballen, welche lediglich Mückenlarven und reichlich Mais enthielten. Nach der Startfütterung begann man sofort, kleine, harte gedrückte Ballen ca. einen Meter kürzer zu werfen, als die eigentliche Futterspur. Das ständige „Plopp“ Geräusch schien sehr anziehend zu sein, was Katzenwelse betraf. Fing man nun während des Angelns in einer guten Frequenz Welse, konnte man durch das ständige Füttern versuchen, den Fischschwarm weiter ans Ufer zu stellen. Machte man alles richtig, so konnte man mit einem Fanggericht von 18-28kg rechnen.

Die zweite Option stellte die Angelei auf Karauschen dar, welche allerdings nicht auf allen Angelplätzen gleichermaßen erfolgreich zu sein schien. Im Laufe der Trainingswoche stellte sich heraus, dass man äußerst flexibel sein musste, um die volle Angelzeit Karauschen fangen zu können. Wichtig war auch hier das richtige Gerätesetup, da man diese Fischart doch etwas feiner beangeln sollte, als es bei den Katzenwelsen der Fall war. In der Regel fischten wir stabile, langgezogene Schwimmer mit Karbonkiel und tragender Plastikantenne bis 3 gr., gepaart mit einer 16er Hauptschnur und kleinen, eiförmigen Haken (Kamasan B560 in 16-20), an einem Hohlgumizug, welche eine Dicke von etwa 2mm haben sollte.

Wie bereits angesprochen musste man äußerst flexibel sein, um ständig Karauschen zu fangen. Dies begründete sich damit, dass die Karauschenschwärme ständig ihre Position änderten. Man begann in der Regel auf den gekuppten Ballen der 11,50-12m Bahn zu angeln. Die Montage wurde hier bündig gelotet. Hier fing man meist ein bis drei Fische, worauf dann eine Beißpause folgte. Die Fische waren jedoch nicht weg, sondern waren meist nur ein wenig weiter Richtung Gewässermitte gewandert. Nun steckte man nach und nach entweder Extension oder das 13m Handteil auf und man bekam häufig sofort wieder Bisse. Wurden die Bisse wieder weniger, verkürzte man wieder und begann erneut auf dem Futter zu fischen. Im ersten Moment klingt diese Verfahrensweise etwas kompliziert, jedoch ist die Angelei auf Karauschen manchmal etwas trickreich und nur so ließen sich über die meiste Angelzeit regelmäßig Bisse generieren.

Voller Tatendrang und mit reichlich Erkenntnissen aus dem Training im Gepäck, begann dann am Samstagmorgen der erste Durchgang. Das Los bescherte uns nach unserem Dafürhalten kein schlechtes, aber auch kein besonders gutes Ergebnis. Ich persönlich loste Platz B4, ein Bereich im Außensektor, welcher recht fischreich war. Direkt neben mir hatte ich einen der wohl besten französischen Katzenangler neben mir, was sich im Nachhinein als hilfreich zeigte, da ich so stets eine Rhythmus vorgegeben bekam und mich so immer optimal orientieren konnte. Wir alle versuchten die besprochene Taktik umzusetzen. Somit startete ich den ersten Durchgang auf der kurzen Katzenbahn und konnte gut mit dem Franzosen direkt neben mir mithalten. Unsere Vorgehensweise schien von der ersten Minute voll aufzugehen und so konnte ich im Verlauf des Angelns immer schneller und schneller werden, sodass ich bald nur noch die 4m Bahn befischte und teilweise bis zu 4 Fische die Minute fing. Leider konnte ich am Ende den Franzosen nicht besiegen und das Kleinfischduell ging mit 529 fischen/ 26,4kg zu 650 Fischen /28Kg an den Franzosen. Ich konnte mit dieser Leistung den dritten Platz im Sektor belegen. Erster wurde ein Ungar auf dem Endplatz mit 38Kg! Karauschen. Man merkt bereits hier, was für Fischmassen in diesem Stausee vorkommen mussten. Zeitweise waren, vor allem bei den Anglern, welche auf Katzenwels fischten, Schwarzen Trauben unter Wasser zu beobachten, welche sich aus Katzenwelse zusammensetzten. Der Veranstalter der Wm nannte am Ende eine Gesamtfischzahl im Bereich 80.000!

Leider ging unsere Taktik nicht bei allen Teammitgliedern vollkommen auf, sodass wir uns nach dem ersten Tag auf Platz 7 mit der Platzziffer 30 (2/3/12/13) wiederfanden. Leider losten wir zwei mal einen Bereich, in welchem wir nicht trainierten und unsere Taktik dort nicht richtig anpassen konnten. Es zeigte sich beispielsweise, dass aufgrund der markanten Struktur des Stausees manche Bereiche extrem tief waren, wo andere Sektorenbereich lediglich 2m Wasser aufwiesen. Teams, welche diese Gegebenheiten besser in ihre Taktik integriert hatten, landeten somit leider vor uns. Doch diese Erkenntnisse machten wir uns dann am zweiten Tag zunutze, um noch einmal alles zu geben.

Ich loste für den zweiten Durchgang wieder den B Sektor, allerdings einen inneren Platz, welche am Vortag kein gutes Katzenwelsergebnis hervorbrachte. Dies sollte sich im Verlauf des Fischens bestätigen, da es mir die gesamte Angelzeit nicht möglich war, eine Rhythmus aufzubauen. Es schien, als würden die Welse bestimmte Bereiche meiden und in anderen dafür sehr zahlreich vorkommen. Somit hieß es für mich nun Umstellen und somit begann ich fortan auf Karauschen zu fischen. Ich schaffte es über die Angelzeit immer wieder Karauschen zu fangen, sodass mein Fanggewicht am Ende mit 22KG doch noch ganz ordentlich zu sein schien. Leider war dies nicht genug, da am Ende doch relativ viele Katzenwelse gefangen wurden und die Gewichte der Kleinfischangler in der Regel bei 23- 24 Kg in diesem Sektor lagen. Somit beendete ich den zweiten Tag mit einem enttäuschenden 9ten Platz. Meine Mannschaftskollegen waren jedoch um einiges erfolgreicher. Nick, welcher die neuen Erkenntnisse vom tag 1 hervorragend nutzte, wurde in seinem Sektor zweiter, nur wenige Gramms hinter dem Erstplatzierten. Die weiteren Platzziffern waren 4 von Fabian Homer und Platz 5 von Roman Westkämper, dem besten deutschen Teilnehmer der diesjährigen Wm. Somit waren wir in der Gesamtwertung 2 Tag auf Platz 2. Lediglich die Franzosen waren nicht zu schlagen. Alle Platzziffern addiert ergab sich am Ende der 5 Platz in der Endwertung mit Platzziffer 50 und lediglich 3 Punkten Rückstand auf den Bronzeplatz. Wir hatten namenhafte Teams wie England, Holland oder Italien hinter uns lassen können und waren am Ende mit dem Ergebnis allesamt zufrieden. Wir alle durften in dieser Woche viel über die Angelei auf Katzenwels lernen und auch abseits der Angelstrecke konnten viele neue Eindrücke gesammelt werden.

Am Ende dieses Einblicks in unsere WmReise möchte ich noch einmal dem DSAV und allen weiteren Sponsoren, Gönnern und Betreuern danken, die uns eine Teilnahme an dieser rundum gelungenen Wm ermöglicht haben.

Ein großes Dankeschön geht ebenso an Manager Herry Panno, welcher durch seinen unermüdlichen Einsatz seit Jahren dafür sorgt, dass Deutschlands Angeljugend den Weg an internationale Angelgewässer findet. Diese Engagement über so einen Zeitraum ist sicherlich einmalig.

Ich hoffe auf viele weitere erfolgreiche WM Teilnahmen und verbleibe mit sportlichen Grüßen,

Brian Überleer

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